Migration
In Spanien kein Job – nun arbeitet er wieder im Aargau

José Infante lässt seine Familie in La Coruña zurück. Bis zur Rente will er hierbleiben. Infante ist nicht allein: Jeder vierte Spanier ist ohne Arbeit, und nicht wenige verlassen das Land.

Fabian Muster
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José Infante auf der Baustelle der Transportfirma Galliker in Nebikon LU. Annika Bütschi

José Infante auf der Baustelle der Transportfirma Galliker in Nebikon LU. Annika Bütschi

In Spanien ist die Arbeitslosigkeit so hoch wie seit 1976 nicht mehr, einem Jahr nach dem Tod des Diktators Franco: Sie liegt derzeit bei knapp 25 Prozent. Jeder vierte Spanier ist damit ohne Arbeit. Vor allem das Baugeschäft liegt darnieder. Das bekommt auch José Infante zu spüren. In seiner Heimatstadt La Coruña hält sich der Bauarbeiter nur noch mit Gelegenheitsjobs über Wasser, seit er bei einer Baufirma entlassen wurde, die dichtmachen musste. Er muss sogar schwarz arbeiten, damit er seine Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern über die Runden bringen kann. Ein Jahr ist er sogar vollständig arbeitslos. «Spanien geht es sehr schlecht. Vielleicht fällt das Land in den nächsten Jahren auf das Niveau Argentiniens zurück», sagt er auf Schweizerdeutsch mit starkem spanischen Akzent.

Geschätzter Mitarbeiter

Vergangenen November erinnerte er sich seiner Schweizer Vergangenheit. Er greift zum Telefonhörer und ruft seinen ehemaligen Chef bei der Baufirma Implenia im Aargau an. Dieser fackelt nicht lange und stellt den zuvor geschätzten Mitarbeiter gleich wieder ein. Bereits zwischen 1986 und 2007 war er im Aargau als Bauarbeiter tätig, zuletzt als Angestellter bei Implenia. Sein jetziger Vorgesetzter, der Polier Thomas Hemmi, hat ihn schon damals gekannt und nur lobende Worte für den Vorarbeiter übrig. «Es ist extrem schwierig, so gute Fachleute wie ihn auf dem Markt zu finden.»

Seit Anfang Februar arbeitet Infante nun wieder im Aargau. Als Vorarbeiter koordiniert er auf der Baustelle der Transportfirma Galliker in Nebikon LU ein Team von 12 Leuten. Mit Bauarbeiterkollegen wohnt er in einer Firmenwohnung in Baden. Auf dem Laufenden, was in seiner Heimat passiert, hält er sich über Nachrichtensendungen. Internet hat er nicht.

Zukunft sieht er in der Schweiz

Seine Familie hat er in La Coruña zurückgelassen. Wie 1986, als er als 18-Jähriger in die Schweiz zog, um schon damals der Arbeitslosigkeit in seiner Heimat zu entgehen. Ob er seine Frau und seine zwei Kinder im Alter von 9 und 16 Jahren vermisse? «Nein, das ist nicht mehr so schwer», sagt er nach kurzem Zögern. Man hätte sich daran gewohnt. «Was habe ich aber für eine andere Möglichkeit?», fragt er rhetorisch zurück.

Seine Familie besucht er so oft wie möglich. Im Winter, wenn die Arbeiten auf der Baustelle ruhen, ist er für bis zu eineinhalb Monaten zu Hause. In einem Dorf in der Nähe von La Coruña besitzt seine Familie ein Haus. Neben seiner Frau mit den Kindern wohnt dort auch seine 82-jährige Mutter. Sein Vater ist letztes Jahr 94-jährig gestorben. Die Betreuung seiner Eltern war mit ein Grund, wieso seine Frau in Spanien blieb. «Ich wollte sie nicht in ein Altersheim schicken.»

Seine Zukunft sieht er vorläufig in der Schweiz. «Bis zur Pension», sagt er mit einem Schmunzeln. Nicht ohne guten Grund: In der Schweiz wird er dereinst mit 60 pensioniert, in Spanien neuerdings erst mit 67.