Luchskonzept
«Im Aargau wird man den Luchs nie regulieren müssen»

Im Aargau bewegen sich je nach Jahreszeit ständig ein bis drei Luchse. Die Regierung will vorsorgliche Kompetenz. Doch Pro Natura meint: Es besteht kein Handlungsbedarf.

Mathias Küng
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Ein nächtlicherweise unlängst von einer Fotofalle in Erlinsbach erfasster Luchs.

Ein nächtlicherweise unlängst von einer Fotofalle in Erlinsbach erfasster Luchs.

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Noch bis Freitag läuft die Vernehmlassung über das künftige Wolf- und Luchskonzept des Bundes. Darin wird der Schutz dieser beiden Grossraubtiere etwas gelockert.

Bisher wurde im Aargau noch kein Wolf nachgewiesen, doch bewegen sich hier je nach Jahreszeit bereits ständig ein bis drei Luchse. Erwartet wird, dass deren Zahl noch zunimmt. Deshalb beteiligt sich auch die Aargauer Regierung an der Vernehmlassung.

«Rein vorsorglicher Antrag»

Laut neuem Luchskonzept sollen schadenstiftende Luchse unter strengen Auflagen in der Zeit ab Mitte Januar bis Ende Februar abgeschossen werden können. Die Aargauer Regierung deponiert dazu ein zusätzliches Anliegen. Regulationsabschüsse müssten bereits im Herbst möglich sein, wenn man die Jungtiere aufgrund ihrer Grösse noch gut von den ausgewachsenen Luchsen unterscheiden kann.

Der Fachspezialist Jagd beim Kanton, Erwin Osterwalder, betont gegenüber der az, das sei ein rein vorsorglicher Antrag für den Fall, dass der Luchs dereinst ein Problem werden könnte. Dann müsste man entsprechend handeln können. «Heute», so Osterwalder, «ist der Luchs mit seinem kleinen Bestand im Aargau in keiner Weise ein Problem, wir wollen nicht Luchse jagen.»

Sorge um Gämsen

Warum dann der Antrag, wo befürchtet die Regierung mögliche grosse Schäden? Sie sorgt sich um die mit 400 Tieren relativ kleinen Gämsbestände im Kanton. Diese seien in der Aufbauphase «und deshalb verletzlich bei gleichzeitig hohen Rehbeständen».

Es müsse möglich sein, bei einer starken Abnahme des Gämsbestands, bei dem man belegen kann, dass er durch den Luchs verursacht wurde, unter strengen Auflagen in den Luchsbestand eingreifen zu können.

Laut Osterwalder erholen sich dezimierte Gämsbestände nämlich weniger rasch als Rehbestände. Auch deshalb wolle man sich diese Regulierungsmöglichkeit (die auch in einer Luchsumsiedlung bestehen kann) rechtzeitig sichern. Übrigens wurden in den letzten Jahren im Aargau keine Luchsrisse an Nutztieren gemeldet. Ein kürzlicher Verdachtsfall stellte sich laut Erwin Osterwalder als Hunderiss heraus.

Rainer Klöti, Präsident des Aargauischen Jagdschutzvereins, stellt sich hinter die Stellungnahme des Kantons und betont, man begrüsse, dass der Luchs den Anschluss an die Kulturgesellschaft wiederfindet.

Allerdings müsse dieser den Weg hierher selbst finden. Um die Aargauer Gämsen vorab am Geissberg und an der Wasserfluh sorgt er sich aber weniger als die Regierung. Auch er sieht heute beim Luchs keinerlei Handlungsbedarf, findet aber, grundsätzlich müsse man alle wild lebenden Populationen regulieren können. Klöti: «Die Natur schafft das in unserer Kulturlandschaft nicht mehr ausreichend selbst.»

Jenny: «Angst vor dem Hund»

Im Aargau und im Mittelland überhaupt sei die Problemstellung eine andere als in den Alpen, sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau.

Erstens stünden die Aargauer Jäger den Grossraubtieren relativ gelassen gegenüber. Zweitens weiden hier keine freilaufenden Schafe. Jenny: «Wir haben keine Angst vor dem Wolf, sondern vor dem Hund. Der ist sowohl für Wildtiere wie für unsere Ziegen im Wald das viel grössere Problem!»

Dass die Regierung, wenn dereinst ein Problem mit Luchsen auftauchen sollte, regulierend eingreifen können will, sei reine Theorie. Jenny: «Die Situation, in der man hier den Luchs regulieren muss, wird nicht eintreten. Zudem freuen sich unsere Jäger über ihn, sie schiessen nicht auf ihn.»