Traditionelles Treffen

Im Aargau sind die Microcars los – mit einem Freiämter Star unter den «Knutschkugeln»

Der Hägglinger René Saxer ist am traditionellen Treffen der Microcars am GP Mutschellen mit dem als Unikat gebauten «Geissmann» vorgefahren.

Von den Messerschmitt waren knapp drei Dutzend da, das Typenschild von BMW sah man auf Isettas und anderen Kleinwagen-Modellen fast noch öfter, Heinkel war ebenfalls gut vertreten und auch Goggomobils gabs einige. Am traditionellen Microcar-Treffen vom Wochenende in Wohlen, konnten jedoch auch zahlreiche Exoten bestaunt werden.

So etwa die Mopetta von Alexander Sasha Goryunov. Der Zahnarzt ist aus Israel ans Treffen im Freiamt gereist und durfte damit wohl den weitesten Anfahrtsweg für sich verbuchen.

Auch am GP Mutschellen waren die «Knutschkugeln» zu bewundern:

Microcars und GP-Oldtimer erobern Mutschellen

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Nicht nur die Rennwagen des GP Mutschellen lassen die Herzen der Oldtimer-Fans höher schlagen. Im Freiamt treffen sich auch legendäre Kleinwagen.

Der Kleinwagen aus Dottikon

Deutlich kürzer war der Weg ans 11. Microcar-Treffen für René Saxer. Der Hägglinger Holzbauer ist mit dem «Geissmann» vorgefahren – einem Unikat, das vor 68 Jahren im Freiamt erstmals in Verkehr gesetzt worden ist.

Gebaut hat es der Dottiker Hans Geissmann. Im Gegensatz zu seinen beiden Brüdern, die – damals noch an der Hägglingerstrasse – die heute noch existierende Garage Geissmann betrieben, war er nicht in der Branche tätig. Hans Geissmann war Ingenieur in der «Pulveri», der Dottiker Sprengstoff-Fabrik, die heute ES Dottikon heisst.

René Saxer in seinem vor 68 Jahren in Dottikon gebauten «Geissmann».

René Saxer in seinem vor 68 Jahren in Dottikon gebauten «Geissmann».

Er baute das kleine Gefährt von Grund auf selber. Die Achsen, der Rohrrahmen und das Steuerrad sind Konstruktionen von ihm, auch die Bleche für das Chassis hat er eigenhändig gehämmert. Das 350-ccm-Motörchen mit Jahrgang 1927 (!) stammt von einer J.A.P., einst eine legendäre englische Motorradmarke, als Räder hat Geissmann solche vom italienischen Lambretta-Roller verwendet.

Zufallsfund im Kohlenkeller

René Saxers Holzbau-Unternehmen hat vor knapp 20 Jahren den Auftrag bekommen, das Haus des mittlerweile verstorbenen Autobauers zu räumen: «Im Kohlenkeller, unter viel Abfall, haben wir das Auto gefunden. Es war in Einzelteile zerlegt, die in Harassen und Kartoffelsäcken lagerten», blickt Saxer zurück.

Sein Sohn Roger habe dann nach ein paar Jahren damit begonnen, den Mini wieder aufzubauen, und abermals kam der Zufall zu Hilfe: «Ein Pensionierter, der das Auto noch in Betrieb gesehen hat, hat sich darum gekümmert und zusammen haben wir den ‹Geissmann› in jahrelanger Arbeit restaurieren können.»

Stützen konnten sich die Restauratoren dabei auf eine ebenfalls im Kohlenkeller gefundene Dokumentation von Hans Geissmann. Der Konstrukteur hat den Bau seines Mini-Autos damals Schritt für Schritt mit Skizzen und Schwarzweissfotos festgehalten.

Das rote «Geissmann»-Cabriolet ist übrigens 2,6 Meter lang, 1,1 Meter breit, wiegt (ohne Fahrer) 390 Kilo und ist rund 57 km/h schnell.

Bilder im Dottiker Ortsmuseum

Ebenfalls der Zufall kam René Saxer bei der Verkehrszulassung zu Hilfe: «Es gab weder auf dem Strassenverkehrsamt in Schafisheim noch bei der zuständigen Stelle in Bern irgendwelche Unterlagen über das Auto. Im Dottiker Ortsmuseum hängen aber alte Fotos vom ‹Geissmann› mit einem Nummernschild.

Darauf gestützt sind dann beim Strassenverkehrsamt die damaligen Unterlagen gefunden worden und wir konnten das Auto 2009 schliesslich erfolgreich vorführen und zulassen», erklärt René Saxer.

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