Berufsschulen
Im Aargau muss wohl mindestens eine Berufsschule schliessen

Die Regierung präsentiert drei Varianten für eine bessere Auslastung der Berufsfachschulen und die Bildung von beruflichen Kompetenzzentren. Je nach Variante drohen Schliessungen in Brugg, Wohlen oder Rheinfelden.

Hans Fahrländer
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Die Berufsfachschulen sollen gleichmässiger ausgelastet werden. (Archivbild)

Die Berufsfachschulen sollen gleichmässiger ausgelastet werden. (Archivbild)

Keystone

Bildungsdirektor Alex Hürzeler und Kathrin Hunziker, Leiterin der Abteilung Berufsbildung und Mittelschule, haben gestern das neue Standort- und Raumkonzept für die Sekundarstufe II präsentiert. Es umfasst im Bereich der Berufsfachschulen drei Varianten. Aus der Anhörung, die bis Ende September dauert, erwartet die Regierung Entscheidungshilfen für die Wahl einer definitiven Variante, die im nächsten Jahr vom Kantonsparlament beraten wird. Während die Eingriffe in den Mittelschulbereich moderat bleiben (Artikel rechts oben), warten auf die Berufsfachschulen grosse Änderungen.

Ohne Schliessungen gehts nicht

Das heutige Standortkonzept für die Berufsschulen («Stabilo») stammt aus dem Jahr 2001. Seither entstanden neue Berufe, andere verschwanden oder leiden unter mangelnder Nachfrage – Ergebnis sind eine verzettelte Berufsbildungsszene und unterbelegte Räume. Zusammengezählt stehen im Aargau derzeit 75 Unterrichtsräume leer. Gewisse Berufsgruppen, etwa Körperpflege oder KV, werden an sieben Standorten unterrichtet, Bau oder Metall- und Maschinenbau an fünf.

Das neue Konzept ist auf 15 Jahre ausgelegt. Die Regierung strebt eine grösstmögliche Bündelung verwandter Berufsgruppen an. Wenn möglich sollen auch die Niveaus eines Berufes – von Attestlehre bis Berufsmatur – konzentriert werden. Für KV-Schulen soll neu eine Mindestgrösse von 400 Lernenden gelten – fünf der sieben heutigenKVs erfüllen dieses Kriterium nicht. Hier die drei Varianten:

  • Bei der Variante «Alpha» gibt es pro Beruf im gewerblich-industriellen Bereich durchweg nur noch einen Standort, die Zahl der KV-Standorte sinkt von 7 auf 3 (Aarau, Baden, Wohlen). Brugg verliert sein Berufsbildungszentrum (behält aber die Schule Gesundheit und Soziales), Rheinfelden verliert ebenfalls seine Schule, Lenzburg verliert das KV, die Gartenbauschule Niederlenz ist keine Schule mehr, sondern nur noch ein Lehrbetrieb.
  • Die Variante «Beta» ist grossenteils identisch mit «Alpha». KV-Standorte gibt es aber vier – zu den erwähnten drei kommt Rheinfelden hinzu, womit das Fricktal von einer Totalschliessung verschont würde.
  • Bei der Variante «Gamma» werden sieben gewerbliche Berufe noch an mehreren Standorten angeboten, KVs gibt es noch drei (Aarau, Baden, Lenzburg), Brugg würde nur den KV-Teil verlieren, Rheinfelden würde eine «Filiale» der boomenden Berufsfachschule Gesundheit und Soziales (Hauptsitz Brugg) erhalten. Ganz geschlossen wird in dieser Variante das Berufsbildungszentrum Freiamt in Wohlen.

Der Kanton darf das

Die Reduktion der Infrastruktur-, Lohn- und Betriebskosten für die öffentliche Hand beträgt in der Variante «Alpha» knapp 7,1 Mio. Franken im Jahr und 106 Mio. Franken über die gesamten 15 Jahre. Bei der Variante «Beta» lauten die Zahlen 5,9 und 88 Millionen, bei der Variante «Gamma» 4,26 und 64 Millionen. Auf die Frage, ob er mit diesen eher bescheidenen Kosteneinsparungen zufrieden sei, antwortete Bildungsdirektor Alex Hürzeler: «Es geht hier nicht prioritär um Einsparungen. Natürlich wollen wir die Effizienz des Systems steigern. Aber wir hatten keinen Sparauftrag zu erfüllen.» Hürzeler sagte, er hoffe sehr, «dass auch der Grosse Rat nicht primär eine Finanz-, sondern eine Bildungsdebatte führen wird».

Nur zwei der insgesamt 14 Berufsfachschulen im Aargau gehören dem Kanton, die restlichen haben gemischte Trägerschaften. Trotzdem überschreitet der Kanton mit der Vorlage nicht seine Kompetenzen. Zwei Dinge liegen in seinem Entscheidungsbereich: die Festlegung der Schulstandorte und die Zuteilung der Berufe.

«Die Stossrichtung stimmt»

Ruedi Suter, Rektor der gewerblich-industriellen Berufsschule Lenzburg, gehörte im Vorfeld zu den Skeptikern des Vorhabens. Nun zeigt er sich überrascht und erfreut: «Der Regierungs-rat präsentiert einen guten, umfassenden Bericht, der sich als Entscheidungsgrundlage bestens eignet.» Und er beweise auch Mut, indem er vor echten Konzentrationen – inklusive allfälliger Schulschliessungen – nicht zurückschrecke. Ruedi Suters bevorzugte Variante ist «Alpha».

Ruedi Suter hofft nun, dass das Konzept in der Anhörung nicht total verwässert wird. «Ich habe Verständnis für die Situation jener Schulen, denen allenfalls die Schliessung droht. Aber bei der vorgesehenen Bündelung und Bildung von Kompetenzzentren gibt es vorab einen Sieger: Es ist die Aargauer Berufsbildung», betont er.

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