Arbeitslosigkeit
Im November haben sich 2100 Aargauer zum «Stempeln» angemeldet

Die Arbeitslosenquote ist auch im Aargau im vergangenen Monat wieder angestiegen, aber sie liegt mit 2,8 Prozent immer noch unter dem Landesmittel. Das ist für den Aargau erfreulich, aber warum ist es eigentlich so?

Urs Moser
Drucken
Teilen
9600 Personen waren im November bei den Arbeitsvermittlungszentren arbeitslos gemeldet.

9600 Personen waren im November bei den Arbeitsvermittlungszentren arbeitslos gemeldet.

Die monatliche Arbeitsmarkstatistik weist für den Aargau per Ende November 9609 Arbeitslose aus, 399 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote ist damit um 0,2 auf 2,8 Prozent gestiegen.

Beim Amt für Wirtschaft und Arbeit nehmen die Anfragen zum Thema Kurzarbeit zu. Das deutet zwar darauf hin, dass bei vielen Firmen die Zukunftsaussichten negativer beurteilt werden als auch schon, vorderhand ist der Anstieg der Arbeitslosenquote aber nicht dramatisch, weil hauptsächlich saisonal bedingt: Für Leute, die ihr Geld auf dem Bau verdienen, wird die Luft im Winter immer dünner. Von den gut 2000 Neuanmeldungen bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren im November stammen über 300 aus dem Baugewerbe.

Arbeitsmarkt spielt

Dass bei 2000 neu registrierten Arbeitslosen die Zahl unter dem Strich «nur» um 399 zugenommen hat, zeigt, dass der Arbeitsmarkt nicht ausgetrocknet ist: Die Fluktuation ist hoch, ein grosser Teil der Betroffenen findet recht schnell wieder eine Stelle.

Nach wie vor liegt die Arbeitslosenquote im Aargau mehr oder weniger deutlich unter dem Landesmittel von 3,1 Prozent. Selbstverständlich ist das nicht. Der Branchenmix ist eigentlich nicht ganz ideal: stark industrielastig, nicht besonders wertschöpfungsintensiv und stark exportabhängig. Da könnte man auch vermuten, der Kanton müsste im aktuellen Umfeld im Gegenteil krisenanfälliger sein als andere Regionen.

Hohe soziale Verantwortung

Den Grossen im Aargau Ansässigen in der Maschinenindustrie oder der Elektrobranche gehe es immer noch besser als in anderen Industriesparten, sagt Raphael Weisz vom Amt für Wirtschaft und Arbeit dazu. Auch dass die stark unter Druck geratene Finanzbranche im Aargau keine allzu grosse Bedeutung hat, dürfte derzeit mehr Segen als Fluch sein. Und dann sei die Wirtschaft im Kanton traditionell stark von kleinen und mittleren, oft Familienbetrieben getragen. Hier spiele eine hohe soziale Verantwortung, die Hemmschwelle für personelle Massnahmen liege hier höher als in anonymen Konzernen, auch wenn es mal vorübergehend nicht so optimal läuft.

Regionale Unterschiede

Tradition haben auch die regionalen Unterschiede in der Arbeitsmarktstatistik. Dass die Arbeitslosenquote in dem als Wirtschaftsmotor des Kantons gerühmten Grossraum Baden am höchsten ist (aktuell 3,1 Prozent) und im eher als attraktive Wohngegend bekannten Bezirk Muri am tiefsten (aktuell 1,9 Prozent) mag auf den ersten Blick erstaunen. Es ist aber üblich. Eine wirklich hieb- und stichfeste Erklärung habe man dafür nicht, sagt Raphael Weisz. Naheliegend ist aber, dass sich in den Zahlen eine höhere Zahl von Arbeitsplätzen für weniger Qualifizierte in der Grossindustrie bemerkbar macht, während im Freiamt mehr hoch Qualifizierte Fachkräfte zu Hause sind.