Aargauer Jugendliche wählen nach der Volksschule zunehmend häufiger Anschlusslösungen, die später eine Tertiärausbildung ermöglichen. Das ist das wichtigste Ergebnis der Schulabgängerbefragungen STEP I (=Abschluss der obligatorischen Volksschule) und STEP II (=Weg nach  der Mittelschule oder der Berufsfachschule) 2013, welche die Staatskanzlei des Kantons Aargau am Dienstag in einer Mitteilung bekannt gegeben hat.

Daraus geht hervor, dass die grosse Mehrheit der Absolventinnen und Absolventen der Mittelschulen ein Studium plant. Von den Berufsmaturandinnen und -maturanden beabsichtigt etwa ein Drittel eine weiterführende höhere Berufsbildung.

Nach der Volksschule


Die Grundausbildung in einem Lehrbetrieb ist nach wie vor die meist gewählte Anschlusslösung nach der Volksschule. Rund 57 Prozent der Aargauer Jugendlichen entscheiden sich dafür. Dieser Wert blieb in den vergangenen Jahren konstant. Leicht zugenommen hat der Anteil derjenigen, die gleichzeitig eine Berufsmaturität anstreben.

Rund 22 Prozent der Schulabgängerinnen und -abgänger beabsichtigen nach der Volksschule den Übertritt in ein Gymnasium oder in eine Fachmittelschule (Tertiärstufe). 2008 lag der entsprechende Anteil noch bei 18 Prozent.
Knapp 30 Prozent der Berufsmaturandinnen und -maturanden planen bereits bei Lehrabschluss eine weitere Ausbildung auf Tertiärstufe anzuschliessen. Dies sind deutlich mehr als in den beiden Vorjahren.

Auch 58 Prozent der Absolventinnen und Absolventen der Wirtschafts- und Informatikmittelschulen wollen nach deren Abschluss in eine Fachhochschule oder eine Höhere Fachschule eintreten. Die grosse Mehrheit der Mittelschülerinnen und -schüler hat vor, nach der Sekundarstufe II ein Studium aufzunehmen. 82 Prozent der Absolventinnen und Absolventen mit gymnasialer Maturität beabsichtigen den Eintritt in eine Universität oder Fachhochschule. Bei den Fachmaturandinnen und Fachmaturanden sind es 75 Prozent, die eine weiterführende tertiäre Ausbildung planen.

Aufholbedarf

Im Vergleich zu anderen Kantonen hat der Aargau eine relativ tiefe Maturaquote. Die gymnasiale Maturitätsquote beträgt im schweizerischen Durchschnitt19.7%, sie schwankt
zwischen 29.3% und 13.7%. Die Berufsmaturitätsquote, die den Zugang zu den Fachhochschuleneröffnet und im Durchschnitt 12% beträgt, schwankt zwischen 15.7% und 4.7%.
Mit anderen Worten ist die Mittelschulquote, auch wenn die gymnasiale und die berufliche Maturität zusammen betrachtet werden, zwischen den Kantonen sehr unterschiedlich (Beispiele: Tessin 43.2%, Genf 37.7%, Zürich 33.5%, Basel Stadt 30.8%, St. Gallen 24.8%, Aargau 24.7%).

Die eher tiefe Maturitätsqupte im Aargaug ibt schon lange zu reden. Auch schweizweit wurde das Thema lanciert, als vor drei Jahren, als das sogenannte das Weissbuch «Zukunft Bildung Schweiz» der Akademien der Wissenschaften herauskam und ein kontroverses Echo gefunden hat. Als Projektion auf das Jahr 2030 heisst es da , dass «das Ziel eines Anteils von 70% eines Jahrgangs mit einem Abschluss an einer höheren Schule in greifbare Nähe gerückt» sei. Und weiter: «Zweidrittel eines Jahrgangs erwerben einen Abschluss auf Tertiärstufe». In diese Aussgaen hineininterpretiert wurde ein Appell, die Maturitätsquote auf 70 % zu erhöhen; sowie der Eindruck, eine berufliche Bildung würde distanziert wahrgenommen und damit das duale Bildungssystem der Schweiz angegriffen. (cls)