Aristau
Im Kosmos von Aristau bis China

Der ehemalige Rechtsprofessor Heinz Rey setzt Massstäbe. Seine systematische Darstellung des Haftpflichtrechts gibt es jetzt sogar auf Chinesisch. Dieses Jahr will er die Restaurierung des Aristauerhofs vollenden.

HANS-PETER WIDMER
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Liebhaber alter Bausubstanz: Heinz Rey will den Aristauerhof möglichst originalgetreu instand stellen.

Liebhaber alter Bausubstanz: Heinz Rey will den Aristauerhof möglichst originalgetreu instand stellen.

Der in Aristau wohnhafte frühere Rechtsgelehrte Heinz Rey stellte dieser Tage fest, dass sich das dynamische Interesse Chinas an schweizerischen Gütern nicht auf die Wirtschaft beschränkt, sondern bis in den Rechtsbereich erstreckt. Den Beweis hielt der emeritierte Ordinarius für Privatrecht kurz vor Weihnachten schwarz auf weiss in Händen. Sein 2007 in vierter, erweiterter Auflage erschienenes Buch zum «Ausservertraglichen Haftpflichtrecht» wurde ins Chinesische übersetzt – eine seltene Ehre für einen Schweizer Wissenschafter. Den 530-seitigen Band veröffentlichte die China University of Political Science and Law Press in Beijing. Die erste Innenseite scheint eine Widmung für Heinz Rey zu enthalten. Sein Name lässt sich zumindest zwischen den chinesischen Schriftzeichen gut entziffern.

Widmung aus China

Die Vermutung liegt nahe, dass die chinesische Aufmerksamkeit für die schweizerische Rechtssetzung nicht ausschliesslich auf akademischem Forschungstrieb und wissenschaftlicher Rechtsvergleichung beruht. Immerhin ist schon der Umstand, dass man sich im zentral gelenkten China über privatrechtliche Ordnungen in der liberalen Hemisphäre informiert – und zwar aus bester Quelle – bemerkenswert. Die jüngsten Akquisitionen von Schweizer Unternehmen verdeutlichen allerdings auch, weshalb man sich in China so intensiv dafür interessiert, wie Haftpflichtfragen an den neuen auswärtigen Firmenstandorten geregelt werden: Sie sind von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung.

Legendär und praxisbezogen

In dieser Thematik kennt sich der ehemalige Professor Heinz Rey bestens aus. Seine systematische Darstellung des Haftpflichtrechts, auf die sich die chinesische Übersetzung abstützt, hat in der Rechtswissenschaft Lehrbuchcharakter. Der mittlerweile 73-jährige Autor gilt im Sachen-, Vertrags- und Haftpflichtrecht als Kapazität. Er doktorierte 1970 beim grossen Schweizer Privatrechtler Arthur Meier-Hayoz. Von 1987 bis zur Pensionierung 2007 war er Ordinarius für Privatrecht an der Universität Zürich und überdies von 2000 bis 2002 Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät. Er verkörperte nie den abgehobenen Gelehrten im Elfenbeinturm; seine praxisbezogenen Vorlesungen waren legendär.

Herkulesaufgabe in Aristau

Die Pensionierung machte aus dem geistigen Schwerarbeiter keinen Müssiggänger. Zwar zog er sich weitgehend aus der wissenschaftlichen Tätigkeit zurück, nutzte aber für den dritten Lebensabschnitt seine handwerkliche Begabung, mit der er schon früher immer wieder den Kopf lüftete. Dem Liebhalter alter Bausubstanz – der mit der Gattin in der Alten Post zwischen den Ortsteilen Althäusern und Aristau lebt und zudem ein Refugium in der französischen Atlantikgegend besitzt –, wurde 2013 der ebenso markante wie renovationsbedürftige Aristauerhof zum Kauf angeboten. Dem denkmalwürdigen Gebäude fühlte sich Rey als Aristauer Ortsbürger verbunden. Er erwarb es, bevor es möglicherweise in Spekulationshände geriet. Nicht alle Mitbürger verstanden dieses teure Engagement. Der Groll einiger Einheimischer über das 2009 geschlossene Gasthaus Arist-
auerhof schien noch nicht ganz abgekühlt.

Das Ehepaar Rey will den 1755 unter der Schirmherrschaft des Klosters Muri im frühklassizistischen Stil erbauten Aristauerhof mit seinen 3× 3 Achsen und dem französischen Mansarddach so originalgetreu wie möglich instandstellen. An dessen Platz stand im Mittelalter eine kleine Burg habsburgischer Lehensleute, welche die Luzerner und Zürcher 1386, nach der gewonnenen Schlacht bei Sempach gegen die Habsburger, zerstörten.

Schmuckstück für die Gemeinde

Die seit 2014 laufende Restauration, bei der die Reys zusammen mit örtlichen Handwerkern Hand anlegen, ist eine Herkulesaufgabe. Die meisten der rund 12 Zimmer, darunter ein hübscher Saal, sind mittlerweile renoviert. Spanplatten auf Böden und an Decken aus früheren unsensiblen Umbauten wurden entfernt, altes Fach- und Balkenwerk hervorgeholt, originalgetreue Zimmertüren eingesetzt, Gangböden in Sandstein erneuert, Küchen- und Badezimmer aufgefrischt.

Die Restaurierung soll heuer fertig werden. Noch ist die künftige Nutzung des Aristauerhofes nicht endgültig festgelegt. Möglich wären Wohnräume, Büros oder Ateliers sowie Veranstaltungslokalitäten für Private und Vereine. Sicher ist: Der Aristauerhof wird wieder ein Schmuckstück für die Gemeinde – und das dank privater Initiative.

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