Atomausstieg
In der Nähe des AKW Beznau könnte ein Gaskraftwerk stehen

Falls die Politik tatsächlich auf Gas- statt Atomkraftwerke setzen sollte, gibt es eine Hochdruckleitung ganz in der Nähe von Beznau. Die fast 79 Kilometer lange Transitleitung Zuzgen–Winterthur wurde 1996 und 1997 gebaut.

Hans Lüthi
Drucken
Teilen
Blick auf das AKW Beznau (Archiv)

Blick auf das AKW Beznau (Archiv)

Keystone

Ein grosses Kraftwerk braucht die Infrastruktur, um Strom und Wärme abführen zu können. Das ist bei den Atomkraftwerken in der Beznau der Fall. Bei einem Gaskraftwerk ist für die Versorgung mit Energie zusätzlich eine Hochdruck-Gasleitung nötig. Im Zurzibiet ist sie längst vorhanden: Die fast 79 Kilometer lange Transitleitung Zuzgen–Winterthur wurde 1996 und 1997 gebaut.

Ein Kernstück im schwierigen Aargauer Gelände ist die Unterquerung der Aare zwischen Stilli und Würenlingen und damit oberhalb des Paul-Scherrer-Instituts (PSI). Danach führt die grosse Gasleitung über Hügelgelände via das Ruckfeld ins Surbtal, nach Baldingen, Wislikofen, Fisibach und damit ins Rheintal.

Anschluss problemlos möglich

Rein technisch betrachtet, «wäre ein Anschluss problemlos möglich, wir haben auch genügend Kapazität». Das sagt Andreas Schwager, Technischer Leiter der Erdgas Ost-
schweiz, welche die Gasleitung Zuzgen–Winterthur betreibt.

Nach Unterquerung der Aare führt die Hochdruck-Gasleitung durch den Würenlinger Unterwald und verläuft dann parallel zur Strasse Siggenthal–Döttingen. Die Distanz zur Beznau-Halbinsel beträgt an der nächsten Stelle nur rund einen Kilometer. Ein 400 Megawatt grosses Gaskraftwerk würde etwa zehn Prozent des heutigen Gasverbrauchs in der Schweiz benötigen.

Heftige Debatten beim Bau

Im Aargau hat es kaum jemand für möglich gehalten, dass die Stromproduktion mit Gas je zum Thema werden könnte. Im Gegenteil: Vor dem Bau der Gasleitung entstand im Zurzibiet ein heftiger Widerstand. Die Bauherren mussten sich verpflichten, das Regionale Fernwärmenetz unteres Aaretal nicht zu konkurrenzieren, bevor sie die Bewilligung erhielten. Der Aargau hat im Energiegesetz bewusst ein Verbot für Gaskraftwerke eingefügt, um die Luftbelastung durch den CO2-Ausstoss zu vermeiden. Ein solches Kraftwerk belastet die Luft mit einer Million Tonnen CO2 im Jahr.

«Wir sind bereit, Hand zu bieten», betont Daniel Bächtold, Mediensprecher im Verband der Schweizerischen Gasindustrie. Entscheiden muss die Politik, ob sie die Atomenergie teilweise durch Gas ersetzen will. Diese Debatte hat ja erst begonnen, und die Region wird auch noch ein Wort mitreden wollen.

Aktuelle Nachrichten