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«In der Social-Media-Welt viel zu selten!»: Diese Aargauerin kämpft mit Instagram für ein gesundes Körperbild

Morena Diaz aus Oberentfelden will dem Schönheitswahn im Netz und besonders auf Instagram etwas entgegensetzen – von ihren über 74'000 Followern erhält sie dafür viel Unterstützung und Dankbarkeit.

Charlene Kilthau
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Die Primarschullehrerin hat kein Problem damit, sich natürlich zu zeigen – weder online, noch im echten Leben.
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Sie will ihren Schülern und Followern ein gesundes Körperbild vermitteln.
Dabei hat sie keine Angst, ihren Körper der Öffentlichkeit zu zeigen.
Anfang des Jahres veröffentliche sie zudem ihr erstes Buch.
Diaz macht auf ihrem Kanal auch Werbung für Produkte verschiedener Firmen – diese müssen ihr aber selbst gefallen.

Die Primarschullehrerin hat kein Problem damit, sich natürlich zu zeigen – weder online, noch im echten Leben.

Claudio Thoma

Auf dem sozialen Netzwerk Instagram zeigen sich die meisten nur von ihrer besten Seite. Dass bei den geteilten Fotos dazu auch technische Hilfsmittel und unnatürliche Posen zum Einsatz kommen, ist längst bekannt.

Doch echte Selbstliebe geht anders. Das will die Aargauerin Morena Diaz ihren über 74 000 Followern auf ihrem Instagram-Kanal «m0reniita» zeigen. «Jeder sollte sich trauen, einen Bikini mit Freude zu tragen», steht unter einem ihrer letzten Posts in Englisch. Im geteilten Video sieht man sie mit anderen Frauen an einem Strand tanzen. «Sie feiern ihre Körper trotz Cellulite, Dehnungsstreifen und anderen Dingen, die die Gesellschaft heutzutage als Makel betrachtet», schreibt die 25-jährige Primaschullehrerin. Ihr Beitrag wurde über 240 000 Mal aufgerufen. Das sind rund 70 Mal so viele Menschen wie in der Gemeinde Erlinsbach leben. Dort unterrichtet Diaz an der Schule Erzbachtal. Eine Nutzerin in den Kommentaren bedankt sich: «Man findet so etwas in der Social-Media-Welt einfach viel zu selten!»

Diaz lebt in Oberentfelden, ist jedoch gerade dabei, nach Aarburg umzuziehen. Sie ist mittlerweile landesweit als Vermittlerin für ein gesundes Körperbild und Protagonistin der Body-Positivity-Bewegung bekannt. Vergangenen Sommer berichteten zahlreiche Zeitungen über sie. Auch Auftritte in TV und Radio kamen hinzu. Seitdem hat sie etwa zwanzigtausend Follower dazugewonnen und schreibt noch immer für ihren eigenen Blog. Im Februar dieses Jahres veröffentlichte sie zudem ein Selbsthilfebuch und hielt seitdem mehrere Vorträge zum Thema. Alles ging rasend schnell für die 25-Jährige – «Ich glaube nicht, dass ich das ohne Instagram geschafft hätte.»

Krankheit löste Umdenken aus

Diaz wirkt selbstbewusst und hat einen offenen Blick. Auch im echten Leben hat sie kein Problem damit, sich natürlich zu zeigen. Beim Interview an ihrem Arbeitsplatz ist sie ungeschminkt. Doch sie hat sich nicht immer so wohl in ihrem Körper gefühlt: «Ich fand mich sehr lange Zeit zu dick, obwohl ich normalgewichtig war.» Ihre Geschichte ist bekannt: Anfang 20 verfiel sie selbst in einen Fitnesswahn und hungerte so lange, bis sie ein ungesundes Körpergewicht erreicht hatte.

Instagram war dafür auch ein Auslöser: «Ich würde nicht sagen, dass ich wegen Instagram krank wurde, doch immer diese schlanken Körper zu sehen, hat mir und meinem Selbstbewusstsein den Rest gegeben». Das soziale Netzwerk habe ihr später aber auch dabei geholfen, ihre Krankheit zu bewältigen. Als sie vor etwa dreieinhalb Jahren anfing, ihre Essstörung auf Instagram bewusst anzusprechen, erhielt sie viel Unterstützung und Dankbarkeit für den offenen Umgang mit dem Thema. Rückmeldungen wie «Mir geht es genauso», oder «Dank dir habe ich gemerkt, dass ich an einer Essstörung leide», bestärkten sie darin, die richtige Richtung eingeschlagen zu haben: «Mir wurde klar, dass ich etwas gegen die Schönheitsideale in den sozialen Medien tun will.»

Mittlerweile wird Diaz sogar auf der Strasse angesprochen und bekommt Fanpost. Doch dafür, dass sie als Primarlehrerin ihren Körper im Internet so offen zeigt, bekommt sie auch negative Reaktionen zu spüren. «Dazu gehören vor allem Hasskommentare», erzählt sie nüchtern. Von Aussagen wie «Du solltest dich schämen», bis zu «Du bist fett und hässlich», sei alles dabei. Sie versuche, solche Sätze zu ignorieren oder der verantwortlichen Person klarzumachen, was sie damit bei anderen anrichten kann. Sie selbst habe sich mittlerweile an die Beleidigungen und die Kritik gewöhnt.

Könnte von Instagram-Geld leben

Wer auf dem Kanal des Aargauer Instagram-Stars nach unten scrollt, entdeckt in ihren Posts auch mal Kleidung von «Dosenbach», oder eine Sonnenmilch des Kosmetikunternehmens «La Biosthétique». Schon länger wirbt Diaz wie viele ihrer Internet-Kollegen auf ihrem Kanal für Ware verschiedener Firmen, indem sie diese in Fotos zeigt und weiterempfiehlt. «Mir muss etwas dafür allerdings wirklich gefallen», erklärt sie. Produkte wie Proteinshakes oder Detox-Tees, die man sehr oft auf Instagram sieht, kämen für sie zum Beispiel nicht infrage – «Ich vermarke nichts, was Teil dieser Diätkultur ist.»

Wie viel sie tatsächlich mit ihren Werbeaufträgen verdient, verrät Diaz nicht. Allerdings: Würde sie alle Aufträge annehmen, könnte sie gut von ihrer Arbeit als Influencerin leben. «Ich möchte meine Follower aber nicht mit Werbung zuschütten.»

Nie lange ans Aufhören gedacht

Diaz sieht ihren Instagram-Kanal als Inspiration an und schätzt vor allem den Austausch mit ihrer Community. Auch sie könne ihre Follower um Rat fragen. Diese Gemeinschaft ist der Hauptgrund dafür, dass Diaz trotz des Zeitaufwandes und dem Druck der Öffentlichkeit, noch nie lange daran gedacht hat, mit Instagram aufzuhören. «Ich fühle mich verantwortlich gegenüber den Menschen, denen ich so bereits helfen konnte oder noch helfen kann.»

Morena Diaz im Talk-Täglich:

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