Und dafür gibt es einen logischen Grund: Wie Claudine Bajo vom Amt für Verbraucherschutz im Informationsbulletin «Umwelt Aargau» schreibt, können Radionuklide in der Luft über grosse Distanzen verfrachtet werden. Dabei spielt vor allem die Regenintensität eine Rolle. So hat es nach Tschernobyl vor allem im Tessin viel geregnet und es konnte eine überdurchschnittliche Belastung mit Radionukliden beobachtet werden.

Doch wie Bajo aufführt, war nicht nur das Tessin betroffen. Auch im Mittelland gab es sogenannte Hotspots zu verzeichnen. Orte, an denen es stark geregnet hatte, während die Radionuklide in den Wolken über dem Mittelland weilten. Dort haben sich auch mehr Radionuklide abgelagert.

Hotspots im Aargau

Dass gerade Wildpilze davon betroffen sind, habe auch einen Grund: Im Wald bleibt die radioaktive Belastung im Boden länger bestehen, während in landwirtschaftlich genutzten Böden durch Pflügen und Ackerbau die betroffenen Bodenteile umgeschichtet werden. «Nicht nur Wildpilze, sondern auch andere in diesem Lebensraum wachsende Lebewesen wie Heidelbeeren oder Wildschweine sind gegenüber kultiviertem Obst oder Fleisch von Zuchttieren stärker mit Radionukliden belastet», schreibt Bajo.

22 von 23 Proben positiv

Das Amt für Verbraucherschutz kontrolliert jährlich das Sammelgut von zwei Pilzkontrolleurinnen auf radioaktive Nuklide. Für Pilze sind vor allem die Caesium-Isotope 134Cs und 137Cs relevant. In 22 der 23 Proben vom Jahr 2011 konnten diese nachgewiesen werden. Die Pilze stammten aus den Dörfern Siglistorf, Ehrendingen und Jonen. Die drei höchsten 137Cs-Werte wurden alle Pilzen aus in Siglistorf gemessen, die Halbwertszeit dieses Caesium-Isotops beträgt 30,2 Jahre.

«Die Grenzwerte wurden in allen Proben eingehalten», sagt Bajo. Und: «Überall kann man Caesium-haltige Wildpilze finden. Es gibt jedoch Gattungen die viele stärker belastet sind als andere», sagt Claudine Bajo vom Amt für Verbraucherschutz (AVS).

Fukushima hat keinen Einfluss

Die Nähe zu Kernkraftwerken hat jedoch keinen Einfluss auf die Konzentration von Radionukliden in Wildpilzen, bestätigt Bajo. Auch der Atomunfall in Fukushima im Jahr 2011 spiele dabei keine Rolle. So steht im Jahresbericht 2011 des Bundesamtes für Gesundheit zur Umweltradioaktivität und Strahlendosen in der Schweiz: «Zum Unfall in Fukushima können wird festhalten, dass die in der Schweiz als Folge des Unfalles gemessenen Konzentrationen von radioaktiven Stoffen 1000 bis 10‘000 mal tiefer waren, als die entsprechenden Konzentrationen welche 1986 nach Tschernobyl gemessen wurden.»

Pilze können trotzdem verzehrt werden

Die mit Caesium-Radionukliden belasteten Wildpilze können laut Claudine Bajo unbedenklich verzehrt werden. «Diese Konzentrationen sind auch für Personen, die oft Pilze essen, nicht von Bedeutung», sagt sie.

Im Bericht wird jedoch darauf hingewiesen, dass Pilze ausser Caesium auch Schwermetalle wie Cadmium oder Quecksilber anreichern können und deshalb rate die Deutsche Gesellschaft für Ernährung davon ab, mehr als 250 Gramm Wildpilze in der Woche und pro Person zu essen. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung gibt laut Medienstelle keinen Ratschlag ab. (cfü)