Kantonallager
Im kantonalen Pfadi-Lager wird die Nacht zum Tag gemacht

Feuershow, Taufe, Sonnenaufgang – eine Nacht mit den Aargauer Pfadis wird zum Tag. Zentrale Figur in der Dunkelheit ist ein feuerspuckender Drachen, der schon mehrmals zum Einsatz kam.

Manuel Bühlmann
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Der Drache auf der Burg der Pfadi St. Georg Aarau speit Feuer und heizt die Stimmung im Kala auf.

Der Drache auf der Burg der Pfadi St. Georg Aarau speit Feuer und heizt die Stimmung im Kala auf.

Timon Krebs

Der Drache speit Feuer. Immer wieder beleuchten die Flammen den Himmel über der Burg mitten im mittelalterlichen Dorf der Aargauer Pfadis. Der rot beleuchtete Drache gehört zur Feuershow der Aarauer Pfadi St. Georg.

Mehrmals während des zweiwöchigen Kantonallagers unterhielt sie Helfer und Pfadis nach dem Eindunkeln mit Feuerspucken und Fackeln.

Nächtlicher Ausflug in den Wald

Obwohl die Wölfli der Hochwacht Baden nur wenige hundert Meter neben der Aarauer Burg im Gemeinschaftszelt sitzen, haben sie keine Augen für den feuerspeienden Drachen. Sie lauschen aufmerksam einer Geschichte über einen Diamantendieb.

Die Wölfli seien noch auf, weil die frechsten unter ihnen zur Strafe auf die Suche nach Brennholz gehen müssten. So jedenfalls lautet die Erklärung der Leiter, warum die Sechs- bis Neunjährigen nach 22 Uhr noch nicht ins Zelt müssen.

Doch nicht alle scheinen ihnen zu trauen. «Wir müssen sicher nicht in der Nacht Holz sammeln, wir werden getauft», sagt einer der Buben. Je weiter es in den dunklen Wald geht, desto ruhiger wird die Gruppe.

In Dreierteams müssen sie den Kerzen entlang des Waldwegs folgen. Da scheinen auch die mutigsten Wölfli weiche Knie zu bekommen. Die Leiter müssen die eine oder andere bange Frage beantworten:

«Und was ist, wenn die Kerzen auslöschen?», will einer wissen. Doch alle machen sich mutig auf den Weg und werden am Ende mit ihrem eigenen Pfadi-Namen und Schoggicreme am Lagerfeuer belohnt. Davor mussten sie jedoch einen Schluck vom Tauftrank nehmen. Einem Gemisch unter anderem aus Fruchtsaft, Pfeffer, Zimt, Salatsauce. Das ist Teil des traditionellen Taufrituals.

Mit dem neuen Namen auf der Stirn hören die Wölfli zu, wie Leiter Oliver Humbel v/o Castro jedem Einzelnen die Geschichte erzählt, wieso er so getauft wurde: «Info, du heisst so, weil du alles weisst und immer alle informierst.»

Und Mix hat seinen Namen der guten Mischung aus Pausen und Vollgas zu verdanken. Bei anderen ist der Name selbsterklärend, etwa bei Quassli, der viel spricht. 17 Namen auf einmal zu finden, sei nicht einfach gewesen, sagt Castro. «Normalerweise sind es deutlich weniger.»

Die Schenke zum kühlen Krug

Nachdem die frisch getauften Wölfli in den Schlafsack geschlüpft sind, geht die Nacht weiter in der Lagerbeiz «Schenke zum kühlen Krug». Am Waldrand fernab des Lagerplatzes wurde für die Kala-Zeit eine Bar sowie eine Bühne aufgebaut.

Dort können die Helfer und Leiter bei Karaoke oder Livekonzerten ihre freien Abende geniessen. Doch auch nach der letzten Runde ist die Nacht im Pfadilager noch lange nicht fertig. Im Sicherheitscontainer brennt die ganze Nacht über Licht. 24 Stunden passt das Team auf, dass den Teilnehmern nichts passiert.

Eines der Unterdörfer wird nach 3.30 Uhr von Dutzenden Velolichtern beleuchtet. Die 14- bis 17-jährigen Pfadis bereiten sich auf den traditionellen «Scouting Sunrise» vor. Immer am Morgen des 1. August gehen Pfadis auf einen Ausflug, um an einem schönen Ort der Sonne beim Aufgehen zuzuschauen.

Dieser Brauch geht auf das erste Pfadilager 1907 in England zurück. Oberhalb von Wetzikon wartet nach dem Sonnenaufgang ein über dem Feuer zubereitetes Frühstück mit Speck und Rührei auf die Gruppe - mit Blick auf Lagergelände und Pfäffikersee.