Littering
Im Festival-Sommer droht dem Aargau die Müllflut

Tonnenweise Abfall bleibt nach einem Festival liegen. Wo gefeiert wird, bleibt der Müll zurück – 9 Tonnen betrugen in den letzten Jahren die Abfallberge nach dem Maienzug-Vorabend in Aarau. Wie halten es Aargauer Festivals mit der Entsorgung?

Bastian Heiniger
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Müllberge an Aargauer Festivals
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Maienzug-Vorabend: Die Werkhof-Arbeiter gelangen während des Fests nicht in die Altstadt. Der Abfall bleibt deshalb liegen bis zum Morgen.
Heitere: Am Open Air in Zofingen setzen die Veranstalter auf die Eigenverantwortung der Besucher.
Argovia-Fäscht: Nach dem Fest entbrannte zwischen den Organisatoren und der Gemeinde ein Streit um die Entsorgung des Abfalls.

Müllberge an Aargauer Festivals

Céline Arnold

An Festivals wird getrunken, gefeiert und Abfall produziert. Wer nach durchgemachter Nacht das Gelände verlässt, mit Alkohol im Blut und Piepsen im Ohr, der denkt kaum noch an eine fachgerechte Entsorgung seiner Festivalutensilien. Zurück bleibt ein Schlachtfeld: Becher, Flaschen, Teller, Einweggrills, Campingstühle, Zelte.

Jemand wird es schon aufräumen, dürften sich auch jene Besucher des Argovia-Fäschts gedacht haben, die den Weg zum Festivalgelände zumüllten.

Obwohl der Veranstalter am Sonntagmorgen erste Aufräum-Trupps losschickte, startete die Gemeinde Mülligen eine eigene Aufräumaktion. Doch das Argovia-Fäscht war nur ein Vorbote der kommenden Feste und Open Airs. Wie handhaben es andere Veranstalter? Wird der Aargau in den Sommermonaten von Abfall überschwemmt?

Bilder von vergangenen Festivals lassen nichts Gutes vermuten. Beim «Touch the Air»-Festival in Wohlen, das am Donnerstag startet, heisst es, man habe das Abfallproblem nun im Griff.

Mehr noch: «Wir sind eines der saubersten Feste», sagt Ennie Bertelli, die Medienverantwortliche. Wie ist das möglich? Noch vor wenigen Jahren hinterliessen die Besucher ein verwüstetes Gelände.

Mit Pfand zum Erfolg

Dass sich das Abfallproblem am «Touch the Air» gebessert habe, sagt auch Peter Eberhart, Leiter Umwelt und Energie Wohlen. Die Gemeinde habe den Veranstaltern letztes Jahr eine restriktive Bewilligung mit einem Abfallkonzept erteilt. Das half. «Wir mussten nachher nicht selber noch aufräumen», sagt Eberhart.

Ärgerlich seien früher die vielen liegengebliebenen Einwegzelte gewesen. Die Organisatoren lösen dieses Problem nun mit einem Depotsystem: Auf jedem Becher besteht ein Pfand von zwei Franken.

Und wer ein Zelt ins Gelände nimmt, bezahlt dafür zehn Franken. Diese erhält man zurück, sofern das Zelt wieder mitgenommen wird.

Und bleibt es liegen, bleibt zumindest Geld übrig für die Entsorgung. Die Organisatoren trafen jedoch noch eine zweite Massnahme: Neu wird auf dem Festivalgelände temporär eine Denner-Filiale eingerichtet. «Vorher gingen viele Besucher zum Denner ins Dorf», sagt «Touch the Air»-Sprecherin Bertelli. Da sei immer viel Abfall liegen geblieben.

Abfall soll am Boden bleiben

Kurz nach dem Open-Air in Wohlen steigt in Aarau der berühmte Maienzug-Vorabend. Dort, wo Tausende in den engen Gassen feiern werden, lässt sich das Abfallproblem nicht so einfach lösen wie auf einem Festivalgelände.

Zwar würden zusätzliche Kübel aufgestellt, sagt Regina Jäggi, Stadträtin und Präsidentin der Maienzug-Kommission, schränkt aber ein: «Die Werkhof-Arbeiter können während des Fests die Kübel nicht leeren – sie gelangen mit ihren Fahrzeugen nicht in die überfüllte Altstadt.»

So gibt es nur eine Lösung: Der Abfall bleibt am Boden. Zumindest bis in die frühen Morgenstunden.

Viel Zeit für die Reinigung bleibt nicht: «Um acht Uhr morgens muss die Stadt wieder picobello sein», sagt Jäggi. Die 37 Werkhof-Arbeiter und freiwillige Helfer werden für saubere Strassen am Maienzug sorgen.

Ein anderes Abfallkonzept verfolgen die Organisatoren des Heitere Open Air in Zofingen. Sie setzen auf die Eigenverantwortung der Besucher. Und hatten bisher Erfolg. «Erstaunlich viele halten sich an unsere Vorgaben», sagt Christoph Bill, Gesamtleiter.

«Wir wollen den Besuchern die grösstmögliche Freiheit bieten.» Diese dürfen alles Mögliche auf den Zeltplatz mitbringen.

Verteilt auf dem Gelände befinden sich dann Sammelstellen. Ein eigenes Abfallteam spricht mit den Besuchern und erklärt, wie und wo sie ihren Abfall entsorgen können. Ein anderes Team sorgt zudem ausserhalb des Geländes für Ordnung. Insgesamt belaufen sich die Kosten für die Entsorgung im höheren fünfstelligen Bereich.

Kaum Probleme bereitet der Abfall am Schupfart Festival. «Ende September zelten nicht mehr viele Besucher», sagt Doris Müller vom Organisationskomitee. Damit das Gelände sauber bleibt, seien stets acht Leute im Einsatz. Und nach dem Festival gingen sie fötzeln, in der gesamten Gemeinde.