AKW
Im KKW Gösgen kam es zu einer Selbstabschaltung

Eine defekte Diode hat im Atomkraftwerk Gösgen am Samstagabend eine Schnellabschaltung des Reaktors ausgelöst. Radioaktivität trat bei dem Vorfall nicht aus, wie die Betreiber mitteilten. Es wurde aber sichtbar und hörbar viel Dampf abgelassen.

Beat Wyttenbach
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Wie einer Medienmitteilung des Kernkraftwerks Gösgen (KKG) zu entnehmen ist, sei am Samstagabend um 18.26 Uhr wegen einer defekten Diode «ein falsches Schutzsignal» ausgelöst worden. Dadurch habe die Anlage «auslegungsgemäss eine Schnellabschaltung» durchgeführt. Als Folge davon sei «sichtbar und hörbar» Dampf abgelassen worden.

Daniel Rebsamen, stellvertretender Kraftwerksleiter, präsentiert die fehlerhafte Diode. KKG

Daniel Rebsamen, stellvertretender Kraftwerksleiter, präsentiert die fehlerhafte Diode. KKG

Schutz vor Überspannung

Wie Robert Joho, Betreuer Medienstelle beim KKG, auf Anfrage erklärte, müsse man sich eine solche Diode als «elektrisches Bauteil in der Grösse einer langen Postkarte» vorstellen. Sie sei in einem Schrank innerhalb des Reaktorschutzsystems platziert; insgesamt gäbe es rund zwei Dutzend davon. Ihre Aufgabe sei, den Schrank ähnlich einer Sicherung vor Überspannung zu schützen. Wenn sie kaputtgehe, werde automatisch eine Schnellabschaltung ausgelöst. Das Ablassen des Dampfes habe dazu gedient, die Wärme wegzubekommen, erklärte Joko.

Die defekte Diode sei durch eine andere ersetzt worden, die man an Lager gehabt habe. Diese sei zertifiziert, was belege, dass sie sicher sei. Insgesamt seien «wahrscheinlich zwei Dutzend» Mitarbeiter involviert gewesen, um den Schaden zu beheben, nachdem der Notfallstab aufgeboten worden sei. «Die fehlerhafte Diode wird nun untersucht», stellte Joho in Aussicht. Wie oft ein solches Teil kaputtgehe, konnte er nicht genau sagen, «aber wir haben im KKG seit über 20 Jahren keine Schnellabschaltung mehr zu verzeichnen gehabt.»

Ensi gab «grünes Licht»

Einer weiteren Mitteilung des KKG von gestern Morgen ist zu entnehmen, dass um 4.45 Uhr, also gut zehn Stunden nach der Schnellabschaltung, die Stromproduktion wieder aufgenommen worden sei. Dies, nachdem das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) grünes Licht gegeben habe. Das Inspektorat sei vonseiten der KKG-Verantwortlichen laut Medienmitteilung Ensi «umgehend nach dem Vorkommnis informiert worden». Das Ensi habe aber «nach 23 Uhr am Samstag» (Joho) bereits Entwarnung gegeben.

Der Vorfall wurde gemäss INES-Ereignisskala vorläufig «der Stufe Null» (Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung) zugeordnet. Das Ereignis werde, laut Ensi-Mitteilung, noch im Detail analysiert. Im Übrigen habe das Maduk-System (Messnetz zur automatischen Dosisleistungsüberwachung) in der Umgebung des KKG «keinen Anstieg der Radioaktivität festgestellt».

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