Sicherheit

Immer mehr Waffen: Die Aargauer Polizei zählt schon 55000 Schusswaffen im Kanton

Schusswaffen-Übung bei der Kapo Aargau (Symbolbild)

Schusswaffen-Übung bei der Kapo Aargau (Symbolbild)

Wie viele Schusswaffen gibt es im Aargau? Es sollen rund 55000 Schusswaffen in privaten Haushalten sein. Tendenz steigend. Nicht nur Waffenkäufe, sondern auch Erbschaften und Nachmeldungen sind Gründe für die Zunahme.

Eigentlich ist die Frage simpel: Wie viele Schusswaffen gibt es im Aargau? Doch die Antwort darauf zu finden, ist schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint.

Registriert werden die Waffen von der Fachstelle Siwas bei der Kantonspolizei. Mediensprecher Roland Pfister sagt auf Anfrage, das Erfassungs-Tool sei nicht für statistische Zwecke geeignet und ausgerichtet.

Dennoch kann Pfister aktuelle Zahlen liefern: «Bei der Kantonspolizei Aargau sind heute 55 376 Schusswaffen in privaten Haushalten registriert.»

Zuletzt habe sich diese Zahl pro Jahr um 4000 bis 5000 Waffen erhöht. Dies nicht nur durch Käufe, für die bei der Fachstelle ein Waffenerwerbsschein beantragt werden muss.

Zum steigenden Bestand im Aargau haben laut Pfister auch Nachmeldungen und Erbschaften von Waffen beigetragen. «Es ist oft so, dass eine Waffe vorher schon da war, aber nicht gemeldet wurde.»

Waffenregister hilft bei Einsätzen

Für die Polizei ist es wichtig zu wissen, ob in einem Haushalt eine Waffe vorhanden ist.

«Wir können dies vor Einsätzen, wo Gewaltbereitschaft denkbar ist, im Waffenregister abklären», sagt Pfister.

In solchen Fällen sei es für die ausrückenden Polizeikräfte sehr wichtig, möglichst viele Informationen zur Verfügung zu haben.

In den letzten Jahren hat die Kantonspolizei zwei zentrale Waffenabgabe-Aktionen durchgeführt.

2009 wurden rund 3000 Waffen und beträchtliche Mengen Munition abgegeben, 2013 waren es noch rund 150 Waffen. «Eine erneute Abgabeaktion ist derzeit nicht geplant», sagt Pfister.

Waffen und Munition könnten allerdings jederzeit bei jedem Polizeiposten freiwillig abgegeben werden. Dies sei eine kundenfreundliche Lösung, die durchaus genutzt werde, sagt Pfister.

Bei den zwei Abgabe-Aktionen wurden auch alte Militärwaffen abgegeben. Wie viele Sturm-
gewehre und Armeepistolen in Kellern und Schränken im Aargau aufbewahrt werden, lässt sich aber nicht exakt sagen.

Die az versucht dennoch eine Annäherung. Klar ist: Ende 2015 waren im Aargau insgesamt 21 293 aktive Wehrmänner eingeteilt. Der weitaus grösste Teil von ihnen ist mit einer Dienstwaffe ausgerüstet.

Von allen Soldaten in der Schweiz leisten nur 1,3 Prozent waffenlosen Dienst. Geht man davon aus, dass dieser Anteil auch für den Aargau gilt, gibt es im Kanton 21 016 Waffen von aktiven Armeeangehörigen.

Armeewaffen nicht kantonal erfasst

Viel schwieriger wird es, wenn es um Waffen geht, die Wehrmänner nach Ende ihrer Dienstpflicht behalten.

Armeesprecher Christoph Brunner teilt auf Anfrage mit, eine Aufschlüsselung nach Kantonen sei «nicht möglich und für die Armee auch irrelevant».

Wer sein Sturmgewehr oder seine Pistole behalten will, braucht seit einer Gesetzesänderung 2008 einen Waffenerwerbsschein. Seither werden die Armeewaffen, die von Wehrmännern nach der Entlassung übernommen wurden, im Register der Polizei erfasst.

Wie viele alte Sturmgewehre des Typs 57 im Aargau lagern, lässt sich deshalb nicht sagen. Bei den neuen Gewehren des Typs 90 ist hingegen eine Annäherung möglich.

Zwischen 2005 und 2015 wurden schweizweit 314 578 Wehrmänner aus der Armee entlassen. 69 149 oder 22 Prozent behielten die Dienstwaffe nach dem «Abgeben».

Im Aargau wurden im gleichen Zeitraum 19 307 Armeeangehörige entlassen. Geht man davon aus, dass im Aargau – wie im Schweizer Durchschnitt – 22 Prozent der Wehrmänner nach Dienstende das Sturmgewehr behalten, hätte sich die Zahl der Armeewaffen im Kanton seit 2005 um 4248 erhöht.

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