KSA-Neubau

Im neuen Spital haben alle ein Einzelzimmer – SVP-Grossrat kritisiert «Luxuslösung»

Kritik an KSA-Projekt: «Dieser Neubau kostet 619 Millionen Franken»

«Dieses Projekt verursacht Baukosten von 619 Millionen Franken»: SVP-Politiker Jean-Pierre Gallati übt Kritik. (9.4.2019)

Endlich ist klar, wie das neue Kantonsspital Aarau aussehen wird. Es ist ein neungeschossiger Bau mit vielen Fenstern mit Blick in den Park. Das Baugesuch ist noch nicht eingereicht. Bis im Herbst wird sich der Verwaltungsrat noch einmal intensiv mit Fragen zur Finanzierung beschäftigen. Nicht jeder ist mit dem Gewinnerprojekt einverstanden.

Das Areal des Kantonsspitals Aarau (KSA) erinnert an ein Labyrinth. Das merken Besucherinnen und Besucher spätestens, wenn sie vor einer der vielen Tafeln stehen und versuchen, sich zu orientieren, um hoffentlich auf Anhieb im richtigen Haus zu landen. 46 Gebäude stehen auf dem Areal. Es ist nicht übertrieben, wenn Verwaltungsratspräsident Peter Suter sagt, das KSA sei jenes Spital mit dem grössten Handlungsbedarf bei der Infrastruktur.

Die weit verstreuten Gebäude sind nicht mehr zeitgemäss, die langen Wege ineffizient und auch die Ökobilanz ist nicht die beste. «Die Infrastruktur muss dringend angepasst werden», sagt Suter.

Gestern Dienstag präsentierten die Verantwortlichen an einer Medienkonferenz das Siegerprojekt für den Neubau, welches der Verwaltungsrat letzte Woche gekürt hat. Entworfen hat das Projekt die Architektengemeinschaft Burckhardt + Partner AG und Wörner Traxler Richter. Der Neubau besteht aus einem vierstöckigen Sockelgebäude mit einem fünfstöckigen Aufbau, der leicht nach innen versetzt ist.

Der Haupteingang befindet sich in der Westfassade. Notfallpatienten und Krankenwagen treffen auf der Ostseite ein. Die Mitarbeitenden gelangen über einen Zugang an der Südfassade zu den Garderoben. Im Erdgeschoss befinden sich jene Stationen mit einem hohen Patientenaufkommen: der Notfall, die Ambulatorien und die Radiologie.

Die 18 geplanten Operationssäle werden im ersten Stock untergebracht. Im zweiten Stock befindet sich unter anderem die Intensivstation. Das Mutter-Kind-Zentrum inklusive Station für Frühgeburten entsteht im dritten Stock.

Viel Licht und warme Farben

Gesund werden, können die Patientinnen und Patienten im Bettenhaus mit 472 stationären Betten, das sich im fünfstöckigen Aufbau befindet. Die Visualisierungen der Zimmer erinnern an Hotelzimmer und machen klar: Mit dem Neubau will das Kantonsspital Aarau auch bei den Patientinnen und Patienten punkten. Sie kommen – egal, wie sie versichert sind – in den Genuss eines Einzelzimmers mit Blick in den Park.

Das Herzstück des Gebäudes ist aber der Boulevard mit vier Lichthöfen (siehe Hauptbild). Es ist jener Teil, der die ambulanten und stationären Bereiche des Spitals voneinander trennt, beziehungsweise sie miteinander verbindet.

So bleiben die Wege für Personal und Patienten kurz. Die Besucher gelangen über den Boulevard zu den Liften, die sie in die oberen Etagen bringen. Während in den Zimmern sanfte, natürliche Farbtöne für ein heimeliges Gefühl sorgen, dominieren im Boulevard Weiss- und leichte Grautöne.

Obwohl das neue Spital auf dem Papier und im Modell bereits existiert, ist es noch ein langer Weg, bis die ersten Patienten behandelt werden können. Ursprünglich sollte der Neubau 2023 in Betrieb genommen werden.

Dieser Termin hat sich nach hinten verschoben. Wenn alles nach Plan läuft, wird das Spital 2024 eröffnet. Felix Schönle, Vize-Verwaltungsratspräsident, sagte denn an der Medienkonferenz auch: «Nur weil sich der Verwaltungsrat für das Projekt entschieden hat, heisst das nicht, dass jetzt alle Ampeln auf Grün stehen.»

Bevor das Baugesuch eingereicht wird, voraussichtlich sei das im Frühjahr 2020 der Fall, gebe es noch verschiedene Dinge zu erledigen. Der Businessplan müsse zum Beispiel überarbeitet werden.

«Es gibt verschiedene neue Erkenntnisse bezüglich der Betriebs- und Investitionskosten, die einbezogen werden müssen, jetzt wo wir wissen, welches Projekt realisiert wird», so Schönle. Bei der Erarbeitung des Businessplans seien verschiedene Annahmen getroffen worden, die nun mit den neusten Erkenntnissen abgeglichen werden müssten.

«Schade, dass das Negative so ausgewalzt wird»: der neue Verwaltungsratspräsident Peter Suter spricht im ausführlichen Interview über das KSA und den geplanten Neubau

«Schade, dass das Negative so ausgewalzt wird»: der neue Verwaltungsratspräsident Peter Suter spricht im ausführlichen Interview über das KSA und den geplanten Neubau

(9.4.2019)

Projektfreigabe im Herbst

Einer der wesentlichen Punkte, den es zu klären gelte, sei auch die Frage der Finanzierung. «Es wäre blauäugig, wenn wir bis zu diesem Punkt gegangen wären, ohne dies angeschaut zu haben», beruhigt Schönle. «Dennoch müssen wir Gewähr bieten, dass die finanzielle Tragbarkeit gegeben ist.»

Deshalb werde das alles noch einmal geprüft. Erst dann werde das Projekt vom Verwaltungsrat freigegeben. Schönle rechnet damit, dass dies ungefähr im dritten Quartal 2019 der Fall sein wird. «Wir lassen uns nicht unter Druck setzen.» Dieser Teil der Arbeit müsse genauso seriös gemacht werden, wie der erste Teil des Projekts.

Gallati kritisiert Luxuslösung

Am selben Tag, an dem die KSA-Verantwortlichen ihr Projekt präsentierten, wurde bereits Kritik laut. SVP-Grossrat und Gesundheitspolitiker Jean-Pierre Gallati findet das Siegerprojekt mit 619 Millionen Franken zu teuer. Er weiss, dass die beiden Mitbewerber auf den Rängen 2 und 3 wesentlich günstiger offeriert haben.

«Ein Projekt hätte 170 Millionen Franken weniger gekostet», sagt Gallati. Für ihn ist unverständlich, warum sich die Verantwortlichen ausgerechnet für den teuersten Neubau entschieden haben. «Aus finanzieller Sicht kann ich den Entscheid schlicht nicht nachvollziehen.»

Kritik, die Felix Schönle nicht gelten lässt. Die 619 Millionen Franken seien beim Siegerprojekt als Obergrenze eingegeben worden. Es gebe bei den Kosten sicher noch gewisse Veränderungen. «Wir werden intensive Diskussionen mit dem Totalunternehmen und dem Architekturteam führen», sagt Schönle.

Ausserdem sei der Preis nur ein Aspekt, der beim Entscheid eine Rolle gespielt habe. Die Betriebskosten seien gleich hoch gewichtet worden. «Das Siegerprojekt ist jenes Projekt, das sich, aus unserer Sicht und aus der Sicht der Jury, optimal betreiben lässt.» Deshalb lohne es sich auch, in den Bau zu investieren, wenn danach die Betriebskosten tiefer sind.

Wie es bei öffentlichen Ausschreibungen Standard ist, haben die unterlegenden Anbieter die Möglichkeit, sich gegen den Entscheid zu wehren. Die Rekursfrist läuft.

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