Lärm im Aargau

Im Kampf gegen Lärm: unterwegs an einer Polizeikontrolle auf dem Benkerjoch

Lärm stört, zu viel macht krank. Wer an einer Hauptstrasse wohnt, weiss das. Bei sechs Kontrollen von Motorrädern legte die Polizei den Fokus auf die technische Sicherheit und den Lärm. Auf dem Benkerjoch war die AZ dabei.

Im Frühling, wenn die Temperaturen steigen, holen die Töfffahrer ihre Motorräder aus der Garage. Ganze Karawanen schlängeln sich an schönen Wochenenden über die kleinen Pässe bei uns im Mittelland und bald auch wieder in den Alpen. Im Aargau besonders beliebt sind Staffelegg, Boowald, Benkerjoch, Salhöhe, Bözberg, Böhler Passhöhe und weitere.

Wie jede Medaille hat aber auch das Motorradfahren zwei Seiten. Zum einen geht es um die Freude der Töfffahrer an ihrer Maschine, der Kameradschaft untereinander und der Fahrt durch schöne Landschaften. Auf der andern Seite stehen die Anwohnerinnen und Anwohner beliebter Töffstrecken, die bei Ausflugswetter mitunter enormen Lärm erdulden müssen.

So wählte die Kantonspolizei Aargau an einem schon leidlich warmen Frühlings-Wochenende das kurvenreiche Benkerjoch für eine technische Töffkontrolle aus. Lange können die Polizisten allerdings nicht am selben Ort sein. Denn schon nach kurzer Zeit sind weniger Motorräder unterwegs. Die Präsenz der Polizei macht via soziale Medien die Runde. Töfffahrer werden auch durch Handzeichen entgegenkommender Fahrer gewarnt.

Neun von zehn Töffs in Ordnung

Ein auf dem Benkerjoch herausgewinkter Töfflenker sagt denn auch lächelnd, er habe gewusst, dass er in eine Kontrolle fahre: «Aber mein Töff ist in Ordnung, ich habe nichts zu verbergen.» Überhaupt lässt sich kaum einer der Angehaltenen Ärger anmerken, weil er durch die Kontrolle Zeit verliert. Auch die Polizisten sind freundlich und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Bei 90 Prozent der kontrollierten Motorräder ist alles in Ordnung. Viel Zeit kosten telefonische und Computerabklärungen. Die werden nötig, wenn zum Beispiel jemand nur für eine Probefahrt unterwegs ist, und keinen Fahrzeugausweis dabei hat.

Einer fährt dreimal in Kontrolle

So herrscht keinerlei Hektik auf dem Parkplatz, auf dem Spezialisten der Kantonspolizei – auch von der Unfallgruppe – jeweils mehrere Motorräder gleichzeitig überprüfen. Die vier Kontrollierenden wissen sehr genau, was sie anschauen müssen. Einem Töfflenker haben es die Polizisten offenbar angetan – oder das Benkerjoch ist so schön. Er gerät am selben Nachmittag noch ein zweites und drittes Mal in die Kontrolle. Spätestens wenn er den Helm abzieht, erkennt ihn der Polizist. Beide lachen, der Töfffahrer raucht eine, fährt los – und ist eine halbe Stunde später schon wieder da.

Bei der Töff-Lautstärke gibt es grosse Unterschiede. Manche Motorräder surren fast, andere – darunter auch solche frisch ab Werk – dröhnen weithin. Ein Lenker räumt bei der Kontrolle ein, er geniere sich fast, durchs Quartier zu fahren. Er sei froh, wenn er ausserorts sei und keine verärgerten Blicke mehr im Nacken spüre. Elektrisch betriebene Töffs, die dieses Problem nicht haben, sind an diesem Nachmittag auf dem Benkerjoch nicht unterwegs.

Klappen per Knopfdruck auf

Ein Töff, der auf dem Benkerjoch angehalten wird, ist so eingerichtet, dass man während der Fahrt die Lärmklappen am Auspuff per Knopfdruck schliessen und wieder öffnen kann. So etwas hat selbst Urs Leibundgut, seit 30 Jahren Polizist und Einsatzleiter auf dem Benkerjoch, noch nicht gesehen. Dieser Fahrer kann also recht leise durchs Quartier fahren, und die Klappen öffnen, sobald er ausserorts ist. Daran beanstanden können die Polizisten nichts, die Anlage ist so erlaubt. Leibundgut: «Die Maschinen sind gut unterhalten. Sie erbringen eine sehr hohe Leistung, da mag es nichts leiden. Das wissen die Fahrerinnen und Fahrer. Auch die Pneus sind Anfang Saison überall in Ordnung. Die Besitzer wissen, dass ihr Leben vom guten Zustand ihrer Maschine abhängt.»

Plötzlich hört man, von der Aarauer Seite her kommend, auffallend lauten Motorenlärm. Auf dem Benkerjoch angekommen, wird der junge Töfffahrer herausgewinkt. Er ist mit einer Topausrüstung unterwegs. Gleichwohl gibt es mehrere Punkte zu bemängeln. Der Rückstrahler fehlt, ein Bremsgriff ist nicht in der Schweiz typengeprüft. Da ist zu klären, ob er damit fahren darf. Der Töff ist zwar schon zur Vorführung angemeldet, aber eben so noch nicht abgenommen. Der Rückspiegel ist gegen den Boden gedreht. Der nützt so nichts. Der Fahrer hat ihn abgedreht, weil er beim Fahren stört. Dafür gibts eine Ermahnung. Die Polizisten finden sofort die Ursache für den lauten Töff. Der Fahrer hat den «Dezibel-Killer», eine Art Lärmdämpfer, ausgebaut, hat ihn aber dabei. Das gibt eine Anzeige. Der Lenker ärgert sich über sich selbst: Es sei halt so einfach, das Gerät auszubauen, die Versuchung gross.

Schwarzwald: Bussen sind tiefer

Beim Warten schwärmt ein anderer Fahrer – es sind hier wirklich fast nur Männer unterwegs – vom Schwarzwald. Dies besonders der kurvenreichen Strassen und schönen Landschaft wegen. Und fügt an: «Wenn ich mal zu schnell bin, sind die Bussen der deutschen Polizei tiefer als hier.»

Insgesamt kommt es während der Kontrolle auf dem Benkerjoch zu drei Verzeigungen. Zweimal ist ein fehlender Rückspiegel hauptsächlicher Stein des Anstosses. Motorräder ab dem Jahrgang 2017 benötigen von Gesetzes wegen deren zwei. Wer nur mit einem fährt, wird verzeigt. Es empfiehlt sich also dringend, einen allenfalls abmontierten Zweitspiegel wieder anzuschrauben. Gegebenenfalls halt so, dass sich der Töfffahrer dadurch beim Fahren nicht behindert fühlt.

«Lärmblitzer»: Villnacher Firma bietet als erste ein Messgerät an

Es gibt Lärmgrenzwerte. Doch werden sie eingehalten, und wer überprüft das? Jetzt gibt es im Aargau ein neues Gerät, das Lärmkategorien unterscheidet und Lenker mahnt. Dieses Gerät kann Personenwagen und Motorräder, aber auch einen Bus von einem Lastwagen und zudem die entsprechende Lärmkategorie unterscheiden. Generalimporteur des aus Deutschland stammenden und dort auch bereits erprobten Geräts ist die auf Verkehrszählungen spezialisierte Firma Innolutions in Villnachern. So funktioniert das Lärm-Messgerät für den Strassenverkehr:

So funktioniert das Lärm-Messgerät für den Strassenverkehr

Marco Suter, Geschäftsführer von Innolutions, erklärt das System und was damit möglich ist.

  

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