Jahrzehntelang legte die Schweizer Strombranche goldene Eier. Deshalb fällt es enorm schwer, zu akzeptieren, dass sie nach einem dramatischen Strompreiszerfall inzwischen um ihre Existenz ringt. Aber es hilft nichts. Allein die Wasserkraftwerke bescheren ihren Besitzern jährlich eine halbe Milliarde Franken Verlust. Das sind wöchentlich 10 Millionen Franken. Wenn der Preis noch lange im Keller bleibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis den ersten der Stecker gezogen wird.

Niemand vermag zu sagen, wann sich die Preise erholen und wie weit. Was sollen die betroffenen Konzerne, was soll eine Axpo da tun? Ihr Wasserkraft-Tafelsilber, das dereinst sicher wieder viel Wert haben wird, verscherbeln?

Aktuell gäbe es miserable Preise. Und das Risiko, dass wichtige Kraftwerke im Portfolio chinesischer, russischer oder sonstiger Investoren landen könnten.

Oder sollen die Konzerne einfach auf bessere Zeiten hoffen? Dann droht das Risiko, dass über kurz oder lang ihre Besitzer – im Fall der Axpo etwa der Aargau – Steuergeld nachschiessen
müssen, um Konkurse abzuwenden.

Die Konzerne wählen jetzt eine dritte Möglichkeit, und rufen nach einer Not-Subvention. Nun wünscht sich niemand, aus den hier dargelegten drei Übeln eins aussuchen zu müssen. Aber für eins wird sich die Schweiz wohl entscheiden müssen, wenn die Konzerne und mit ihnen viel Volksvermögen nicht den Bach runtergehen sollen.

Dass Energiedirektor Stephan Attiger sagt, es brauche kurzfristige Massnahmen, wobei zweitrangig sei, wie die aussehen, zeigt die Dramatik der Situation. Noch weiss niemand, wie eine Überbrückungslösung genau aussehen soll und was sie die Stromkonsumenten kostet. Sicher ist erst so viel: Wenn sich der Strompreis nicht bald erholt, wird es
so oder so teuer.