Frick/Brugg
Im alten den neuen Bözbergtunnel vorgestellt, den es für die Neat braucht

Der Bözbergtunnel muss komplett neu gebaut werden. Das hat grosse Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Auf einer Extrafahrt informierte die SBB 500 Personen über den Ausbau der Gotthard- und Bözberglinie.

Nadine Böni
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Der 140-jährige Bözbergtunnel ist für neue Güterzüge zu wenig hoch. Für 350 Millionen Franken wird ein neuer Tunnel gebaut. archiv/wal

Der 140-jährige Bözbergtunnel ist für neue Güterzüge zu wenig hoch. Für 350 Millionen Franken wird ein neuer Tunnel gebaut. archiv/wal

Walter Schwager

Peter Jedelhauser war ein gefragter Mann am Samstag in Frick. An 17 000 Haushalte hatten die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) Einladungen verschickt.

Gegen 500 Personen aus der Region um Brugg und Frick kamen und liessen sich vom Gesamtleiter der Projektorganisation Nord-Süd-Achse Gotthard über die umfangreichen Pläne informieren. Der Bau eines neuen Bözbergtunnels hat auch grosse Auswirkungen auf den hiesigen Bahnverkehr.

Drei Minuten, vier Meter

Die Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene sei ein Hauptziel der schweizerischen Verkehrspolitik, erklärte Jedelhauser. Zu den Massnahmen, um das Ziel zu erreichen, gehören einerseits die Verkürzung der Zugfolgezeit für Güterzüge von vier auf drei Minuten, auch auf der Bözberglinie.

So sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass 2020 die Güterzüge aufgeteilt – in zwei Bündel von je drei Zügen – im Abstand von drei Minuten durch den Gotthard-Basistunnel fahren können.

Andererseits wollen die SBB auf den gesamten Zulaufstrecken der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) einen 4-Meter-Korridor einrichten. Das heisst: Ab 2020 sollen alle europaweit gängigen Container transportiert werden können – auch Sattelauflieger mit vier Metern Eckhöhe. Dazu ist der Umbau verschiedener Tunnels nötig, auch Perrondächer müssen angepasst werden.

Bözbergtunnel völlig neu bauen

Bei der Einfahrt zum Bözbergtunnel lenkte Hugo Inglin die Aufmerksamkeit der Mitfahrenden auf die Böschung hinter dem Effinger Bahnhof. «Dort soll das Portal zum neuen Bözbergtunnel gebaut werden», sagte der Leiter Zulaufprojekte der Nord-Süd-Achse Gotthard. Den neuen Tunnel bezeichnete Inglin als «Herzstück des Projekts 4-Meter-Korridor». Er ist mit Kosten in der Höhe von 350 Millionen Franken der mit Abstand grösste Brocken im 940 Millionen Franken teuren Projekt für den Ausbau der Nord-Süd-Verbindung.

Im Gegensatz zum nahen Villnachern-Tunnel – dessen Tunnelsohle abgesenkt werden kann – müsse der Bözbergtunnel komplett neu gebaut werden, erklärte Inglin. Er sei mit 2,5 Kilometern zu lang und mit rund 140 Jahren zu alt für einen Ausbau unter Verkehr. Die Behinderungen für Personen- und Güterzüge wären viel zu gross. Auf drei Extrafahrten von Frick nach Brugg und wieder zurück konnte sich die Bevölkerung die Projekte im Detail erklären lassen. «Die Strecke bietet eine gute Gelegenheit dazu», sagte Hugo Inglin über Lautsprecher und verwies auf einige Signalanlagen an der Strecke, die verschoben werden müssten.

«Die Zugfolgezeit lässt sich ohne riesige bauliche Massnahmen verkürzen», so Inglin. Es reiche, die Signalanlagen so aufzuteilen, dass die Züge flüssig fahren könnten sowie vereinzelt Weichen und Gleise zu verlegen. Zeitgleich würden Verbesserungen der Bausubstanz im Stellwerkbereich und an der Fahrbahn durchgeführt. Auf den Personenverkehr der SBB sollten die Arbeiten keinen Einfluss haben, versprach Inglin. Die Kosten für die Verkürzung der Zugfolgezeiten auf der Bözberglinie betragen 85 Millionen Franken.

Viele Fragen, einige Sorgen

Zurück am Bahnhof in Frick blieb den Mitfahrenden Zeit für Fragen an die bereitstehenden Fachpersonen der SBB. «Wir suchen den Kontakt mit der Bevölkerung, um deren Anliegen kennenzulernen und dem Vorwurf vorzubeugen, dass wir etwas unter den Teppich kehren wollen», sagt Peter Jedelhauser. Aus den Fragen der Bevölkerung sind einige Bedenken und Sorgen herauszuhören. Etwa, ob mit der verkürzten Zugfolgezeit nicht die Lärmbelastung erhöht werde. Oder ob der Personenverkehr neben den Güterzügen nicht zu kurz komme.

Ab 2020 ruhigere Güterzüge

Projektleiter Jedelhauser sagt zum Lärm, dass ab 2020 nur noch lärmsanierte Güterwagen die Schweiz passieren dürften. Ausserdem sorge die «grüne Welle» mit den neuen Signalanlagen dafür, dass die Züge weniger bremsen und wieder anfahren müssten. «Das verringert den Lärm», so Jedelhauser. Auch bezüglich der Prioritäten, was Personen- oder Güterverkehr angeht, verweist er auf die kürzere Zugfolgezeit: «Diese Harmonisierung gibt die Möglichkeit, den Regionalverkehr so weiterzuführen, wie er heute ist.»