Maul- und Klauenseuche

In der Schweiz wird nicht mehr geimpft: Droht bald eine Rückkehr der Seuche?

Eine Barriere versperrt den Weg zu einem Bauernhof, in dem die Tiere von der Maul- und Klauenseuche befallen sind.

Eine Barriere versperrt den Weg zu einem Bauernhof, in dem die Tiere von der Maul- und Klauenseuche befallen sind.

Die Maul- und Klauenseuche ist aus der Schweiz verschwunden. Und mit ihr die Schutzimpfung – obwohl das Virus noch vielerorts wütet. Über die Gefahr einer Rückkehr der Seuche gehen die Meinungen auseinander.

Nach dem verheerenden Wüten der Maul- und Klauenseuche (MKS) Mitte der 60er-Jahre sorgt die Tierseuche in den folgenden Jahren seltener für Schrecken. Der letzte Fall wurde hierzulande auf einem Hof im Kanton Bern um 1980 registriert. Seither gilt die Schweiz als amtlich anerkannt frei von MKS.

Dies ist heute vor allem dem beispiellosen Einsatz der Tierärzte zu verdanken, die in Rekordzeit beim gesamten Rindviehbestand der Schweiz – damals rund 1,7 Millionen Tiere – Schutzimpfungen durchführten. So halten auch die Experten des eidgenössischen Veterinäramts (heute Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, kurz BLV) in ihrem Untersuchungsbericht nach dem grossen Seuchenzug fest: «Ohne die übrigen Massnahmen zu vernachlässigen, ist vor allem die Schutzimpfung in vermehrtem Masse einzusetzen.»

Noch immer weit verbreitet

Doch nur 25 Jahre später, am 20. Januar 1991, verbietet die Schweiz die MKS-Schutzimpfung und folgt damit dem Beispiel der EU-Länder. Dies, obwohl die schlimme Viruserkrankung in weiten Teilen Asiens, Afrikas, im Nahen und Mittleren Osten sowie in Südamerika nach wie vor verbreitet ist.

Selbst nach einem verheerenden neuen MKS-Ausbruch 2001 in Grossbritannien, in dessen Folge mehr als vier Millionen Tiere gekeult werden mussten, halten die Behörden an ihrem Impfverbot fest. Urs Frei, pensionierter Tierarzt aus Bözen, ist überzeugt, dass die Tierseuche heute wie ein Damoklesschwert drohend über der Schweiz schwebt: «Es ist nur eine Frage der Zeit, dass bei uns wieder MKS-Fälle publik werden.»

Etwas zu dramatisch empfindet diese Aussage Hans Wyss, Direktor des BLV. «Natürlich besteht die Gefahr, dass die Tierseuche erneut in der Schweiz zuschlägt», so Wyss. Aber es sei nicht so, dass man jeden Tag damit rechnen müsse. Einerseits sei die gesamte EU frei von MKS, was auch für die Schweiz einen gewissen Schutz bedeute.

Andererseits würden die strengen Gesetze beim Import von Tieren und tierischen Produkten dazu beitragen, ein Einschleppen der Tierseuche bestmöglich zu verhindern.

Die Maul- und Klauenseuche greift um sich: TV-Beitrag aus der Sendung «Antenne» vom 20. Dezember 1965.

Die Maul- und Klauenseuche greift um sich: TV-Beitrag aus der Sendung «Antenne» vom 20. Dezember 1965.

Gründe für den Impfverzicht

Dass das heute geltende Impfverbot Manchem Unbehagen bereitet, kann der BLV-Direktor indes nachvollziehen. «Wir kennen es vom Menschen, dass man sich mit einer Impfung wirkungsvoll gegen Krankheiten schützen kann. Bei der tierischen Schutzimpfung gegen MKS ist die Sache aber etwas komplizierter.»

Ein erster Grund, auf die Schutzimpfungen zu verzichten, ist ein banaler: die Kosten-Nutzen-Rechnung. Weil man den gesamten Viehbestand der Schweiz jedes Jahr aufs Neue impfen müsste und viele Nutztiere nur kurz am Leben bleiben, wäre eine Schutzimpfung schlicht zu teuer. Eine Impfkampagne würde pro Jahr zwischen 25 und 50 Millionen Franken kosten. Auch würde gerade bei Schweinen der Impfschutz nur recht kurz anhalten. 

Ein weiterer Grund für den Impfverzicht ist die Tatsache, dass alle Länder von der Weltorganisation für Tiergesundheit in drei Kategorien eingeteilt werden: «Frei von MKS ohne Impfung», «frei von MKS mit Impfung» und «nicht frei von MKS».

Nur Länder, die den Status «frei von MKS ohne Impfung» haben, können ihre Produkte ohne Einschränkungen auf dem Weltmarkt verkaufen. Der Export von Käse und andern Produkten ist für die Schweiz von grosser Bedeutung und bringt jährliche Einnahmen von rund 500 Millionen Franken.

Sollte wider Erwarten ein Fall von MKS in der Schweiz auftreten, kann der Bund zur Eindämmung der Seuche Notimpfungen anordnen. «Doch selbst in diesem Fall», so Wyss, «müssten erkrankte Tiere schliesslich getötet werden, damit der angestrebte Status der MKS- und Impffreiheit wieder erreicht wird.» 

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