Katzen
Im Aargau werden jährlich bis 1500 verwilderte Katzen kastriert

Im Aargau werden rund 1200 bis 1500 Katzen pro Jahr kastriert - Katzen, die kein zu Hause haben. Der Aargauer Tierschutzverein investiert mit der Katzen-Kastrationsgruppe rund 600 Stunden in diese Arbeit und ziemlich viel Geld.

Christine Fürst
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Astrid Becker, Präsidentin des Aargauer Tierschutzvereins

Astrid Becker, Präsidentin des Aargauer Tierschutzvereins

Walter Schwager

Die runden Kulleraugen, der Schmusekurs und das wilde Geschnurre reichen meist aus, damit eine Katze das Herz ihres Ausgewählten im Sturm erobern kann. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Katzen sehr beliebte Haustiere sind.

Dass aber nicht alle Katzen ein zu Hause haben, geht oft vergessen. Viele leben frei in den Wäldern, sind wild, scheu und können kaum gezähmt werden. Auch auf Bauernhöfen leben Katzen, die nicht gefüttert werden - und die auch oft nicht kastriert sind. Der Schweizer Tierschutz hat im vergangenen Jahr deshalb rund 11'000 Katzen kastrieren müssen, ein Zehntel davon im Aargau, wie Radio Argovia berichtete.

Um gegen die unkontrollierte Vermehrung vorzugehen, hat der Aargauer Tierschutzverein (ATS) verschiedene Projekte ins Leben gerufen.

Hohe Kastrations-Kosten

2008 gründete Astrid Becker, ATS-Präsidentin, die Katzen-Kastrationsgruppe. Bekommt der ATS eine Meldung über vernachlässigte, verwilderte oder zurückgelassene Katzen, wird diese Gruppe - bestehend aus vier Personen - aktiv. Zuerst schaut sich Astrid Becker den Fall vor Ort an und entscheidet, welche Hilfe sie braucht. Zu zweit gehen sie nachher die Katzen einfangen. «Es gab auch schon Fälle, da mussten wir mehrere Male hinfahren, weil wir so viele Katzen vorfanden», sagt Becker.

Was Sie wissen müssen:

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Unter 0900 98 00 20 (CHF 1.20/Min. zugunsten Tierschutzarbeit ATs) können Fälle gemeldet werden.

Die Katzen werden zu einem Tierarzt in der Nähe gebracht und dort kastriert. Für ein Weibchen fallen dabei Kosten in der Höhe von rund 170 bis 220 Franken an, für einen Kater 70 bis 90 Franken. Dazu kommen noch andere Behandlungen wie entwurmen, Parasitenbehandlungen und Leukosetests. Der Tierschutzverein finanziert diese Ausgaben durch Spenden und Sponsoren.

Daneben führt der ATS bereits seit 17 Jahren Kastrationen für Bauernhofkatzen durch, an diesen Kosten beteiligen sich auch die Tierärzte.

Viel Geld für ein aufwändiges Projekt

28'000 Franken gab der ATS im letzten Jahr für die Kastration von Bauernhofkatzen aus, dazu kamen rund 30'000 Franken für die Kastration eingefangener, herrenloser Katzen. Im letzten Jahr rückte die Katzengruppe zu 174 Einsätzen aus, fing 851 Katzen ein, wovon 610 kastriert wurden. Katzen, die nicht ins Tierheim gegeben werden können, weil sie zu scheu und zu wild sind, werden danach wieder freigelassen. Doch: «Wir organisieren immer, dass die Katzen irgendwo Futter bekommen», sagt Becker.

Mit der Kastration hat Astrid Becker einiges zu tun: Im letzten Jahr legte sie dafür 14'000 Kilometer zurück, tätigte 600 Telefone und setzte rund 600 Stunden ein. «Wir kastrieren pro Jahr 1200 bis 1500 Katzen. Das ist sehr viel und dahinter verbirgt sich harte Arbeit», sagt die Tierschützerin.

Doch schaut sie auf die Statistik des laufenden Jahres, wird sie still: Kaum die Jahreshälfte überschritten, haben sie schon mehr Fälle als im letzten Jahr zur selben Zeit, genau 108 Fälle, bearbeitet und viele Katzenbabys ins Tierheim gebracht.

Das Elend beseitigen

Doch noch immer werden Katzen auf Bauernhöfen nicht kastriert, sondern getötet. Für Astrid Becker unbegreiflich: «Wenn eine Katze kastriert werden kann gibt es keinen Grund, sie zu töten. Wir leben in einer Zeit, in der wir das wissen sollten. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man Katzenbabys töten kann.» Bei ihren Einsätzen hat Astrid Becker schon viel erlebt: «Es ist schlimm, wenn man in ein Industriequartier gerufen wird und zuerst über tote Katzenbabys stolpern muss, um noch lebende Kätzchen zu suchen.»

Genau dieses Elend hat sie dazu bewogen, die Katzen-Kastrationsgruppe ins Leben zu rufen. Denn die Katzen liegen ihr am Herzen. Und sie hofft, dass sie in einigen Jahren zu weniger Einsätzen gerufen werden muss.

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