Aargau
Im Aargau fährt nur Leuthard auf Elektroautos ab – gibts bald eine Trendwende?

Bundesrätin Doris Leuthard will einen Dienstwagen mit Elektroantrieb. In ihrem Heimatkanton stossen Elektroautos hingegen auf wenig Interesse. Experten erwarten nun allerdings einen Aufwärtstrend.

Manuel Bühlmann
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Wird wohl schon bald in einem Elektroauto chauffiert: Bundesrätin Doris Leuthard – hier beim Probesitzen am Autosalon 2010 in Genf.

Wird wohl schon bald in einem Elektroauto chauffiert: Bundesrätin Doris Leuthard – hier beim Probesitzen am Autosalon 2010 in Genf.

KEYSTONE

Verkehrsministerin Doris Leuthard ist eine begeisterte Autofahrerin. Eine, die an eine Zukunft für Elektroautos glaubt, wie sie kürzlich im Interview mit der «Aargauer Zeitung» sagte. Ihren Chauffeur liess sie Testfahrten mit einem Tesla machen: Der Elektrosportwagen soll den Mercedes als bundesrätlichen Dienstwagen ablösen.

In ihrem Heimatkanton würde die Aargauer CVP-Politikerin mit ihrem Elektroauto zu einer Minderheit gehören: Gerade mal 138 Fahrzeuge waren per Ende September 2013 angemeldet – 0,03 Prozent der insgesamt über 390 000 leichten Motorwagen im Kanton. Fast Drei Viertel sind mit Benzinmotoren unterwegs. Innerhalb der letzten zwanzig Jahren ist die Zahl der Fahrzeuge mit Elektroantrieben zwar gewachsen, aber auf sehr tiefem Niveau und mit zwischenzeitlichen Einbrüchen (siehe Grafik). Mögliche Gründe für den ausbleibenden Boom gibt es viele. Eine Auswahl:

Die Reichweite: Es ist der Horror für alle Autofahrer. Mitten auf der Strasse bleibt der Wagen stehen, weit und breit ist keine Tankstelle bzw. Aufladestation in Sicht. Die Batterien von Elektroautos reichen bei einigen Modellen für bis zu 500, bei anderen aber nur für 100 Kilometer. Zu den derzeit knapp 30 öffentlichen Aufladestationen im Aargau kommen laufend neue dazu, doch noch immer gibt es auf der Kantonskarte viele weisse Flecken. Wer sich nicht sicher sein kann, bei Bedarf in der Nähe eine Steckdose zu finden, überlegt sich einen Wechsel zum Elektroantrieb zweimal.

«Viele Leute befürchten, dass die Reichweite nicht reichen könnte», sagt Werner Leuthard, Leiter Abteilung Energie beim Kanton Aargau. Dabei würden die Batterien in vielen Fällen genügen – auch ohne Aufladen: Ein Aargauer Autofahrer legt pro Tag durchschnittlich 41 Kilometer zurück. «Dafür reicht jedes Elektrofahrzeug locker», sagt Thierry Burkart, Präsident von Grossem Rat, TCS Aargau und Swiss eMobility. Doch beim Autokauf spielen auch andere Überlegungen eine Rolle: «Die meisten denken nicht nur an den Alltag, sondern auch an längere Fahrten, etwa in den Ferien», sagt Werner Leuthard.

Die Kosten: Das Elektroauto, das Doris Leuthard möchte, kostet je nach Ausstattung zwischen 70 000 und 95 000 Franken. Noch immer sind die Preise – auch bei günstigeren Modellen – verhältnismässig hoch. Das ändert sich aber zunehmend. «Es gibt jetzt schon erschwingliche Fahrzeuge», sagt Thierry Burkart. «Die Preise sind am Fallen», sagt auch Philipp Walser, Leiter Fachstelle Elektrofahrzeuge beim Verband e’mobile. «Es gibt Modelle, die heute halb so viel kosten wie noch vor zwei Jahren.»

Während die Mehrheit der Kantone steuerliche Erleichterungen für Elektroautos kennt, werden im Aargau alle Fahrzeuge gleich besteuert. Bis 2012 zahlten Besitzer von Elektrofahrzeugen sogar deutlich mehr – erst dann änderte der Regierungsrat ein veraltetes Gesetz. Eine vollständige Steuerbefreiung lehnte er allerdings ab. Auch der Grosse Rat sprach sich gegen einen entsprechenden Vorstoss aus. Der grüne Grossrat Hansjörg Wittwer war damals noch für steuerliche Vergünstigungen, ist heute aber nicht mehr davon überzeugt: «Nur weil man weniger Steuern zahlen muss, kauft man kaum ein Elektroauto.» Dieser Meinung ist auch Thierry Burkart. Der Blick auf Kantone mit Steurermässigungen zeigt: Auch dort bewegt sich der Anteil der Elektrofahrzeuge im sehr tiefen Bereich. Die meisten sind im Kanton Zürich angemeldet: Mehr als 700 von den insgesamt über 3000 elektrobetriebenen Fahrzeugen im Land.

Das Angebot: Während frühere Elektrofahrzeuge oftmals umgebaute benzinbetriebene Autos waren, werden sie nun serienmässig produziert. Mittlerweile haben fast alle grossen Automarken mindestens ein Modell auf den Markt gebracht. Das Angebot wächst und damit auch die Auswahl. Das war nicht immer so: «Lange war die Entwicklung von Elektroautos nicht die erste Priorität der Autoindustrie», sagt Thierry Burkart. Entsprechend eigenwillig sahen die Modelle in der Vergangenheit aus. Er sei kein Fan der früheren Designs gewesen, sagt Burkart. Das habe sich nun aber geändert: «Die Chancen sind gross, dass ich mir ein Elektrofahrzeug anschaffen werde.»

Burkarts Prognose fällt denn auch positiv aus: «Ich bin überzeugt, dass es in den nächsten Jahren einen Sprung nach vorne geben wird.» Gleicher Meinung ist auch sein Ratskollege Hansjörg Wittwer: «In Zukunft werden sich die Elektrofahrzeuge sicher durchsetzen.» Es brauche wohl einfach noch ein paar Jahre Zeit.

Der schweizweite Trend jedenfalls stützt diese Einschätzungen: 2013 hat sich die Anzahl der neu zugelassenen Elektroautos hierzulande gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.