Aargau
In der Elternlehre lernen, wie mit der neuen Rolle umgehen

Die Fachstelle Kinder&Familien organisiert Lehrgänge für junge Eltern. Beantwortet werden Fragen rund um die Themen Erziehung und Betreuung.

Britta Gfeller
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Marianne Ryf, Fachstelle Kinder&Familien, wünscht sich, dass Elternlehren bald selbstverständlich werden. Chris Iseli

Marianne Ryf, Fachstelle Kinder&Familien, wünscht sich, dass Elternlehren bald selbstverständlich werden. Chris Iseli

«Wenn ein kleines Kind weint, hat es Hunger, die Hosen voll oder es braucht Nähe», sagt Marianne Ryf von der Fachstelle Kinder&Familien. Doch nicht alle Eltern können die Signale ihres Kindes richtig deuten oder wissen, wie sie reagieren sollen. «Es gibt ganz unterschiedliche Erziehungstheorien. Junge Eltern bekommen von allen Seiten Ratschläge und Tipps. Viele sind verunsichert», sagt Ryf. Deshalb organisiert die Fachstelle Kinder&Familien im Auftrag des Departements Gesundheit und Soziales ab dem 24.Oktober die Elternlehre.

Sechs Kursabende

Die Elternlehre richtet sich an werdende oder frischgebackene Eltern. Während sechs Kursabenden sollen die Erwachsenen Sicherheit in der Erziehung erlangen. Die Abende können auch als Bestätigung dafür dienen, dass der eigene Erziehungsstil bereits gut ist. «Ein Kind lernt durch die Gegenreaktion. Sind die Erziehenden nervös und unsicher, überträgt sich dies auch auf das Kind. Strahlen die Erzieher jedoch Ruhe und Gelassenheit aus, ist auch das Kind zufrieden.»

Gerade im Kleinkindalter seien die Erziehung und das Umfeld sehr wichtig für die Entwicklung. «Die ersten drei Jahre sind entscheidend. Wird das Kind in dieser Zeit richtig behandelt und gefördert, kann das Risiko einer späteren Gewaltbereitschaft, einer psychischen Erkrankung oder einer Sucht verringert werden.»

Pilotprojekt in Frick

Das Konzept der Elternlehre wurde von der Familienberaterin Marlies Bieri nach den Ideen von Remo Largo, Professor für Kinderheilkunde, entwickelt. Im Kanton Bern hat sich das Angebot bereits bewährt. Im Aargau startet die Elternlehre in Frick als Pilotprojekt. Auch hier stösst sie auf grosses Interesse. «Das erste Modul ist bereits ausgebucht. Bei den beiden anderen ist nicht mehr viel Platz», sagt Marianne Ryf. Pro Modul können 14 Personen teilnehmen. «Für den ersten Kurs haben sich neben Einzelpersonen vier Paare angemeldet. Dies ist natürlich super, denn heute sollten beide Elternteile die Verantwortung für das Kind übernehmen», sagt Ryf.

Leiterin der Kurse ist die Elternbildnerin Marianne Leber. Je nach Thema der Sequenz wird sie von einem Kinderarzt oder dem Team der Mütter- und Väterberatung unterstützt. Die Kursleiter gehen auf die Bedürfnisse der Teilnehmer ein. «Gemeinsam mit den Eltern werden Prioritäten festgelegt. Wichtig ist auch der Austausch der Teilnehmer untereinander. Sie sind alle in der gleichen Situation.»

Marianne Ryf wünscht sich, dass bald noch weitere Kurse der Elternlehren im Aargau angeboten werden. «Ein solcher Kurs sollte für Eltern selbstverständlich sein. Er bietet die Gelegenheit, sich mit anderen Eltern auszutauschen und die eigenen Erziehungskompetenzen zu stärken. Schliesslich macht man ja auch einen Schleuderkurs, obwohl man bereits Auto fahren kann.»

Anmeldung und Informationen: Fachstelle Kinder&Familien Aargau, Tel. 056 222 01 09