Bahnnetz
«Ideal, teuer, fragwürdig»: Das sagen Aargauer Verkehrspolitiker zum Mega-Tunnel

Der Regierungsrat hofft auf Unterstützung der Aargauer National- und Ständeräte, damit der neue Tunnel bis 2030 gebaut werden kann. Was sagen Aargauer Politiker zum Projekt?

Fabian Hägler
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Schnell und direkt von Aarau nach Zürich: Ein neuer Tunnel unter dem Reusstal soll mehr Kapazität auf der stark belasteten Bahnlinie bringen.

Schnell und direkt von Aarau nach Zürich: Ein neuer Tunnel unter dem Reusstal soll mehr Kapazität auf der stark belasteten Bahnlinie bringen.

Keystone

«Letztlich entscheidet das Bundesparlament darüber, also werden wir dort unsere Interessen vertreten» – das sagt Verkehrsdirektor Stephan Attiger auf die Frage, was der Aargau unternimmt, damit der Eisenbahntunnel zwischen Aarau und Zürich Altstetten rasch gebaut wird. «Und wir hoffen natürlich auf die Unterstützung der National- und Ständeräte aus dem Aargau.»

Verkehrspolitiker reagieren auf Anfrage der az unterschiedlich auf die Tunnelpläne. Thierry Burkart, FPD-Nationalrat und Präsident des TCS Aargau, sagt: «Auf der Achse Zürich-Aarau braucht es dringend mehr Kapazität für Güter- und Personentransporte.» Eine direkte Verbindung mit dem 30 Kilometer langen Tunnel sei eine optimale Variante. Wichtig sei, dass die Finanzierung und die Genehmigung im Parlament in verschiedenen Tranchen erfolgen könne. Andernfalls dürfte das Vorhaben laut Burkart politisch nicht finanzierbar sein. «Es ist unrealistisch, dass ein Ausbauschritt fast ausschliesslich aus einem einzigen Bauprojekt besteht und die anderen Landesteile leer ausgehen.»

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner sitzt mit Burkart in der Verkehrskommission des Nationalrats. Ende Januar äusserte sich der Fuhrhalter gegenüber der «Schweiz am Sonntag» kritisch zu den Tunnelplänen. «Es wäre wohl der Wunsch der Bahnbetreiber, eine neue Strecke zu bauen. Ich stelle aber fest, dass das Geld dafür ganz einfach fehlt.» Der Unterhalt des bestehenden Netzes sei derart teuer, dass vorerst keine neuen Projekte mehr geplant werden dürften. Heute gibt sich Giezendanner weniger ablehnend. «Eigentlich wäre ein solcher Tunnel ideal, aber zuerst muss eine Kosten-Nutzen-Analyse vorliegen.» Neben der Finanzierung sieht der SVP-Nationalrat weitere Hürden. So würden sich Passagiere in einem derart langen Tunnel nicht wohlfühlen und andere Regionen auch Ansprüche für Bahnprojekte anmelden.

Auch der grüne Nationalrat Jonas Fricker, Mitglied des VCS, ist nicht vollständig begeistert vom geplanten 28-Kilometer-Tunnel. «Aus grüner Sicht ist ein neuer Bahntunnel einem Ausbau der A1 auf dieser Strecke eindeutig vorzuziehen, deshalb werden wir das Projekt sicher wohlwollend prüfen», sagt Fricker. Was ein solcher Tunnel für den Aargau bringe, sei momentan aber noch schwierig zu beurteilen. «Für den Raum Aarau kann eine solche Direktverbindung attraktiv sein, für Pendler aus Lenzburg, Brugg oder Baden bringt sie aber keine Verbesserung.» Es sei auch fraglich, ob die Pendlerströme tatsächlich im gleichen Umfang weiter wachsen wie bisher und ein solches Riesenprojekt überhaupt nötig sei.