Bei den Tomaten wächst Franzosenkraut. Eibisch und Herzgespann teilen sich ein Beet. Die roten Blüten der Feuerbohne ragen hoch hinauf. Die Indianerbanane wird gehegt und gepflegt.

Die rosaroten Hortensien fallen im grünen Pflanzenmeer des Gartens auf. Und der Apfelbaum trägt Früchte.

Der Garten von Sonja Wunderlin in Laufenburg ist weitläufig. Er umgibt das Haus, von dem sie sagt, dass es zum Garten gehört und nicht umgekehrt. Und er ist über 80 Jahre alt – und damit fast 50 Jahre älter als seine Besitzerin.

Freiraum für die Natur

Wenn Sonja Wunderlin von ihrem Garten spricht, kommt sie ins Schwärmen. Erst seit knapp einem Jahr bewohnt sie zusammen mit ihrem Partner das Haus Im Bifang.

«Ein grosser Dank gebührt den Vorbesitzern Dorli und Walter Wunderlin, die den Garten lange Jahre liebevoll gepflegt haben, ehe sie Haus und Garten altershalber verkaufen wollten.»

Die identischen Nachnamen sind Zufall, doch in Bezug auf den Garten besteht Seelenverwandtschaft. «Wir haben die gleichen Vorstellungen von einem Garten», hat Sonja Wunderlin bald gemerkt.

«Es herrscht Vielfalt. Es hat auch mal Platz für einen Steinhaufen, Holzschnitte dürfen liegen bleiben, es gibt dunkle und feuchte Ecken. Tiere sind erwünscht und geschätzt.»

Und die Tiere danken es: Käfer, Vögel, Frösche, Kröten, Blindschleichen und Eidechsen nutzen den Lebensraum gerne. Ja sogar der Biber macht ab und an einen Ausflug vom nahe gelegenen Rhein in den Wunderlin’schen Garten – und fällte auch schon einen Apfelbaum.

Sonja Wunderlins Interesse für Pflanzen kommt nicht von ungefähr. Sie praktiziert als Naturärztin im Bereich der traditionellen europäischen Naturheilkunde. Noch dieses Jahr zügelt sie ihre Praxis von Möhlin in die Laufenburger Altstadt. Patienten werden von ihr zunächst ganzheitlich befragt. «Körper, Geist und Seele gehören untrennbar zusammen», erklärt sie.

Pflanzen als Heilmittel

«Nach der Diagnose arbeite ich unter anderem mit Pflanzen im stofflichen Bereich.» Das heisst mit Tinkturen, Tees oder Salben, die sie allerdings nicht selber herstellt. Aber: «Mir ist wichtig, dass ich die Pflanzen kenne. So kann ich für Patienten die richtige Auswahl treffen.»

Seit langem ist sie deshalb immer wieder in Feld, Wald und Wiese unterwegs, um Pflanzen zu entdecken und kennen zu lernen. «Mit dem Garten habe ich jetzt sogar ein Stück Wald und Wiese vor dem Haus», sagt sie schmunzelnd und gibt zu, dass sie noch nicht alle Pflanzen im Garten benennen kann.

«Am Anfang habe ich einen Rundgang mit der ‹Flora Helvetica› und dem ‹Fleischhauer› gemacht.»

Beides sind Standardwerke für die Bestimmung von Pflanzen und essbaren Wildpflanzen. «Ich muss gar nicht viel ansäen, viele Heilkräuter wachsen von alleine», so die Naturärztin.

Dennoch verbringt sie pro Woche rund einen Tag im Garten. Schneidet zurück, macht sich Gedanken über Patienten, selektioniert Kräuter. «Es ist eine Sisyphusarbeit. Wenn ich an einer Ecke etwas zurückschneide, wächst es an der anderen wieder nach.»

Gartengemeinschaft gegründet

Die Arbeit teilt sie sich mit ihrem Partner. Zudem arbeiten zwei weitere Parteien mit. «Sie wohnen ebenfalls in Laufenburg, haben aber keinen eigenen Garten. Also haben wir eine Gartengemeinschaft gegründet.»

So ist der Garten nicht nur von Pflanzen und Tieren, sondern auch von Menschen belebt. Zudem geniessen oft Gäste die spezielle Ambiance. «Das ist jeweils der Moment, wo auch ich im Garten sitzen und ihn geniessen kann, ohne darin zu arbeiten», sagt Sonja Wunderlin schmunzelnd.