Wie auch immer sie im Staatskundetest abgeschnitten haben mögen, letztes Jahr wurden im Aargau 2566 Personen eingebürgert. Die Einbürgerungsstatistik wurde gemäss 2014 gültigem Bürgerrechtsgesetz vor einem Jahr zum ersten Mal publiziert, daher ist ein Vergleich bedingt aussagekräftig.

Auf den ersten Blick scheint die Entwicklung enorm: 2014 hatten 1445 Personen das Bürgerrecht erhalten, 2015 war demnach eine Zunahme um 78 Prozent zu verzeichnen. Die Zahl bezieht sich allerdings auf die von den Gemeinden an den Kanton weitergeleiteten und abschliessend behandelten Dossiers. Sie ist nicht gleichbedeutend mit der Entwicklung der Einbürgerungsgesuche, die eingereicht werden: 2015 wurden von den Gemeinden 1361 Einbürgerungsgesuche für 2026 Personen an den Kanton weitergeleitet, im Jahr zuvor waren es 1196 Gesuche für 1768 Personen, die Zunahme liegt hier also «nur» bei 15 Prozent.

Was meinen Sie dazu?

Nur 9 Gesuche abgewiesen

Das Einbürgerungsverfahren ist mehrstufig:

Die Kandidaten bewerben sich in ihrer Wohngemeinde um das Bürgerrecht, sie haben zum umstrittenen Online-Test der staatsbürgerlichen und sprachlichen Kenntnisse anzutreten (az von gestern und vorgestern) und in einem Einbürgerungsgespräch vorzusprechen.

Nach einem positiven Einbürgerungsentscheid der Gemeindeversammlung geht das Dossier zum Departement Volkswirtschaft und Inneres, dann zur Prüfung an das Staatssekretariat für Migration in Bern und wieder zurück zum Kanton.

Hier entscheidet die Einbürgerungskommission des Grossen Rats oder in seltenen Fällen das Ratsplenum über die Erteilung des Kantonsbürgerrechts.

Das Verfahren auf Kantonsebene dauert (inklusive Einholen der Einbürgerungsbewilligung des Bundes) rund 8 bis 12 Monate. Im letzten Jahr wurden beim Kanton die Einbürgerungsgesuche von 9 Personen abgewiesen, die Zahl der umgestossenen Gemeindeentscheide bewegt sich also im Promillebereich. Aktuell (Ende 2015) sind beim Kanton 1369 Einbürgerungsgesuche für 2355 Personen hängig.

Aus 76 Herkunftsländern

Die Personen, die im Aargau eine neue Heimat finden, stammen aus aller Herren Ländern. Letztes Jahr wurden 2566 Personen aus nicht weniger als 76 Herkunftsstaaten eingebürgert. Unter den neuen Aargauer Bürgern befinden sich zum Beispiel gebürtige Armenier (1), Australier (2), Chinesen (11), Isländer (2) Kongolesen (1), Neuseeländer (2), Philippinos (3), Ukrainer (6) und Vietnamesen (2). An der Spitze wechseln sich die Einbürgerungskandidaten aus Deutschland, Kosovo und Italien ab (vgl. Tabelle). Letztes Jahr waren die meisten Eingebürgerten gebürtige Deutsche, im Jahr zuvor erhielten mehr Zugewanderte aus Kosovo den roten Pass. Derzeit sind wieder mehr Gesuche von Kosovaren hängig (417), gefolgt von Anwärtern aus Deutschland (342) und Italien (284).

Wie viel wissen Sie über die Schweiz? Testen Sie sich selbst.