Freie Liste

In den Nationalrat mit «DUPLOs»? Dieser Mann will die Aargauer Politlandschaft aufmischen

«DUPLOs»: Richard Fischer lanciert eine eigene Nationalratsliste.

«DUPLOs»: Richard Fischer lanciert eine eigene Nationalratsliste.

Bei den Nationalratswahlen 2019 will die Wertegemeinschaft «DUPLOs» mit einer freien Liste antreten. Hinter dem Vorhaben steht Richard Fischer, der in Brugg kein Unbekannter ist. Politikprofessor Daniel Kübler sieht in Bewegungen wie «DUPLOs» zumindest kurzfristig Potenzial.

WECKRUF steht in grossen Buchstaben auf dem Plakat (siehe kleines Bild unten). Darunter sieben Duplosteine und ein kurzer Text: «Wir sind unabhängige Bausteine einer sozial-liberalen Wertegemeinschaft und wollen die AargauerInnen ab 2020 im Nationalrat vertreten». Dazu ist die Internetseite www.duplos.ch angegeben.

Wer die Seite aufruft, findet aber nicht viel mehr Informationen. Man kann lediglich die eigene E-Mail-Adresse angeben und erhält das Versprechen, bald mehr zu erfahren. Wer steckt also hinter den Plakaten in Brugg, die schon einen Vorgeschmack auf den Nationalrats-Wahlkampf Ende 2019 geben? Wir machen den Betreiber der Seite ausfindig und laden ihn zu einem Gespräch ein.

Ein Plakat der «DUPLOs» in Brugg. ZVG

Ein Plakat der «DUPLOs» in Brugg. ZVG

Machen statt jammern

Zum Interviewtermin mit der AZ erscheint Richard Fischer. Er ist in Brugg kein Unbekannter, früher war er Mitglied der FDP, im letzten Jahr kandidierte er als parteiloser Kandidat für das Amt als Stadtammann. Nun hat er ein neues Projekt: Er will für die Nationalratswahlen im nächsten Jahr eine freie Liste füllen. 16 Kandidaten sollen für die Wertegemeinschaft «DUPLOs» kandidieren. «Wir wollen Wählerinnen und Wähler ansprechen, die das Politikgeplänkel satthaben und lösungsorientiert diskutieren und politisieren wollen», sagt Fischer.

Neben ihm stehen noch andere Personen hinter der Gemeinschaft. «Momentan bin ich aber der Einzige, der dazu öffentlich Stellung bezieht», so Fischer. Die Idee zu «DUPLOs» sei ihm in den letzten Monaten gekommen, bei Gesprächen mit Freunden und seiner Familie. «Statt nur über die Politik und die Welt zu jammern, habe ich beschlossen, etwas zu wagen.»

Haben Parteien ausgedient?

Wertegemeinschaften, die sich unabhängig von parteipolitischen Interessen engagieren – kann diese Idee im Aargau funktionieren? Auf nationaler Ebene macht der Verein «Operation Libero» vor, dass auch Gemeinschaften, die nicht als Partei organisiert sind, das politische Geschehen beeinflussen können. So mobilisierte die «Operation Libero» im Frühling 2016 gegen die Durchsetzungsinitiative der SVP und wurde schweizweit bekannt.

Politikprofessor Daniel Kübler vom Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) sieht in Bewegungen wie «Operation Libero» oder «DUPLOs» zumindest kurzfristig Potenzial. «Grundsätzlich finde ich es begrüssenswert, wenn sich solche Gruppierungen bilden und aktivieren. Sie haben tatsächlich das Potenzial, Wählerinnen und Wähler, die mit den existierenden Parteien nicht zufrieden sind, eine politische Heimat zu bieten», sagt Kübler.

Langfristig hätten es die Bewegungen allerdings schwer, sich gegen die etablierten Parteien zu behaupten. «Die meisten Bewegungen, etwa die Autopartei, sind nach ein paar Jahren verschwunden oder ihre Exponenten haben sich einer der etablierten Parteien angeschlossen». Das gilt auch für die Sozial-Liberale Bewegung (SLB) im Aargau, deren Name an die Ausrichtung von Fischers «DUPLOs» erinnert. Die SLB erbte nach dem Übertritt eines SVP-Politikers einen Sitz im Grossen Rat, blieb aus eigener Kraft aber erfolglos. Bei den letzten Nationalratswahlen im Jahr 2015 holte die SLB nur gerade 3913 Stimmen und kam so auf einen Wähleranteil von lediglich 0,13 Prozent. Für einen Sitz im Nationalrat waren bei den letzten Wahlen im Aargau rund 160 000 Stimmen nötig. Von den kleineren Parteien nahmen BDP, GLP und Grüne diese Hürde. Sie stellen jeweils ein Ratsmitglied, während die EVP mit gut 104 000 Stimmen einen Sitz klar verpasste.

Die Wahlhürde ist also relativ hoch, dennoch ist Richard Fischer zuversichtlich. Er meint es ernst mit seiner unabhängigen Liste. «Wir wollen einen oder zwei Sitze gewinnen», so Fischer. Der Wahlkampf beginnt für ihn und seine bisher noch unbekannten Mitstreiter im August. Dann wird er bekannt geben, für welche Inhalte seine Gemeinschaft genau steht – denn «sozial-liberal» ist eine eher vage Beschreibung.

Möglichst viele Diskussionen

Darauf angesprochen meint Fischer: «Wir müssen nur die erste Seite der Bundesverfassung lesen. Dann ist eigentlich bereits klar, wie wir in der Schweiz miteinander umgehen sollten.» In diesem Spätsommer will er dann auch nur mit der ersten Seite der Bundesverfassung Werbung machen für seine Liste. Trotzdem sei ihm aber bewusst, dass er seine Inhalte klarer kommunizieren müsse. Er will sie deshalb in den nächsten Wochen zusammenfassen und am 13. August verschicken. «Unsere Inhalte werden sich auf sieben Bausteine stützen.»

Selber will Fischer nicht für den Nationalrat kandidieren. «Das überlasse ich den Jungen. Ich will ihnen nur eine Möglichkeit bieten und sie motivieren.» Für junge Menschen setzt sich Fischer schon länger ein. Er hat in Brugg die Denk-Bar Vindonissa gegründet, mit der er junge Menschen unentgeltlich bei Projekten unterstützt und fördert. Er ist überzeugt, dass zwischen den Generationen zu wenig diskutiert wird.

Neben dem möglichen Sitz im Nationalrat hat Fischer das grosse Ziel, im Aargau eine «hitzige» Diskussion über Politik und Werte auszulösen. «Wenn wir das nicht schaffen, dann haben wir bereits vor den Wahlen verloren.»

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