Othmarsigen
In diesem einzigartigen Projekt wird das Bünztal-Viadukt in zwei Teile geteilt

Die Baustelle ist spektakulär und das angewandte Verfahren für alle Beteiligten Neuland. Das Bünztal-Viadukt wurde vorerst in zwei Teile geschnitten. Das erste A1-Viadukt steht nun, jetzt wird die zweite Brückenhälfte abgebrochen.

Toni Widmer
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«Wir haben noch nie eine Brücke auf diese Weise unter Verkehr abgebrochen und neu gebaut», sagt Andrew Imlach, Projektleiter vom Bundesamt für Verkehr (Astra). Urs Meier, Geschäftsführer der Eduard Meier AG Wettingen, die für den Rückbau des Bünztal-Viadukts zuständig ist, pflichtet ihm bei: «Dieses Projekt ist bisher einzigartig.»

Speziell an der Abbruchlösung, die von der Eduard Meier AG als Unternehmervariante ins Spiel gebracht wurde, ist die Art und Weise des Brückenrückbaus. Das 1970 in Betrieb genommene, ursprünglich 275 Meter lange und 23 Meter breite Bünztal-Viadukt wurde vorerst in zwei Teile geschnitten. Während in der Folge der gesamte Autobahnverkehr vierspurig über die südliche Brückenhälfte rollte, wurde der nördliche Teil im Juni/Juli 2011 abgebrochen. Das zu einem wesentlichen Teil von der Brückenplatte aus.

Enormer Planungsaufwand nötig

Bis zu 95 Tonnen schwere Bagger standen auf der ehemaligen Fahrbahn und trugen mit ihren Zangen Stück für Stück der Betonplatte ab. Vorausgegangen ist eine detaillierte Planung. Bauingenieur Rolf Meichtry hat zuerst die Brückensubstanz analysiert und dann ausgerechnet, in welcher Abbruchphase welcher Brückenteil noch wie viel Last zu tragen vermochte. «Wir haben nichts dem Zufall überlassen. Aufgrund der Berechnungen von Rolf Meichtry wussten wir genau, welcher Bagger in welcher Abbruchphase wo stehen und wie der Baggerführer beim Rückbau vorgehen musste», sagte Urs Meier.

Zukunftsträchtiges Verfahren

Die Baggerführer hätten, erklärte er weiter, nach einem exakten Konzept arbeiten müssen: «Wir haben jedem einen Bauführer zur Seite gestellt, der ihnen von einem geeigneten Standort aus über Funk den nächsten Arbeitsschritt vorgab. So konnten wir die Übersicht gewährleisten und damit das Risiko minimieren, dass jemand an der falschen Stelle an der Betonplatte nagt.»

Der Abbruch des ersten Brückenteils hat reibungslos geklappt und bereits rollt der Autobahnverkehr über die zwischenzeitlich erstellte erste neue Zwillingsbrücke. Bis Ende Oktober erfolgt nun der Abbruch der südlichen Viadukthälfte.

Firmenchef Urs Meier ist überzeugt, dass alles klappen wird: «Unsere Planung ist wasserdicht.» Nicht ausgeschlossen, dass bald auch weitere sanierungsbedürftige Brücken nach der «Meier-Methode» abgebrochen werden. Die Branche, so hört man, hat das Projekt Othmarsingen jedenfalls mit Interesse verfolgt.