Der Aargau hat seine historischen Altstädte in den letzten Jahren vom Durchgangsverkehr befreit. Der Flecken Bad Zurzach und das Städtchen Mellingen warten noch auf die Verkehrssanierung. In Sins ging es kürzlich los, am Freitag war Spatenstich in Brugg.

Südwestumfahrung Sins: Die Bagger sind bereits aufgefahren

In Sins treffen die beiden Nord-Süd-Hauptverkehrsachsen des Bünz- und Reusstals aufeinander. Das Dorf im Oberfreiamt ist seit Jahrzehnten stark vom Durchgangsverkehr betroffen. Heute zählt man im Dorfzentrum täglich 19'000 Fahrzeuge. Die Südwestumfahrung soll das Zentrum und die Zufahrtsachse vom Verkehr entlasten. Hierfür sieht das Projekt im Südwesten der Gemeinde eine Umfahrung vor, die einen 912 Meter langen Tunnel und eine 67 Meter lange Brücke über das Bachtal beinhaltet. Die Umfahrung wird mit zwei Kreiseln im Süden und Norden an die Aarauer- und Luzernerstrasse angeschlossen. Die Kosten liegen bei 88,4 Millionen Franken.

Mitte September 2018 fand der offizielle Spatenstich für das Grossprojekt statt. Vor wenigen Tagen sind die Bagger aufgefahren, die Arbeiten haben begonnen. Sie dauern voraussichtlich bis 2023. Nachdem ab Oktober 2018 archäologische Erkundungen vorgenommen wurden, stand der Realisierung nichts mehr im Weg.

Um die Einschränkungen für die Verkehrsteilnehmenden während der Bauzeit zu minimieren, werden zuerst der Umfahrungstunnel, die Bachtalbrücke und die beiden Anschlusskreisel gebaut. Diese Arbeiten finden, mit Ausnahme der Kreiselanschlüsse, ausserhalb der bestehenden Fahrbahn statt, wie das Departement Bau, Verkehr und Umwelt festhält. Mit den Bauarbeiten an der Aarauerstrasse wird erst begonnen, wenn der Tunnel ab 2022 in Betrieb ist. (aw/MKU)

Ostumfahrung Bad Zurzach: Baubeginn voraussichtlich Anfang 2020

  

Bereits nach der Eröffnung der Nordumfahrung von Bad Zurzach im Jahr 1989 zeigte sich nach Einschätzung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), dass weitere Massnahmen zur Verkehrsberuhigung und Aufwertung des schützenswerten Ortskerns notwendig sind. Der durchschnittliche tägliche Verkehr von rund 9000 Fahrzeugen auf der Hauptstrasse und rund 11'000 Fahrzeugen auf der Promenadenstrasse ist eine starke Belastung für die Gemeinde. Gemäss Verkehrsprognose wird sich die Belastung sogar auf rund 10'500 Fahrzeuge (Hauptstrasse) beziehungsweise 12'000 Fahrzeuge (Promenadenstrasse) im Jahr 2025 erhöhen. Gegensteuer geben soll die Ostumfahrung, sie soll den Flecken, wie Bad Zurzach genannt wird, entlasten.

Der Regierungsrat hat das Projekt am 21. März 2018 genehmigt und über die Einwendungen entschieden. Auf eine weitergezogene Beschwerde ist das Verwaltungsgericht im Juni 2018 nicht eingetreten. Das Bundesgericht entschied Anfang November 2018 ebenso. Nun steht gemäss dem kantonalen Baudepartement das ordentliche Landerwerbsverfahren an. Es ist nach Einschätzung des zuständigen Departements voraussichtlich bis Ende 2019 abgeschlossen. Parallel dazu «läuft die Ausführungsplanung auf Hochtouren», so Sprecherin Simone Britschgi. Konkret wird die Submission der Hauptarbeiten vorbereitet. Baubeginn ist voraussichtlich Anfang 2020. Die Kosten belaufen sich auf 75,3 Millionen Franken. (MKU)

Unendliche Geschichte von Mellingen: Im Frühling 2021 soll Baubeginn sein

2011 hat das Volk die 37 Millionen Franken teure Umfahrung für Mellingen an der Urne deutlich gutgeheissen. Danach wehrten sich die Umweltverbände WWF und VCS gegen das Projekt in dieser Form. Sie verlangten zum Beispiel die Prüfung einer Untertunnelung der Reuss und bessere Ausgleichsmassnahmen. Erst letzten Juni fanden sich das kantonale Baudepartement von Stephan Attiger und die Umweltverbände. Beschlossen wurden zusätzliche ökologische Ersatzmassnahmen und flankierende verkehrliche Massnahmen. Sowohl Attiger als auch die Umweltverbände zeigten sich mit der gefundenen Lösung zufrieden. Auch wenn die Umweltverbände einen Eingriff in die geschützte Reusslandschaft nicht verhindern konnten.

Das Departement Attiger gab danach bekannt, umgehend das Landerwerbsverfahren in Angriff zu nehmen, das voraussichtlich bis Ende 2019 dauere. Parallel dazu startete die Ausführungsplanung (bis etwa Mitte 2020). Ab Frühling 2020 ist die Submission für die Bauarbeiten vorgesehen. Im Bild die geplante Brücke über die Reuss.
Laut Peter Keller, im Baudepartement für die Realisierung zuständig, ist nach heutiger Planung voraussichtlich im Frühling 2021 Baubeginn. Unter der Voraussetzung natürlich, dass im Rahmen des Landerwerbs- und des Vergabeverfahrens keine Beschwerden eingehen. Derzeit läuft der Landerwerb. Er sei voraussichtlich Ende 2019 abgeschlossen. Parallel dazu laufe die Ausführungsplanung auf Hochtouren. (MKU)