Wer sich im Aargau als Sozialhilfeempfänger meldet, bekommt bald darauf Besuch von einem kantonalen Kontrolleur. Dieser überprüft vor Ort, ob die Angaben etwa zum Wohnsitz, zu der Anzahl im Haushalt wohnenden Personen oder zum Vermögen stimmen. Doch nicht in allen Gemeinden klingeln die Kontrolleure an der Haustür. Knapp die Hälfte der 216 Aargauer Gemeinden setzen derzeit auf den Kantonalen Sozialdienst.

Durch die unangekündigten Hausbesuche bei Sozialhilfeempfänger sparen Gemeinden und Kanton monatlich rund 40 000 Franken, meldet das Regionaljournal von SRF. «Bei etwa drei Prozent aller Fälle werden nach den Kontrollen Anpassungen bei den Zahlungen vorgenommen», schätzt Cornelia Breitschmid, Leiterin des kantonalen Sozialdienstes. 2011 waren es insgesamt 1400 Kontrollen, für letztes Jahr sind noch keine Zahlen bekannt.

«Das Angebot ist freiwillig», sagt Cornelia Breitschmid. Einige Gemeinden würde aus finanziellen Gründen nicht mitmachen. Für die Einsätze der insgesamt drei kantonalen Kontrolleure bezahlen die Gemeinden einen Beitrag, der anhand der Fallzahlen berechnet wird. Im Fall der Stadt Baden sind es pro Jahr rund 18 000 Franken.

Gute Erfahrungen in Baden

Baden ist seit Anfang 2007 am Projekt beteiligt. Die Erfahrungen seien durchwegs positiv, sagt Hildegard Hochstrasser. «Bei neuen Fällen herrscht nun Klarheit.» In der Stadt sei die soziale Kontrolle schwächer als auf dem Land, weshalb es wichtig sei, im Voraus zu prüfen, ob eine Person den Wohnsitz auch wirklich in der Stadt habe. Die Anzahl der Gesuche ist in Baden in den letzten Jahren stabil geblieben.

«Es ist noch nie vorgekommen, dass jemand das Gesuch aufgrund der angekündigten Kontrollen zurückgezogen hat», sagt Hochstrasser. Sie glaube nicht an eine abschreckende Wirkung. «Präventiv wirken die Hausbesuche höchstens in dem Sinn, dass auf dem Gesuch weniger falsche Angaben gemacht werden.» Differenzen würden nur in ein, zwei Fällen pro Jahr auftauchen, sagt Hochstrasser.

Wohlen stieg nach Pilotprojekt aus

Allerdings verzichten nicht nur kleinere, sondern auch grössere Gemeinden wie Aarau, Lenzburg, Rheinfelden oder Zofingen auf die kantonalen Kontrolleure. Auch Wohlen beteiligt sich nicht daran – und das obwohl man zu den ersten Gemeinden gehörte, die sich am Pilotprojekt beteiligten.

«Unsere Erwartungen wurden nicht erfüllt», sagt Urs Spillmann, Leiter der Sozialen Dienste. «Das eigene System ist für Wohlen tragfähiger.» Das sei aber auch ein finanzieller Entscheid gewesen. «Die internen Kontrollen sind kostengünstiger und erscheinen ebenso zweckdienlich. Wir legen Wert auf kontinuierlichen Kontakt mit den Klienten und nicht auf sporadische Hausbesuche.»

Wer sich in Wohlen neu für die Sozialhilfe anmelden will, muss persönlich auf der Gemeinde erscheinen und alles offenlegen. Da die Verwaltungsangestellten in der Gemeinde viele Leute kennen würden, bestehe auf diese Weise bereits eine gewisse soziale Kontrolle, sagt Spillmann.

Darüber hinaus müssen Sozialhilfesuchende einwilligen, dass Mitarbeiter der Sozialen Dienste jederzeit Hausbesuche vornehmen können. Bei Verdacht kommt es in Wohlen auch zum Einsatz eines Privatdetektivs. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es aber sowieso nicht, sagt Spillmann.

Remetschwil: Keinen direkten Nutzen

Die Gemeinde Remetschwil gab kürzlich bekannt, per Ende Jahr auf die Kontrollen zu verzichten und aus dem kantonalen Projekt auszusteigen. Der Gemeinderat begründete diesen Entscheid mit der überschaubaren Anzahl Sozialhilfeempfänger, die der Verwaltung meist persönlich bekannt sei.

Er sehe keinen direkten Nutzen für Remetschwil. Wie viele Gemeinden dem Beispiel folgen werden, steht zurzeit noch nicht fest. «Ein paar andere werden auf Ende Jahr ebenfalls aufhören», sagt Breitschmid. Insgesamt kämen aber immer mehr Gemeinden dazu als das Projekt verliessen. Seit dem Start vor fünf Jahren wuchs die Anzahl der Gemeinden von anfänglich vier auf 100 an. (mbü)