Grossratswahlen Aargau

Im Bezirk Zofingen möchten viele die stark gefährdete EDU beerben

Welche Partei holt sich den Sitz vom abtretenden Martin Lerch?

Welche Partei holt sich den Sitz vom abtretenden Martin Lerch?

FDP, GLP und Grüne könnten mit Mandatsgewinn profitieren. Bei SVP und SP steht die Besitzstandswahrung im Vordergrund.

«Mit Zuversicht und Gottvertrauen ­voran.» Das steht an der Spitze des Mitteilungsblattes der Eidgenössisch- Demokratischen Union (EDU). Sie ist bekannt für ihr Nein zur Abtreibung und ihr Ja zum Verhüllungsverbot. Im Aargauer Kantonsparlament hat die EDU zwei Sitze. Dass sie überhaupt im Grossen Rat ist, verdankt sie dem Wynentaler Rolf Haller (50): Er ist der Einzige, der 2016 die 5-Prozent-Hürde schaffte.

Das wird ihm auch im Oktober wieder zugetraut, hat er sich doch in letzter Zeit in der Frage der Unterkulmer WSB-Eingentrassierung profiliert. Etwas schwieriger ist die Ausgangslage beim zweiten EDU-Sitz im Bezirk Zofingen. Sie tritt ohne den Bisherigen- Bonus an. Martin Lerch (68, Rothrist) tritt nach 12 Jahren nicht wieder an. Spitzenkandidatin auf der EDU-Liste ist Tabea Lüthi aus Oftringen. Die Partei hat es nicht geschafft, 15 Kandidaten (so viele Sitze hat der Bezirk Zofingen) zu finden. Auf der Liste sind nur 7.

Bei der SP fehlt eine Bisherige, bei der SVP fehlen zwei Zugpferde

Wer könnte die EDU im Herbst allenfalls beerben? Das ist im Bezirk Zofingen noch grösseres Kaffeesatzlesen als andernorts. Neben der Qualität der Kandidaten spielen bei Grossratswahlen auch Themen eine wichtige Rolle: Wer profitiert von Corona? Ist die Klimafrage schon vergessen oder hilft sie den Ökoparteien?

Die Ausgangslage: Die SP muss den 2016 gewonnenen dritten Sitz verteidigen – ohne die Bisherige Viviane Hösli (36, Zofingen). Ihre Liste hat Potenzial, gespannt ist man zum Beispiel auf das Abschneiden von SP-Kantonalsekretär Sascha Antenen (30, Zofingen).

Die SVP-Liste ist nach ­Karrieresprüngen (Wahl in den Nationalrat) von Benjamin Giezendanner (Rothrist) und Martina Bircher (Aarburg) nicht mehr so prominent besetzt wie 2016. Eine Verteidigung der fünf Sitze ist doch wahrscheinlich. Sehr offen ist, wer Nachfolgerin der nicht mehr antretenden Regina Lehmann (64, Reitnau) wird. Ob der Name Giezendanner auch dem zweiten Sohn Stefan (42, Zofingen) hilft?

Herbert H. Scholl (FDP) und Renata Siegrist (GLP) verzichten

Die Freisinnigen hoffen seit einer gefühlten Ewigkeit auf einen dritten Sitz: Weil Herbert H. Scholl (72, Zofingen) nach 39 Jahren nicht mehr antritt, ist Sabina Freiermuth (56, Zofingen) bei der FDP die einzige Bisherige. In der Poleposition für die Scholl-Nachfolge ist der ehemalige EVP-Grossrat Martin Bhend (52, Oftringen). Nicht zu unterschätzen ist ausserdem der Aarburger Gemeinderat Fredy Nater (59). Er könnte der Profiteur sein, sollte die FDP das dritte Mandat schaffen.

Grüne und Grünliberale waren 2016 punkto Wählerstärke etwa gleichauf. Die Grünen dürften davon profitieren, dass Daniel Hölzle (39, Zofingen) zuletzt an Profil gewonnen hat. Helfen könnte die Regierungsratskandidatur von Christiane Guyer (57, Stadträtin Zofingen). Die GLP muss ohne ihre Bisherige Renata Siegrist (61, Zofingen) auskommen. Ihr Spitzenkandidat ist der Zofinger Stadtrat Dominik Gresch.

Auf der Liste der CVP tritt der parteilose Zofinger Stadtammann Hans- Ruedi Hottiger wieder an. Eine Wiederwahl scheint bei ihm ebenso gesichert wie diejenige von Urs Plüss (50, Zofingen) bei der EVP. (uhg)

Meistgesehen

Artboard 1