Seit zwei Tagen ist das Thema Notvorrat in aller Munde. Armeechef André Blattmann hat mit seiner Aussage gegenüber der Schweiz am Sonntag, dass er rund 300 Liter Mineralwasser und diverse Konserven zu Hause lagere, eine regelrechte Debatte um das Thema ausgelöst.

Einer der sich mit Notvorräten auskennt ist Raphael Scalise, Geschäftsführer der Firma Notvorrat24 in Zofingen. Diese vertreibt seit zehn Jahren Notvorratpakete mit Langzeitlebensmitteln und sonstige Utensilien, die in Notsituationen hilfreich sein können. In seinem Angebot hat er Lebensmittelpakete, welche ein autonomes Auskommen bis zu einem ganze Jahr garantieren.

«Wir empfehlen jedem, Eigenverantwortung zu übernehmen und einen Notvorrat anzulegen», sagt Scalise. Die Leute seien sich heute viel zu wenig bewusst, dass eine Katastrophe auch die Schweiz treffen könne.

Vor allem für Katastrophen

Dabei denke er nicht wie André Blattmann an Konflikte zwischen Ländern, sondern an Naturkatastrophen und wetterbedingte Schadenfälle. Diese hätten in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Schweiz sei zwar mehr oder weniger verschont geblieben, das heisse aber nicht, dass es in Zukunft auch so sein wird.

Scalise sagt: «Früher hatten die Leute immer einen Notvorrat angelegt. In unserer heutigen globalisierten Welt, in der man zu jeder Tages- und Nachtzeit einkaufen kann, haben viele nur noch sehr wenige Nahrungsmittel zu Hause.» Wenn man aber bei einer Katastrophe nicht aus dem Haus müsse um Lebensmittel zu besorgen, habe man bereits einen grossen Vorteil.

15 Jahre haltbares Essen

Dabei bietet das Unternehmen von Scalise und seinem Geschäftspartner David Reichmuth eine Alternative zu Konserven und Mineralwasser aus der PET-Flasche. Ihre Langzeitnahrung ist mindestens 15 Jahre haltbar, das Wasser mindesten zehn.

«Konserven muss man immer wieder brauchen oder aussortieren, wenn sie abgelaufen sind. Und auch normales Mineralwasser ist je nach Lagerung nur etwa ein Jahr haltbar», erklärt Scalise. Deshalb finde er die Lösung von Blattmann nicht optimal.

Die Lagerung eines Notvorrates soll möglichst einfach sein. Da kaufe man lieber einen guten Wasserfilter, der bis zu 50000 Liter Wasser filtern könne, sodass es geniessbar ist. Ein weiterer Vorteil der Langzeitnahrung gegenüber Konserven sei der Platz, den man für die Lagerung braucht. Da die Langzeitnahrung für die Lagerung dehydriert wird, das heisst, der Nahrung wird das Wasser entzogen, nimmt sie viel weniger Platz ein.

«In einer Stadtwohnung hat man nicht immer ein grosses Kellerabteil, in dem man einen Vorrat anlegen kann. Da ist die Kompaktheit der Nahrung sehr wichtig», sagt Scalise.

Vom Arzt bis zum Bauarbeiter

Zu ihren Kunden gehören vom Familienvater über den Bauarbeiter bis zum Arzt oder Militärangehörigen alle, die «Eigenverantwortung übernehmen». Weiter beliefern sie auch kantonale Stellen, die Polizei und einzelne Gemeinden.

«Aber ich befürchte, dass zuerst etwas passieren muss, bevor die Leute ihr Verhalten grundlegend ändern», sagt Scalise.

Dass sich nun eine bekannte Person zu dem Thema geäussert hat, freut Scalise. Nicht nur weil es für mehr Bestellungen bei seiner Firma führt, wie dies auch Katastrophen wie 9/11 oder Fukushima gemacht haben, sondern weil das Thema ernst genommen wird. «Vor ein paar Jahren wurden wir noch als Spinner und Verschwörungstheoretiker belächelt. So eine Aussage wie die von Herr Blattmann gibt dem Thema eine gewisse Ernsthaftigkeit.», so Scalise.

Sechs verschiedene Menüs und Brot

Der Klassiker im Angebot von Notvorrat24 sei das Paket für 30 Tage. Dieses enthalte sechs verschiedene Menüs und Brot. Die Menüs seien fix fertig zubereitet und müssten nur mit heissem Wasser übergossen werden. Ob das auch schmecke? «Für eine Notsituation ist es Luxus. Gutes Essen ist dann wichtig, um die Moral aufrecht zu erhalten», sagt Scalise.

Zudem liefere das Essen wichtige Nährstoffe und Vitamine. Mit seiner Haltung wolle er niemandem Angst machen, sagt Scalise, sondern einfach auf eine Gefahr hinweisen.