Bildung
In der Schweiz einzigartig: Informatik wird Pflichtfach an Aargauer Kantis

Aargauer Gymnasiastinnen und Gymnasiasten büffeln ab dem Schuljahr 2016/17 auch Informatik. Der Kanton führt das Pflichtfach für alle Gymnasiasten der ersten und zweiten Klasse ein. Das ist schweizweit neu und einzigartig.

Jörg Meier
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Gymnasiasten büffeln schon bald Informatik (Symbolbild)

Gymnasiasten büffeln schon bald Informatik (Symbolbild)

Keystone

Bisher fristet das Fach Informatik an den aargauischen Kantonsschulen ein eher bescheidenes Dasein: Informatik wird zwar unterrichtet, man beschränkte sich aber häufig auf die Vermittlung von Anwenderwissen. Das Fach hatte den Status eines Wahlfaches, die Leistungen der Schülerinnen und Schüler spielten keine Rolle bei der Promotion.

Wie Deutsch oder Chemie

Das ändert sich nun gründlich. Bereits ab dem nächsten Schuljahr wird Informatik an allen Gymnasien als promotionsrelevantes und obligatorisches Grundlagenfach eingeführt.

Im Klartext: Schlechte Leistungen haben Konsequenzen, das neue Fach wird gleichbedeutend wie die klassischen Fächer Deutsch, Geschichte oder Mathematik. Im ersten Kanti-Jahr sind zwei Wochenlektionen vorgesehen, im zweiten Jahr noch eine.

Gelehrt und vermittelt wird ein wissenschaftlicher Zugang zur Informatik. Dazu gehören Schwerpunkte wie Algorithmen, Programmieren, die Beschäftigung mit Systemen, Vernetzung und Sicherheit. Aber auch gesellschaftliche und ethische Aspekte der Informationsgesellschaft werden behandelt.

Das Hauptaugenmerk gelte dem Unterricht der Informatik als Wissenschaftsdisziplin, erklärte Kathrin Hunziker, Leiterin Abteilung Berufsbildung und Mittelschulen beim Kanton. Ein Schwerpunkt sei zudem die reflektierte Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten. Anwenderkompetenzen sind hingegen nicht Teil des neuen Fachs Informatik. Sollten Schülerinnen und Schüler allerdings das nötige Rüstzeug nicht von der Volksschule her mitbringen, bieten die Schulen Zusatzmöglichkeiten an.

Chancen steigen

Der Grund für die Aufwertung der Informatik in der Mittelschule liegt auf der Hand. Das Fach Informatik soll dazu beitragen, dass die Maturandinnen und Maturanden als künftige Entscheidungsträger Informations- und Kommunikationstechnologien verstehen lernen und sie später auch anwenden können. Zudem werden Kenntnisse in Informatik bei viel Studiengängen vorausgesetzt, das neue Fach soll also auch die Studierfähigkeit und -chancen der Schüler erhöhen.

Kurt Wiedemeier, Rektor der Kantonsschule Wettingen und treibende Kraft bei der Einführung des neuen Fachs, bestätigt dies: «Die Kantonsschulen wollen einen Beitrag zur Verminderung des Fachkräftemangels im Bereich Informatik leisten. Denn die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich künftig mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Grundlagen der Informatik und schaffen sich so auch eine gute Voraussetzung für ein Informatikstudium.»

Und als willkommener Nebeneffekt wird der MINT-Bereich an den Gymnasien gestärkt; MINT steht als Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Basis des Unterrichts bilden kompetenzorientierte Lehrpläne. Diese wurden durch Lehrpersonen der Aargauer Mittelschulen unter fachlicher Leitung von Prof. em. Dr. Carl AugustZehnder (ETH) erstellt.

Der Aargau geht voran

Nachdem viele Projekte der Schule Aargau nur harzig vom Fleck kommen, erstaunt es, dass die Einführung der Informatik offensichtlich ohne grosse Probleme über die Bühne gehen wird.

Es herrscht Einigkeit durch alle Böden und Parteien, dass die Neupositionierung der Informatik wichtig und richtig ist. Rektor Kurt Wiedemeier sieht noch weitere Gründe für die hohe Akzeptanz: «Dass das alles jetzt relativ rasch und problemlos gegangen ist, hat meiner Meinung nach zwei Gründe: Erstens braucht die Stundentafel nicht geändert zu werden und zweitens verursacht das neue Fach Informatik keine zusätzlichen Kosten.»

Tatsächlich sind die drei Jahreswochenlektionen bereits in der bestehenden Stundentafel enthalten, es muss kein Fach irgendwelche Abstriche machen. Wiedemeier geht auch davon aus, dass die benötigten Lehrpersonen bereits an den Kantonsschulen vorhanden sind, meistens seien das studierte Informatiker, die aber auch noch andere Fächer unterrichten.

Mit der Einführung der Informatik als promotionsrelevantes Fach hat der Aargau in der Schweiz eine Vorreiterrolle übernommen. «Ich hoffe schon, dass Informatik als Grundlagenfach bei der nächsten Reform der Maturitätsverordnung auch auf eidgenössischer Stufe verankert wird», sagt Rektor Kurt Wiedemeier.

Lesen Sie hier den Kommentar zum Thema.

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