Gesundheit

Impfkampagne: Ärzte in Apotheken sollen helfen, die Impfquote zu erhöhen

Wer sich gegen Grippe impfen lassen will, soll dies im Herbst 2014 auch in einer Apotheke von einer Ärztin oder einem Arzt machen lassen können. Das planen die Apotheker. Die Ärzte reagieren sehr skeptisch

Der Aargauische Apothekerverband evaluiert derzeit eine gemeinsame Grippe-Impfkampagne für Oktober/November 2014.

Ziel wäre es, sagt der kantonale Apothekerpräsident Fabian Vaucher zur «Schweiz am Sonntag», «in verschiedenen Apotheken durch medizinisches Fachpersonal Grippeimpfungen durchführen zu können».

Dies als niederschwelliges Angebot, im Sinne von impf-and-go ohne Voranmeldung, gerade dann, wenn der Kunde Zeit hat.

Solche Aktionen führen schon die Kantone Bern, die beiden Basel und Zürich durch. Ziel ist, für eine solche Kampagne Ärzte und Ärztinnen (zum Beispiel Pensionierte oder Spitalärzte) zu finden, die mitmachen. Gross ist die Hoffnung, so auch niederschwellig an mehr Pflegefachkräfte heranzukommen und ihre Impfquote zu erhöhen.

Doch was halten die Ärzte davon? Machen sie mit? Ärzteverbandspräsident Hans-Ulrich Iselin reagiert sehr skeptisch: «Es braucht für Impfungen Ärztinnen oder Ärzte mit einer gültigen Berufsausübungsbewilligung und es ist sinnvoll, dass diese ihre Tätigkeit in geeignet eingerichteten Räumen, also in Arztpraxen, ausüben.»

Am besten eignen sich dafür Praxen der ärztlichen Grundversorgung (Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin), so Iselin weiter. Am besten seien die Voraussetzungen, wenn die Impfärztin/der Impfarzt die Patienten aus seiner hausärztlichen Tätigkeit kennt. Iselin: «Eine kurze Umfrage unter unseren Mitgliedern hat meine Vorbehalte bestätigt.»

Fabian Vaucher antwortet darauf, es es gehe nicht darum, das hausärztliche Impfen zu konkurrieren, sondern wie bei der Lungenliga zusätzliche Möglichkeiten bereitzustellen, um breitere Schichten zu erreichen.

In diesem Sinne habe sich auch der «Impfpapst» Professor Steffen ausgesprochen, wonach die Erfahrung aus dem Ausland lehrt, dass der Anteil an Geimpften zunimmt, wenn Impfungen niederschwellig auch in Apotheken verabreicht werden.

Doch was sagt das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) zur geplanten Grippe-Impfaktion?

Kommunikationschef Balz Bruder hält grundsätzlich fest: «Entscheidend ist, dass von der Indikation über die Applikation bis zu einem möglichen Notfall ärztlich nach den Regeln der Kunst gearbeitet wird. Dabei geht es sowohl um medizinische als auch um juristische bzw. bewilligungsrechtliche Voraussetzungen, die in jedem Fall erfüllt sein müssen.»

In Basel-Stadt bieten etliche Apotheken schon seit zehn Jahren im Oktober/November Grippeimpfungen an.

Zu bestimmten, publizierten Zeiten ist ein Arzt oder eine Ärztin in der betreffenden Apotheke. Laut Projektleiterin Lydia Isler-Christ werden so jährlich rund 4000 Menschen geimpft.

Rund die Hälfte davon komme extra dafür in die Apotheke. Die andere Hälfte entschliesse sich spontan, sagt sie zur «Schweiz am Sonntag». Zielgruppe sind 25- bis 60-Jährige, so Isler-Christ, sowie Leute, die mit gefährdeten Personengruppen Kontakt haben. Aber auch solche ohne Hausarzt.

Isler-Christ: «Es kommen sogar ganze Familien, um sich impfen zu lassen.» Die Ärzte, die dafür in die Apotheke kommen, haben meist eine eigene Praxis, einige sind pensioniert.

Eine solche Impfung kostet 29 Franken. Die Kassen übernehmen die Kosten allerdings nur für über 65-Jährige und besonders gefährdete Gruppen. Projektleiterin Isler-Christ: «Diese Aktion, bei der jetzt schon im zweiten Jahr auch Baselbieter Apotheken mitmachen, ist ein grosser Erfolg.»

Zu einem Notfall sei es in den zehn Jahren der Impfaktion noch nie gekommen. Und für den Fall der Fälle seien Notfallspritze und die nötigen Medikamente vorhanden.

Isler-Christ betont, man könne nicht einfach reinspazieren und sich impfen lassen. Erst ist ein Fragebogen auszufüllen. Der wird zusammen mit der Apothekerin angeschaut.

Wenn es für sie okay ist, ist die Reihe an der Ärztin. Sie entscheidet, ob die Impfung stattfindet oder ob zusätzliche Abklärungen nötig sind, für die man den Patienten dann zum Hausarzt schickt.

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