Landwirtschaft
Im Aargau häufen sich schwere Traktorunfälle

Drei Bauern verunfallten in kurzer Zeit mit ihren Traktoren – ein Unfall endete gar tödlich. Hätte das vermieden werden können? Nicht immer wollen sich Traktorfahrer an die Anweisungen halten.

Silvan Hartmann
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Vermeintlich sichere Traktorstrecke: Dieser Traktorunfall aus dem Jahr 2008 endete tödlich – kein Einzelfall.AZ-Archiv/Michael Spillmann

Vermeintlich sichere Traktorstrecke: Dieser Traktorunfall aus dem Jahr 2008 endete tödlich – kein Einzelfall.AZ-Archiv/Michael Spillmann

«Aufpassen. Drei Mal überlegen. Sicherheitsgurt tragen.» Das sagt ein Traktor-Experte und Bauern-Ausbildner, der es wissen muss: Hansjörg Furter ist Fachlehrer für Landtechnik und Unfallverhütung beim Landwirtschaflichen Zentrum Liebegg.

Trotz Anweisungen wollen sich Bauern offenbar nicht daran halten: Drei schwere Traktorunfälle in nur zwei Monaten. Der jüngste Fall spielte sich am Wochenende ab: Ein Traktor überschlug sich in Bözen in steilem Gelände, der 8-jährige Enkel auf dem Fahrzeug des 60-jährigen Grossvaters zog sich massive Gesichtsverletzungen zu. Der Fahrer wollte auf einen Hügel hinauffahren, wobei er nicht richtig hinunterschalten konnte und der Traktor im Leerlauf rückwärtsrollte. Als der Mann die Handbremse zog, überschlug sich der Traktor über die Hinterachse.

Bereits vor rund zwei Monaten überschlug sich ein Traktor – ebenfalls in steilem Hang – auf der Baldegg bei Baden. Mit fatalen Folgen: Der 57-jährige Bauer erlag noch auf der Unfallstelle seinen Kopfverletzungen. An seinem Traktor, der nigelnagelneu war, war ein Kreiselschwader für das Zusammenrechen des Heus angekuppelt. Bei dieser Arbeit kam es zum schwerwiegenden Unfall. Ein dritter Fall ereignete sich unlängst in Dottikon: Bei einem Überholmanöver kippte auf der Strasse ein Traktor. Der Fahrer wurde leicht verletzt.

Handelten die Bauern fahrlässig?

Erfahrene Bauern sprechen gegenüber der az Aargauer Zeitung bei allen drei Fällen von Fahrlässigkeit. Sie sind überzeugt: Die Unfälle hätten allesamt vermieden werden können. Fachlehrer Furter will zu den einzelnen Fällen keine Stellung beziehen. Aber auch er ist der Meinung: «Diese Unfälle hätten bestimmt nicht sein müssen.»

Bereits im Alter von 14 Jahren darf man in der Schweiz nach bestandener theoretischer Prüfung Traktor fahren. «Ein grosses Privileg der Landwirtschaft», weiss Furter. Doch Jung und Alt sollte auch auf einem Feld mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen Vorschriften einhalten: «Ein Traktor muss über einen Überrollbügel verfügen. Noch besser wäre eine Kabine. Ausserdem ist im Gelände für einen besseren Halt eine Doppelbereifung von Vorteil», erklärt Furter. Gute Bodenverhältnisse und kurz geschnittenes Gras verringern das Risiko des Abrutschens. Auch wird geraten, vor dem Befahren eines Steilhangs hinunterzuschalten.

Neuere Traktoren besitzen überdies alle einen Sicherheitsgurt. Auf der Feldarbeit ist das Tragen des Gurtes aber keine Pflicht. «Man weiss aber längst, dass Gurten auch beim Traktorfahren Leben retten können.» Der Fachlehrer für Unfallverhütung: «Fährt man über Land, sieht man immer wieder, dass den Anweisungen keine Beachtung geschenkt wird. Man kann es Lernenden nicht häufig genug sagen.»