Freitodbegleitung

In den Freitod begleiten: «Das wollen wir unseren Pflegern nicht zumuten»

Freitodbegleitung ist für viele ein heikles Thema (Archiv)

Freitodbegleitung ist für viele ein heikles Thema (Archiv)

Die organisierte Freitodbegleitung ist im Aargau weiterhin möglich. Der Grossrat hat gestern ein Verbot abgelehnt. Für die Institutionen im Kanton ändert sich dadurch nichts. Manche lassen die Begleitung in den Freitod zu, andere lehnen sie ab.

Ob die Leitung eines Heimes oder einer Klinik zulässt, dass jemand in ihren Räumen in den Freitod begleitet wird, steht den Institutionen und Kliniken im Kanton Aargau nach wie vor offen.

Ein Pflegezentrum, das diese Art des Sterbens zulässt, ist das Bifang Wohn- und Pflegezentrum Wohlen. Eine Sterbehilfeorganisaton beizuziehen liege im gesetzlichen Rahmen, sagt dessen Verwalter Robert Werder, der den Entscheid des Grossen Rats als «gut» bezeichnet. «Weil die Menschen hier wohnen, können sie selbst bestimmen. Genauso wie wenn sie anderswo wohnen würden. Denn nicht nur das Selbstbestimmungsrecht, sondern auch das Wohnrecht zählt», sagt Werder und verweist gleichzeitig auf die geregelten Voraussetzungen, die unter anderem Urteilsvermögen bedingen. Das gesetzlich geregelte Verfahren müsse in jedem Fall strikt eingehalten werden.

Grosse Belastung für Mitarbeiter

Grundsätzlich Nein zur Freitodbegleitung sagt das Alters- und Pflegeheim St. Bernhard aus Wettingen. «Wir schauen, dass wir dem Willen der Bewohner möglichst nachkommen», sagt dessen Geschäftsführer ad interim Raymond Picard. Dies gehe aber nicht bis zur aktiven Sterbehilfe. «Wir setzen auf Palliative Care, so dass jemand ohne Schmerzen sterben kann.»

Im St. Bernhard würden die Mitarbeiter die Bewohner liebevoll pflegen und betreuen, so Picard. Mit dem begleiteten Freitod werde das Leben aber plötzlich ausradiert. «Das wollen wir unseren Mitarbeitern nicht zumuten.» Die Pfleger hätten damit zu schaffen, weiss er aus Gesprächen.

Deshalb wurde auch vor ein paar Jahren einer Bewohnerin des St. Bernhard nicht erlaubt, aus freiem Willen in den Tod beleitet zu werden.

Leiden lindern

Auch im Kantonsspital Baden ist aktive Sterbehilfe kein Thema. «Bei uns lassen wir aktive Sterbehilfe nicht zu», sagt Mediensprecher Marco Bellafiore auf Anfrage. Das Kantonsspital verzichtet auf die Freitodbegleitung aus zwei Gründen: Zum Einen sei es ein Akutspital, das primär für den Heilungsprozess da sei, zum Anderen wolle man Leiden lindern. Deshalb passe die aktive Sterbehilfe nicht zum Spital, so Bellafiore. «Das wäre ausserdem eine grosse Belastung für Ärzte und fürs Pflegepersonal, wenn wir noch aktive Sterbehilfe betreiben würden.»

Im Spital gebe es genügend Möglichkeiten, die Schmerzen zu behandeln, betont der Mediensprecher. Wenn der Patient aber trotz allem sterben will, müsste ein Transport nach Hause organisiert werden. Unerlässlich dabei: Die Initiative und Organisation muss vom Patient und seinem Umfeld kommen.

Im Kantonsspital Baden kann man sich an einen einzigen Fall erinnern. Dieser liege aber 10 bis 15 Jahre zurück, sagt Bellafiore und schliesst: «Bei uns kommt das praktisch nie vor, dass ein Patient den Freitod wünscht.»

Keine Beihilfe zum Suizid

Beim Kantonsspital Aarau heisst es auf Anfrage, dass es primär das Ziel sei, «das Leiden so gering wie nur möglich zu halten und die Patienten würdevoll sowie sorgsam nach der medizinisch-ethischen Richtlinie "Palliative Care" zu begleiten.» Dabei würden die Patienten in ihrem Recht auf Selbstbestimmung unterstützt. «Beihilfe zum Suizid gestatten wir im Spital nicht», so Mediensprecherin Andrea Hopman.

Meistgesehen

Artboard 1