Zwei Rekorde im 2014
Immer mehr Kinosäle bei immer weniger Besuchern – auch im Aargau

In den Schweizer Kinos wurden 2014 gleich zwei Rekorde gebrochen: 28 neue Kinosäle wurden eröffnet, hingegen gingen so wenig Besucher ins Kino wie seit 1955 nicht mehr. Im Aargau mildert das neue Kino in Schöftland das Resultat immerhin ein wenig.

Daniel Vizentini
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Die neu eröffneten Kinosäle in Schöftland sorgten immerhin in der Region für mehr Kinobesucher.

Die neu eröffneten Kinosäle in Schöftland sorgten immerhin in der Region für mehr Kinobesucher.

Emanuel Freudiger

2014 war für die Schweizer Kinobetreiber ein Jahr der Extreme. Die Besucherzahlen erreichten ein Rekordtief – gemäss dem Branchenverband Procinema seien die 13,1 Millionen verkauften Kinoeintritte das schlechteste Resultat seit 1955, ältere Zahlen gibt es nicht. Gleichzeitig aber wurden in der Schweiz so viele Kinosäle eröffnet wie noch nie: 28 Kinosäle gab es Ende 2014 mehr als im Vorjahr.

«Das habe ich in meiner jahrzehntelangen Karriere noch nie erlebt», sagt René Gerber, Geschäftsleiter von Procinema. Gemäss ihm sei das ein Beweis, dass die Kinobetreiber weiterhin an das Geschäft glauben. «Und zwar landesweit – in Genf wie auch in kleinen Ortschaften wie Aarberg BE oder Schöftland.»

Mehr Kinosäle bei weniger Kinobesuchern – das klingt widersprüchlich. Gemäss René Gerber aber sei das rekordtiefe Kinojahr 2014 wie das bereits besucherschwache Jahr 2013 auf normalen Schwankungen zurückzuführen. «Es haben grosse Knüllerfilme gefehlt, die die Besucherzahlen jeweils nach oben ziehen», sagt er, auch wenn er zugibt, dass die Zahlen für 2014 etwas gar tief waren.

«Der erfolgreichste Film 2014, ‹Monsieur Claude und seine Töchter›, brachte 470 000 Eintritte – normalerweise bringen die grossen Filme über eine Million.» Auf Platz zwei kam der letzte Teil der «Hobbit»-Trilogie. Dieser ist aber erst im Dezember angelaufen und konnte die Zahlen für 2014 nur leicht erhöhen.

Aarau und Baden flop, Schöftland top

Neben den nationalen Besucherzahlen verrät Gerber auch die provisorischen Zahlen für den Aargau: An die 860 000 Kinoeintritte wurden 2014 im Kanton verkauft. Das waren über 60 000 oder 6,6 Prozent weniger im Vorjahr. Damit liegt der Aargau nur leicht über dem Schweizer Durchschnitt: Landesweit sind die Kinoeintritte um 6,2 Prozent zurückgegangen.

Unterschiede zeigen sich hingegen in den verschiedenen Regionen: In den Zentren Baden/Wettingen und Aarau sind die Besucherzahlen um über 9 Prozent zurückgegangen, in der Region um Oftringen und Schöftland aber um 1,5 Prozent leicht angestiegen. Letzteres könnte auf das Multiplex-Kino Youcinema in Oftringen und vor allem auf das Anfang November eröffnete «Cinema 8» in Schöftland zurückzuführen sein.

Rolf Häfeli, Geschäftsführer des «Cinema 8», bestätigt diese Vermutung: «Über 20 000 Besucher kamen in den ersten zwei Monaten ins neue ‹Cinema 8›, ein sehr tolles Ergebnis.» Für über 20 Millionen Franken hatte er 2012 sein ehemals kleines Kino in Schöftland zu einem Unterhaltungstempel mit fünf modernen Kinosälen, einem Open-Air-Kino auf dem Dach, Hotel, Bowlingbahnen, Restaurants, Bars und gar einer eigenen Brauerei umbauen lassen.«Damit das Kino zukunftsfähig wird», wie er damals bekanntgab.

Wachstum als Flucht nach vorne – das scheint die Strategie vieler Kinobetreiber zu sein. Mit fünf Kinosälen statt wie früher einem könne man das Angebot je nach Bedarf anpassen. Die Gefahr, «auf den falschen Film zu setzen», der keine Besucher anzieht, sei damit vom Tisch, so Häfeli.

Zudem setzen die neuen Multisaal-Kinos auf Events: In Schöftland gibt es Konzerte, in Oftringen Computerspiel-Turniere auf der Grossleinwand und in Aarau werden sogar Oper- und Balletvorstellungen aus der Royal Albert Hall in London übertragen. «Wegen der Angebotsvielfalt kommen mehr Gäste», sagt Häfeli, die Unterhaltungskosten pro Kinosessel sinken.

Für 2015 Aufschwung erwartet

Möglich macht die Ausbreitung der Kinosälen die neue digitale Technik: Seitdem nahezu alle Kinos in der Schweiz die Filme nicht mehr ab einer Filmrolle auf die Leinwand projizieren, sondern digital ab einer Computer-Festplatte, ist es einfacher und günstiger geworden, mehrere Filme zu zeigen und die Säle je nach Bedarf zu bespielen.

Grosse Blockbuster werden dann auch hie und da in mehr als einem Kinosaal gezeigt: Dies dürfte auch mit dem neuen James-Bond-Film passieren, der dieses Jahr in die Kinos kommt – der grosse Hoffnungsträger, um das Kinojahr 2015 besuchermässig in die oberen Ränge zu führen.