Leere Kassen
In diesen Gemeinden ist der Steuerdruck am grössten - die Liste

Hier die Steuererhöhung beantragt, dort eine Steuererhöhung angekündigt. Fast täglich machen Aargauer Gemeinden diesen Herbst Schlagzeilen mit schiefer Finanzlage. Die Liste zeigt: Je weiter oben die Gemeinde, desto höher der Steuerdruck.

Urs Moser
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Steuerdruck sehr hoch: Der Zeiger zeigt bei vielen Gemeinden auf Rot.

Steuerdruck sehr hoch: Der Zeiger zeigt bei vielen Gemeinden auf Rot.

AZ

Döttingen

Der Spezialfall am anderen Ende der Skala. Jahrelang profitierte die Gemeinde als AKW-Standort vom Geldsegen des Stromriesen Axpo. Nun fallen Abgaben in Millionen weg, der Steuerfuss im Steuerparadies soll auf einen Schlag um satte 25 auf dann nurmehr durchschnittliche 105 Prozent angehoben werden.

Oberrohrdorf

Gleich um 10 auf 93 Prozent will der Gemeinderat den Steuerfuss anheben. Was soll er machen: Der Steuerertrag pro Kopf ist seit Jahren rückläufig, und nun stehen Investitionen an, die in wenigen Jahren die Verschuldung auf 20 Millionen ansteigen lassen würden.

Villmergen

Schon letztes Jahr um 5 und jetzt gleich noch einmal um 8 Prozentpunkte sollen die Steuern rauf. Die Gemeinde ist stark gewachsen, nicht aber ihre Steuerkraft. Und irgendwie muss man das neue Schulzentrum für über 23 Millionen bezahlen.

Muri

Um 6 auf 109 Prozent sollen die Steuern erhöht werden. Für die nächsten 10 Jahre rechnet die Gemeinde mit einem Investitionsbedarf von 50 Millionen.

Staufen

Mit einem Steuerfuss von 80 Prozent steht die Gemeinde gut da, aber jetzt soll er auf 85 Prozent steigen. Auch hier wird das mit sonst nicht finanzierbaren Investitionen begründet.

Unterentfelden

Bereits die zweite Steuererhöhung in Folge steht an: Wie schon letztes Jahr noch einmal um 5 Prozentpunkte auf dann 113 Prozent. Die Mehreinnahmen aus der letzten Erhöhung habe die Steuerrevision des Kantons gleich wieder weggefressen, so der Gemeinderat.

Schafisheim

Die Kostenschätzung für ein Schulhausprojekt liegt bei 11,5 Millionen. Um 4 auf 102 Prozent sollen die Steuern erhöht werden, und für 2016 hat der Gemeinderat bereits angekündigt, dass man nicht um einen weiteren Aufschlag auf 105 Prozent herumkommen wird.

Wettingen

Der Bedarf war schon lange angekündigt, jetzt gilt es ernst: Die Steuern sollen um 3 auf 95 Prozent steigen. Es stehen teure Schulbauten an.

Spreitenbach

Das Budget wird aus den Aufwertungsreserven um 1,3 Millionen aufgebessert, aber das reicht immer noch nicht für einen ausgeglichenen Haushalt. Die Steuern sollen um 2 Prozentpunkte auf 103 Prozent erhöht werden.

Buchs

Eine Schonfrist, mehr nicht. Der Gemeinderat legt ein Budget mit 1,4 Millionen Defizit vor, allein die Sozialhilfeausgaben steigen um eine halbe auf 3,5 Millionen. Für 2016 hält der Gemeinderat eine Steuererhöhung um 8 auf 105 Prozent für unerlässlich.

Wohlen

Die Finanzlage ist einigermassen desolat, aber das letzte Wort hat nun einmal das Stimmvolk. Es hat letztes Jahr eine vergleichsweise bescheidene Steuererhöhung abgelehnt, also bleibt es vorläufig dabei. Für 2016 droht dann aber eine Erhöhung gleich um 7 auf 120 Prozent.

Obersiggenthal

Der Gemeinderat unter neuer Führung will einen rigoroseren Sparkurs fahren und das Budget 2015 noch einmal ohne Steuererhöhung stemmen. Für 2016 hat er aber bereits eine Erhöhung um 2 auf 100 Prozent angekündigt.

Gränichen

Das Defizit konnte von 2 auf 1 Million gedrückt werden, aber bei hohem Investitionsbedarf fehlt das Geld an allen Ecken. Heuer versucht man es noch einmal ohne Steuererhöhung, aber nächstes Jahr wird das kaum mehr möglich sein.

Aarau

Noch ist die Hauptstadt reich, aber sie lebt auf grossem Fuss. Das Vermögen von 118 Millionen ist nach aktueller Planung bis 2019 weg. Der Stadtrat hat schon angekündigt, dass er nächstes Jahr eine Steuererhöhung durchzubringen versucht.

Baden

Das Thema Steuererhöhung ist hier (noch?) ein politisches Tabu, aber auch die Wirtschaftsmetropole spürt den Druck. Bei stagnierenden Steuereinnahmen stehen grosse Investitionen an, es droht eine massive Neuverschuldung.

Die grosse Ausnahme: Oberwil-Lieli

Das «Juwel am Mutschellen» baut seine Sonderstellung aus. Hier sprudeln die Einnahmen auch bei rekordtiefem Steuerfuss. Wenn die Gemeindeversammlung grünes Licht für die Sackgebühr gibt, soll er gleich noch einmal um 3 auf 65 Prozent sinken.

Lesen Sie auch: Die Analyse zu den Aargauer Gemeindefinanzen

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