Einbürgerungen
Im Aargau kein Wettlauf um Einbürgerungen - trotz Einwanderungsabstimmung

In vielen Gemeinden der Schweiz sollen laut Medienberichten Gesuche um Einbürgerungen zugenommen haben - aus Angst vor den Auswirkungen der angenommenen SVP-Masseneinwanderungsinitiative. Doch im Kanton Aargau zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab.

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Kein Anstieg der Einbürgerungsgesuchen nach der Masseneinwanderungsinitiative im Aargau (Symbolbild)

Kein Anstieg der Einbürgerungsgesuchen nach der Masseneinwanderungsinitiative im Aargau (Symbolbild)

Keystone

«Secondos stürmen die Einbürgerungsbüros» titelt ein Online-Artikel der Gratiszeitung 20 Minuten. Wegen dem Volks-Ja zur Masseneinwanderungsinitiative vor knapp zwei Wochen sollen die Gesuche um Einbürgerungen in vielen Gemeinden der Welschschweiz zugenommen haben, wie „Le Matin" berichtete. Auch in einzelnen Deutschschweizer Orten soll es einen regelrechten Run auf Einbürgerungsformulare geben.

Auch im aargauischen Suhr hat 20 Minuten nachgefragt und kam zum Schluss, dass die Anfragen von einbürgerungswilligen Ausländern leicht zugenommen haben und in Zukunft weiter steigen sollen.

Die Gemeinde Suhr repräsentiert mit ihren fast 10'000 Einwohnern aber lediglich 1,5 Prozent der Aargauer Bevölkerung. Eine gute Gelegenheit also, eine etwas umfangreichere Recherche im Kanton zu betreiben.

Kein Hype um Einbürgerungsgesuche

Mit mehr als 20'200 Einwohnern ist Wettingen vor Aarau die meistbevölkerte Gemeinde im Kanton und schlägt erst noch mit einem Ausländeranteil von mehr als 26 Prozent zu Buche. Wo jeder vierte Bürger ein Ausländer ist, müssten doch seit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative auch viel mehr Gesuche zur Einbürgerung bei der Gemeindeverwaltung eingegangen sein?

Doch weit gefehlt. «Wir haben zwar immer viele Gesuche um Einbürgerung, einen speziellen Hype wegen der MEI-Abstimmung bemerken wir aber nicht», sagte Gemeindeschreiber Urs Blickensdorfer auf Anfrage der AZ.

Auch in Aarau, mit seinem Ausländeranteil von 20 Prozent, ist sich Nadine Marra, Leiterin des Stadtbüros sicher: «Bei uns haben die Gesuche nicht zugenommen.» Ausserdem fügte sie an, dass Ausländer ja mindestens 12 Jahre in der Schweiz gelebt haben müssen, ehe sie ein Gesuch um Einbürgerung stellen dürfen.

Da die neue Gesetzgebung ja nur Kontingente für die Zuwanderung verlange, brauchten Ausländer, die seit Jahren in der Schweiz leben, nichts zu befürchten.

Trotz einem Rekordanteil von 52 Prozent Ausländern gibt es auch in Spreitenbach nicht mehr Gesuche um den Erwerb des Schweizer Passes als sonst, wie Ursula Beusch von der Gemeindekanzlei erklärte.

Auch in weiteren grossen Gemeinden wie Baden, Wohlen oder Oftringen sind sich die zuständigen Behörden einig: Wegen dem Ausgang der Masseneinwanderungsinitiative gibt es keinen Ansturm auf Einbürgerungsgesuche. (luk)