Bildungspolitik
Immer weniger Schulen im Aargau: Warum Zusammenschlüsse weiter zunehmen werden

Der Aargauer Regierungsrat lehnt die Schaffung von Schulgemeinden anstelle der heutigen Kreisschulen ab. Autonomen Schulgemeinden brächten überwiegend Nachteile gegenüber den Kreisschulen und nur wenige Vorteile, argumentiert er.

Jörg Meier
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Der Regierungsrat sieht keinen Grund, im Aargau von der bisherigen Organisation mit den Kreisschulen abzuweichen. (Symbolbild)

Der Regierungsrat sieht keinen Grund, im Aargau von der bisherigen Organisation mit den Kreisschulen abzuweichen. (Symbolbild)

KEYSTONE

Die Aargauer Schullandschaft verändert sich. Längst haben nicht mehr alle der 212 Gemeinden eine eigene Schule. Das ist eine Tendenz, die sich fortsetzen wird. So wird es voraussichtlich auf das Schuljahr 2019/20 noch 187 Primarschulen und 67 Oberstufenschulen geben.

Gemeindeübergreifende Zusammenschlüsse von Schulen werden weiter zunehmen. In der Regel werden dazu Kreisschulen mittels Verband oder Vertrag gebildet. Dass dabei immer wieder politische Konflikte auftauchen, gehört zur Tagesordnung.

Das kann zum Beispiel dann vorkommen, wenn zwischen Gemeinden über die Schliessung eines Schulstandortes eine Einigung erzielt werden muss. Finden sich die Gemeinden nicht, entscheidet am Ende der Kanton.

Schulgemeinden als Alternative

Alles in allem seien Kreisschulen eine gute Einrichtung, die sich bewähre, schreibt die Regierung als Antwort auf einen Vorstoss von SP-Grossrat David Burgherr. Dieser hatte die Bildung von Schulgemeinden im Aargau anstelle der heutigen Kreisschulen angeregt.

Die Handlungsfähigkeit von Kreisschulen sei oft durch Partikularinteressen der Verbandsgemeinden beschränkt, kritisiert Burgherr, der als Lehrer im Kanton Zürich arbeitet. Deshalb sei die Schaffung von eigenständigen Schulgemeinden, wie sie der Kanton Zürich kennt, eine sinnvolle Alternative.

Denn Schulgemeinden seien den Kreisschulen und Schulverbänden, wie sie der Aargau kennt, deutlich überlegen. Dies dank der konsequenten Übereinstimmung von Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung in der Unternehmensführung. So kann die Schulgemeinde einen eigenen Steuerfuss bestimmen, die Schulgemeindeversammlung entscheidet bei Bedarf. In den Schulgemeinden würden daher pädagogische Argumente höher gewichtet als Macht und Sparpolitik, erklärt Burgherr in seinem Postulat.

Kreisschulen sollen bleiben

Der Regierungsrat sieht indessen keinen Grund, im Aargau von der bisherigen Organisation mit den Kreisschulen abzuweichen. Kreisschulen seien für einen wirtschaftlichen Schulbetrieb wichtig und hätte sich bewährt. Im Kanton Zürich gehe der Trend eindeutig in Richtung Abschaffung der Schulgemeinden, argumentiert der Regierungsrat, und ähnlich sei die Tendenz in den Kantonen Glarus und St. Gallen.

Die Regierung argumentiert weiter, die autonomen Schulgemeinden brächten überwiegend Nachteile gegenüber den Kreisschulen und nur wenige Vorteile. So würde mit der Errichtung von Schulgemeinden eine neue Gemeindeform und damit ein komplexeres System geschaffen, das zusätzliche Kosten verursachen würde.

Mit der Beibehaltung der heutigen Zuständigkeit für die Schule bei der Einwohnergemeinde lasse sich eine gesamtheitliche Gemeinde-, Finanz- und Investitionspolitik verfolgen. Deshalb ist die Bildung von Schulgemeinden im Aargau für den Regierungsrat keine Option.

Schulpflege: Abschaffung wieder Thema

Im Aargau kommt die Diskussion über die Führungsstrukturen der Volksschule wieder aufs Tapet. Der Regierungsrat hat die Wiederaufnahme des Projekts «Optimierung Führungsstrukturen der Aargauer Volksschule» beschlossen, da er weiterhin Handlungsbedarf sieht.

Im Rahmen von finanziellen Entlastungsmassnahmen war das Projekt, das unter anderem die Abschaffung der Schulpflegen vorsah, im Jahr 2014 sistiert worden.
Schon damals war eine Wiederaufnahme für 2018 angedacht.

Ziel der Vorlage bleibe, die Steuerung der Volksschule zu vereinfachen und die Aufgabenteilung zwischen den verschiedenen Gremien zu klären, teilt die Regierung mit. Vor dem Entscheid des Regierungsrats zur Wiederaufnahme des Projekts fanden letztes Jahr Gespräche mit den direkt beteiligten Berufsverbänden statt.

Dabei hätten der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband, der Verband Schulleiterinnen und Schulleiter Aargau, der Verband Aargauer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten, die Gemeindeammänner Vereinigung Aargau und der Verband Schulverwaltungen Aargau/Solothurn bestätigt, dass es Klärungsbedarf gibt, teilt die Regierung mit.

Das Departement Bildung, Kultur und Sport wurde vom Regierungsrat beauftragt, eine Vorlage auszuarbeiten, die im Herbst 2018 in die Anhörung gehen soll. In der Zwischenzeit sollen weitere Gespräche mit den Direktbeteiligten geführt werden. (sda)