Strassenverkehr

Im Aargau gibt es nicht nur viele Kreisel, sondern auch ganz viele Ampeln

Im Kanton gehören seit rund 60 Jahren Ampeln zum Strassenbild. Peter Siegrist

Im Kanton gehören seit rund 60 Jahren Ampeln zum Strassenbild. Peter Siegrist

Die allererste Ampel leuchtete am 5. August 1914 in den USA. Auf unseren Strassen regeln sie seit 60 Jahren den Verkehr. Wo schaltete im Aargau erstmals eine Ampel auf grün?

Lenzburg in den 1960ern: Der Bub staunte. Knapp fünfzig Jahre, nachdem die Amerikaner mit ersten Ampeln den Verkehr regelten, installierten Monteure beim Freiämterplatz die erste Lichtsignalanlage im Städtchen. Selbst für die Velos gab es eine Induktionsschlaufe im Boden, die die Fahrer anmeldete. In einer Stadt mit Ampeln wie in Zürich zu wohnen, machte stolz. Im Verkehrsgarten, der auf dem Pausenplatz beim Schulhaus Lenzhard aufgebaut wurde, übten die Kinder mit Tretautos das korrekte Einspuren und Befahren einer Kreuzung mit Ampeln. Früh übt sich, wer einmal korrekt fahren will.

Eine der ersten Lichtsignalanlagen auf Aargauer Kantonsstrassen hing über der Strassengabel Hunzenschwil–Suhr–Buchs, im Westen von Hunzenschwil, bei der Esso-Tankstelle Talag. Sie wurde bereits in den 1950er-Jahren erstellt.

Von Hand zu Hightech

Was im frühen 20. Jahrhundert mit manueller Steuerung durch Polizisten mit den Farben Rot und Grün begann, entwickelte sich über die Jahre zum eigentlichen Hightech-Instrument. Die Regelung des Verkehrs an einer einfachen Kreuzung, die Verriegelung von jeweils einer Fahrbahn, war eine gerade zu einfache Angelegenheit gegenüber den heutigen Systemen. Die moderne Technik und der Erfindergeist liess eine verfeinerte Steuerung zu. Stellte im Zug der Automatisierung, nach den Polizisten, eine Taktuhr von Rot auf Grün, wurde es mit aufkommender Elektrik und Elektronik möglich, die Ampeln durch die heranfahrenden Autos, Fahrräder und knopfdrückende Fussgänger zu steuern.

Variable Intervalle und sogenannte grüne Wellen liessen den Verkehr fliessen. «Heute werden die Lichtsignalanlagen nicht mehr nur für die Steuerung der Verkehrsströme über einen Knoten genutzt», sagt Daniel Schwerzmann, Leiter Verkehrsmanagement im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Die Anlagen können zum Beispiel Busse bevorzugen und das Verkehrsaufkommen in Stadtzentren dosieren. Fachleute sprechen von «aktiver regionaler Bewirtschaftung des Verkehrs». Es geht darum, die vorhandenen Infrastrukturkapazitäten besser zu nutzen. «Das sogenannte Verkehrsmanagement gewinnt immer mehr an Bedeutung», sagt Schwerzmann.

Gegenwärtig arbeitet der Kanton an Projekten für die Regionen Baden-Wettingen, Brugg und Aarau. Digitale Steuerungen ermöglichen die Vernetzung und Fernsteuerung von Anlagen in einer ganzen Region.

3000 Ampeln, die leuchten

Im Aargau wurden in den 1970er-Jahren, während und nach dem Bau der A1, am meisten Lichtsignalanlagen eingebaut. Heute betreibt der Kanton über 160 Anlagen mit über 3000 Ampeln. Die meisten Anlagen befinden sich auf Kantonsstrassen und unterliegen der Zuständigkeit der Unterabteilung Verkehrsmanagement des BVU. Bewilligt werden Lichtsignalanlagenprojekte durch den Regierungsrat, die Finanzierung erfolgt ausserorts durch den Kanton. Innerorts beteiligen sich die Gemeinden. Eine Lichtsignalanlage kostet bald einmal zwischen 300'000 bis 800'000 Franken und hat eine Lebensdauer von durchschnittlich 20 Jahren.

Wenn auch in den letzten Jahren viele Kreisel gebaut wurden, gibt es nicht wesentlich weniger Ampeln. Dies, weil die Anlagen eben auch zur Dosierung des Verkehrs genutzt werden.

Für die Verkehrsteilnehmer ist seit 100 Jahren eines gleich geblieben: Die eigene Phase Rot dauert gefühlt immer noch länger als das Grün für die andern. So versteht der Bub von damals heute, weshalb die Franzosen, die vor der roten Ampel stehen nicht übers Rotlicht, sondern gar über das «feu rouge» seufzen.

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