Fluglärm-Staatsvertrag
Immobilienbranche sieht keinen Grund zur Panik wegen Fluglärm

Der neue Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz wird dem Aargau mehr Fluglärm bescheren. Doch in der Immobilienbranche schaut man den möglichen Auswirkungen des Staatsvertrags ziemlich gelassen entgegen.

Fränzi Zulauf
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Flugzeug über Kaiserstuhl – hier gehört Fluglärm schon lange zum Alltag.

Flugzeug über Kaiserstuhl – hier gehört Fluglärm schon lange zum Alltag.

Walter Schwager

Vorab am Morgen und am Abend werden mehr Flugzeuge den Kanton überfliegen, und – was viele ärgert – der gekröpfte Nordanflug über das Surbtal (den man im Aargau bereits vom Tisch zu haben glaubte) ist als mögliche Option wieder im Spiel.

Damit müsste das Zurzibiet und im Speziellen das Surbtal mit bedeutend grösserer Lärmbelastung rechnen. Büsst der Aargau mit zusätzlichem Fluglärm Wohn- und Lebensqualität ein? Verlieren die Wohnliegenschaften an Wert? Können sie überhaupt noch verkauft werden?

«Bei uns kein Thema»

Eine kleine Umfrage in der Immobilienbranche fällt doch recht überraschend aus. «Fluglärm ist bei uns kein Thema», sagt Philipp Schlatter von der Immobilienfirma Betterhomes AG. Und bekräftigt nochmals: «Überhaupt keins.» Die Flugzeuge überquerten den Aargau hoch genug und seien deshalb keine oder höchstens eine geringe Belastung. «Unsere Kunden stören sich eher am Strassenlärm.

Der ist eine Dauerbelastung, im Gegensatz zu Flugzeugen, die vorüberziehn und dann ist wieder Ruhe.» Philipp Schlatter glaubt nicht, dass es jetzt aufgrund des neuen Flughafen-Staatsvertrags zu mehr Hausverkäufen in den neuralgischen Gebieten – etwa dem Bezirk Zurzach – kommen wird. «Vielleicht wird es einzelne Eigentümer geben, die deshalb ihr Haus verkaufen möchten, vielleicht werden sie den neuen Käufern preislich auch ein wenig entgegenkommen – wie es beispielsweise bei Objekten geschieht, die nahe an Eisenbahnschienen stehen. Aber generelle oder grössere Preisabschläge sind kaum zu befürchten.»

Das sieht auch Thomas Hager vom Hauseigentümerverband Aargau so. «Im Moment ist überhaupt keine Aufregung zu spüren. «Fluglärm war vor einigen Jahren ein Thema, das hat sich aber bald wieder normalisiert. Ich habe jedenfalls noch nie erlebt, dass bei uns jemand aus Angst vor dem Fluglärm sein Haus verkauft hätte. Das Surbtal», erklärt er weiter, «muss man dann aber schon genauer anschauen.» Grund zur Panik gebe es aber sicher nicht.

Verbesserung im Vergleich zum Kanton Zürich

Seit über 20 Jahren im Maklergeschäft ist Georg Edelmann von der Edelmann Immobilien AG in Bad Zurzach. «In der Region Kaiserstuhl ist der Fluglärm immer wieder ein Thema», sagt er. «Dabei ist der Unterschied zwischen Kaufinteressenten aus dem Aargau und solchen aus Zürich besonders gross.

Steht man beispielsweise in Fisibach oder Kaiserstuhl vor einem Haus und es ist gerade ein Flugzeug im Anflug, sagen die Zürcher: «Das kennen wir, daran sind wir uns gewöhnt, damit kann man leben. Viele empfinden es im Vergleich zur Wohnsituation im Kanton Zürich als Verbesserung, zumal bei uns die Liegenschaftspreise erst noch tendenziell tiefer sind.»

Von Aargauern hingegen werde der gleiche Fluglärm oft als zu laut eingestuft. «Die erneute Diskussion um den gekröpften Nordanflug kann aber Image schädigend sein für den Aargau, genauso wie das Thema Tiefenlager», ist Georg Edelmann überzeugt. «Es wäre wünschenswert, wenn man dem Surbtal nicht die ganze Last aufhalsen würde.»

Thomas Treyer von der Immobilienfirma Re/Max in Brugg, erklärt, er selbst sei bis jetzt noch nicht auf das Thema Fluglärm angesprochen worden. «Eine Verdoppelung der Flüge würde sich aber nicht gerade positiv auf die Immobilienpreise auswirken», meint er. «Für Hauseigentümer, gerade im Surbtal, könnte das eine gewisse Wertminderung ihrer Liegenschaft mit sich bringen.»

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