Urteil

In der Schweiz aufgewachsen und straffällig geworden: Bosnier darf bleiben

Der 26-Jährige hat seine Strafe abgesessen und kann in der Schweiz bleiben. (Symbolbild)

Der 26-Jährige hat seine Strafe abgesessen und kann in der Schweiz bleiben. (Symbolbild)

Ein junger Mann, dem die Niederlassungsbewilligung entzogen worden ist, muss die Schweiz doch nicht verlassen. Das Verwaltungsgericht hiess seine Beschwerde gut.

Milan, der eigentlich anders heisst, ist kürzlich 26 Jahre alt geworden. Er ist in der Schweiz geboren, zur Schule gegangen und hat eine Ausbildung angefangen. Vom Sozialamt abhängig war er nie. Den Schweizer Pass hat er nicht, sondern jenen von Bosnien – einem Land, das er kaum kennt. Zum letzten Mal war Milan dort, als sein Vater 2009 beerdigt wurde. Ginge es nach dem kantonalen Amt für Migration und Integration (Mika), müsste der junge Bosnier die Schweiz verlassen.

Milan ist kein unbeschriebenes Blatt. Gerichtspräsident Marc Busslinger las eine lange Liste von Delikten vor, für die er in seiner Jugend und seinen wenigen Erwachsenenjahren verurteilt worden ist. Meistens ging es um kleine Dinge, etwa darum, dass Milan beim Autofahren keinen Sicherheitsgurt getragen hat oder ohne Vignette auf der Autobahn unterwegs war. Sehr viel schlimmer als das ist ein Vorfall vom März 2012 als Milan, noch nicht einmal 20-jährig, einen Bekannten so verprügelte, dass dieser ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt. Unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung wurde er zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Das Migrationsamt wollte ihm darauf die Niederlassungsbewilligung entziehen. Gegen den Entscheid legte Milan Einsprache ein, diese wurde aber abgewiesen. Die Vorinstanz begründete den Entscheid damit, dass der Widerrufsgrund nach dem Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer gegeben sei.

Traumatische Kindheit

Milan hat seine Strafe akzeptiert und abgesessen, doch er muss die Schweiz nicht verlassen. Bei der Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht zeigte er sich immer noch reuig. Er wisse, dass er ein Problem habe, seine Emotionen im Griff zu halten, wohl deshalb habe er zugeschlagen. Er habe es auch nicht anders gelernt: Sein alkoholkranker Vater sei gegen ihn, seinen Bruder und die Mutter gewalttätig gewesen. Ein Psychiater hat ihm eine posttraumatische Belastungsstörung wegen seiner schweren Kindheit attestiert. Er arbeite an sich und sei nicht mehr gewalttätig geworden, versicherte Milan. Das hält ihm das Verwaltungsgericht für den Verbleib in der Schweiz zugute. Milan setze sich mit seiner Vergangenheit auseinander. Es sei davon auszugehen, dass er seit seiner Gewalttat, welche er als 19½-Jähriger verübte, eine Entwicklung durchlebt hat und heute verantwortungsbewusst sei. Bei der Gewalttat handle es sich zudem um einen Einzelfall, Milan sei weder vor- noch nachher wegen eines Gewaltdelikts verurteilt worden. Ausserdem sei er gut in der Schweiz integriert, begründete das Verwaltungsgericht sein Urteil, Milans Beschwerde gutzuheissen. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

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