Rheinfelden
Immer höher hinaus: Hochhäuser prägen zunehmend das Stadtbild

Architekt Walter Echarti wehrt sich gegen die allgemeine Einschätzung von Wohnsilos oder Mietskasernen. Doch was veranlasst die Menschen, immer höher zu bauen?

Peter Rombach
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Das markante Hochhaus am Rütteliweg gegenüber der Reha-Klinik. ach

Das markante Hochhaus am Rütteliweg gegenüber der Reha-Klinik. ach

Anfang der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts entstanden auch Hochhäuser in kleineren Städten in der Schweiz wie Rheinfelden. Immer höher hinaus im Wohnungs- und Geschäftsbau, diese Idee schwappte herüber aus den USA, wo sogenannte Wolkenkratzer längst die Stadtsilhouetten prägten. Doch wieso wird immer höher gebaut? Dieser Frage ging der Architekt Walter Echarti nach, veröffentlicht mit einem Beitrag für die Rheinfelder Neujahrsblätter 2013. Vorab seine Erkenntnis: «Es sind Kirchtürme, Silos oder Hochhäuser, die aus der umgebenden Bebauung herausragen.»

Definition Hochhaus

Die Definition für Hochhäuser ist allerdings schwierig. Sie vereinen viele Menschen, die vielleicht in der Anonymität leben möchten, die eine spezielle Wohnung mit Ausblick auf die Landschaft hoch oben schätzen. Die Stadtplaner bewegte einst eher die Idee, in Quartieren konzentriert neuen Wohnraum zu schaffen. Dies vor allem auch unter dem Druck der Industrialisierung und der Entstehung neuer Arbeitsplätze. Nur ein Beispiel ist der Augarten in Rheinfelden mit seinen Hochhäusern neben niederen Mehrfamilienblöcken und Reihen-Einfamilienhäusern. Eine Mischung also vom Hohen zum Kleinen. Dass in Rheinfelden heute Hochhäuser stehen, gilt
als eine Spätfolge des Städtebaus.

Doch das Hohe bleibt heute im Ortsbild markant, symbolisiert Aufstreben, Wachstum, den Drang nach städtischer Akzeptanz. Sicherheitsfragen tauchten erst in jüngster Zeit auf: Brandschutz. Denn eine Drehleiter der Feuerwehr kommt bei günstiger Positionierung maximal auf 30 Meter an ein brennendes Objekt heran. Insofern auch die rein technische Auslegung hinsichtlich Sicherheitsfragen und Brandschutznormen, was denn als ein Hochhaus zu gelten hat.

Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen markierte Hochhäuser als «Bauten, deren oberstes Geschoss mehr als 22 Meter über dem der Feuerwehr dienenden angrenzenden Terrain liegt». Solche Richtlinien sind zwar kantonsübergreifend anerkannt und auch klarer Inhalt von Baugesetzen, aber in der Praxis nur beschränkt anwendbar. In Hochhäusern müssen Fluchtwege aus den höheren Stockwerken bestehen, damit Hilfskräfte wie Feuerwehr oder Sanität überhaupt eine Chance haben.

Neubauten werden integriert

Obwohl konzentrierte Wohnbebauungen entstanden, blieben nach Expertenansicht historisch gewachsene Ortszentren erhalten. «Dass in Rheinfelden heutzutage Hochhäuser stehen, ist
eine Spätfolge des Städtebaus», behauptet der Architekt Walter Echarti. Die Hochhäuser an der Salinenstrasse seien ein Beispiel für eine Eingliederung in bestehende Quartierstrukturen. Er sehe auch eine «politische Distanz» zum vor vierzig Jahren realisierten Augartenkomplex. Mit den Hochhäusern, die längst ins Stadtbild integriert seien.

Die Entstehung von Hochhäusern gehöre zum Aspekt des verdichteten Bauens, sagt der Architekt und ergänzt: «Ein ökonomischer Umgang mit dem Boden ist ein im Raumplanungsgesetz festgeschriebener Grundsatz.»

Die Hochhausgruppen in Rheinfelden stellten «überschaubare Siedlungen in kleinstädtischem Umfeld» dar, so Architekt Walter Echarti. Und er wehrt sich klar gegen die Einschätzung, Hochhäuser seien nur «Mietskasernen oder Wohnsilos». Entscheidend sei doch das gesellschaftliche Umfeld, die Lebensqualität. «Das negative Image von Wohnhochhäusern trifft in Rheinfelden nicht zu», versichert Echarti auch in den Rheinfelder Neujahrsblättern.

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