Dreissigjähriger Krieg

In diese Orte flohen die Fricktaler während des Krieges – das hatte Folgen

Diese zeitgenössische Szene könnte sich ähnlich auch im Fricktal abgespielt haben.

Diese zeitgenössische Szene könnte sich ähnlich auch im Fricktal abgespielt haben.

Immer wieder flüchteten Fricktaler nach Zurzach und vor allem auch ins solothurnische Nachbardorf Kienberg. So geriet dieses selbst in Gefahr.

Wenn das hin- und herwogende Kriegsgeschehen den Schweden zuneigte und diese sich näherten, löste dies jeweils riesige Fluchtbewegungen aus den bedrohten süddeutschen und fricktalischen Regionen in die neutrale Eidgenossenschaft aus. So beherbergte zur Osterzeit 1638 das etwa 400 Personen zählende Zurzach 1200 Flüchtlinge.

In höchster Not war auch das nahe solothurnische Dorf Kienberg für viele Fricktaler wiederholt die letzte Rettung. So berichtete der Vogt in Gösgen am 10. Juli 1633 nach Solothurn, in Kienberg sei eine «gehörige Menge fliehendes Volk aus dem Fricktal» angekommen. Es sei zu befürchten, dass die Schweden das Fricktal in ihre Gewalt nehmen. Die Berner liessen bei Erlinsbach «beim steinernen Kreuz» den Weg eng mit Bäumen versperren und bewachen. Aarau entsandte 40 Musketiere.

Im August kehrten 1200 Flüchtlinge ins Fricktal zurück. Dort mussten sie den Schweden Abgaben zahlen, damit diese ihr Land nicht verwüsteten. Im Oktober meldete der Vogt erneut nach Solothurn, viele Fricktaler Frauen und Kinder seien in Kienberg, mitsamt dem Vieh. Erst im November gab es Entwarnung, nachdem die Schweden abgezogen waren. Jetzt holten die Fricktaler ihre Habe in Kienberg wieder ab.

Doch 1634 wurde es für Kienberg selbst gefährlich. Fremde Reiter stahlen dort Schafe und Schweine. Das hochexponierte Dorf bat dringend um 400 bis 500 Mann und mehrere Stückli (Kanonen). Die Verstärkung kam. Doch bald folgte die Bitte, man möge doch auch noch Leute schicken, die mit den Stückli umzugehen wissen. Mit den Landleuten sei man da «wegen des beständigen Wechsels schlecht versehen». Es wurden Schanzen errichtet. Denn nachdem die Schweden im nahen Schwarzwald über ein Dutzend Dörfer eingeäschert hatten, drohten sie im Juni Kienberg dasselbe Schicksal an. Es kam zum Glück nicht so weit.

Im Februar 1638 geriet Kienberg erneut ins Visier. Reiter und Fussvolk versuchten mehrfach dort einzudringen. Sie behaupteten, das Dorf gehöre zum Fricktal. Wieder wurden die Verteidiger aufgestockt, wobei es wie schon früher zu Klagen über einheimische Soldaten kam, die abhauten. Im März berichtete der Vogt, in Wölflinswil sollen 50 Firste (Häuser) abgebrannt sein. In Wittnau versuchten die Menschen, ihre Kirche zu retten. Bauern vergruben die Kirchenglocken. Erst im April gab es Entwarnung. Die Schweden waren wieder mal abgezogen. Ab 1639 war das Fricktal nicht mehr direkt betroffen. Doch der ersehnte Frieden liess noch lange auf sich warten.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1