Als er in die Schweiz kam, war er 14, heute ist er 46 und kandidiert für die CVP als Nationalrat: Alexander Vaida, Physiotherapeut am Kantonsspital Baden, der von sich selber sagt: «Ich war ein Asylant aus Rumänien.» Geflüchtet ist Vaida zusammen mit seinen Eltern, sein Vater war Geschichtslehrer.

«Unter der Diktatur von Ceausescu gab es nur zwei Möglichkeiten: die Geschichte so erzählen, wie es der Staat vorgab, oder das Land verlassen», sagt der CVP-Politiker.

Weil sein Vater keine Staatspropaganda in der Schule verbreiten wollte und Angst hatte, deshalb ins Arbeitslager gesteckt zu werden, entschied sich die Familie Vaida zur Flucht. «Damals schon galt die Schweiz als Beispiel für ein demokratisches Land, für die Freiheit, von der in Osteuropa so viele träumten», erinnert sich Alexander Vaida.

Als 14-Jähriger in die Schweiz

Deutsch sprach der 14-Jährige kaum, als er 1982 in Aarau ankam. «Doch ich konnte Englisch, einige Lehrer glücklicherweise auch, so habe ich mich in der Schule schnell integriert», sagt er.

Heute spricht Vaida Schweizerdeutsch – mit hörbarem Akzent, aber gut verständlich. «Bei der täglichen Arbeit hilft mir das, vor allem die älteren Leute schätzen es sehr, wenn sie in ihrer Muttersprache angesprochen werden.»

Der junge Alexander war ein guter Schüler, er stieg in der Bezirksschule ein und absolvierte zusätzliche Sprachkurse. Auch sonst integrierte er sich gut in der Schweiz: 1992 wurde der inzwischen 24-Jährige schliesslich eingebürgert.

Drei Jahre zuvor kam es zur Revolution in Rumänien: Der langjährige Diktator Ceausescu wurde gestürzt und hingerichtet, es gab zum ersten Mal freie Wahlen, die Demokratie hielt Einzug.

Nur kurz an Rückkehr gedacht

Dennoch dachte Alexander Vaida nach der Wende nur kurz an eine Rückkehr in sein Heimatland. «Die alten Strukturen haben sich in Rumänien jahrelang erhalten, ich wusste damals, dass es sehr lange dauern würde, bis die
Demokratie wirklich funktioniert. Zudem war ich in der Schweiz aufgewachsen, das Land ist zu meiner neuen Heimat geworden», erklärt Vaida.

So blieb er in der Schweiz, absolvierte in Basel die Ausbildung zum Physiotherapeuten und eine Geriatrie-Zusatzausbildung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur. Seit mittlerweile 15 Jahren ist er mit einer Ärztin verheiratet, die ebenfalls aus Rumänien stammt, die beiden haben eine 6-jährige Tochter.

Grossvater schon in der Politik

Doch weshalb engagiert sich der Eingebürgerte nun politisch? «Schon mein Grossvater war politisch aktiv und engagierte sich vor dem 2. Weltkrieg in einer christlichdemokratischen Partei», sagt Vaida. In seinem Elternhaus sei viel über Politik gesprochen worden, «ich wurde früh politisiert», erinnert er sich.

Nachdem er einige Zeit in der Schweiz gelebt hatte, war für Vaida klar, dass er sich künftig für die Gesellschaft einsetzen wollte. «Ich ging vor sieben, acht Jahren an eine Versammlung der lokalen CVP und fühlte mich rasch heimisch.»

Für ihn war klar, dass er als Parteiloser kaum Chancen auf eine Wahl haben würde, deshalb sei der Beitritt danach logisch gewesen. Nicht entscheidend sei der kirchliche Aspekt gewesen. «Ich gehöre der christlich-orthodoxen Religion an, bin aber nicht tief gläubig», erzählt Alexander Vaida.

Überrascht von Anfrage

Seit einem Jahr sitzt Vaida in der Leitung der CVP Würenlingen, nun möchte er für die Partei in den Nationalrat. «Ich würde von der Bezirkspartei angefragt und war ziemlich überrascht», erinnert er sich.

Die Anfrage habe ihn aber gefreut, er habe sich geehrt gefühlt und deshalb gerne zugesagt. «Es ist mir klar, dass mein Wählerpotenzial relativ gering ist, dennoch werde ich mich voll einsetzen», sagt der 46-Jährige. Es sei keineswegs klar, dass ihn alle CVP-Parteimitglieder auf die Liste setzen.

«Die CVP hat eine relativ konservative Wählerschaft, deshalb braucht es auch innerhalb der Partei eine gewisse Überzeugungsarbeit für mich als Eingebürgerten», sagt er.

Joseph Deiss als Vorbild

Ein grosses Vorbild für Vaida ist alt Bundesrat Joseph Deiss. «Er hat sich für eine offene Schweiz eingesetzt, das Land in die UNO geführt, das hat mich gefreut», sagt Vaida. Berufspolitiker, wie es Deiss war, möchte Vaida nicht werden: «Das Milizsystem in der Schweiz ist hervorragend, so behalten die Politiker die Verbindung zum Volk und es entsteht keine abgehobene Elite.»

Seit drei Jahren ist Vaida Mitglied in der CVP-Kommission für Migration und Integration. Ausserdem präsidiert er den rumänischen Verein Baden, der 2005 gegründet wurde. «Wir wollen die rumänische Kultur bekannt machen und mithelfen bei der Integration von Rumänen in der Schweiz und der Region», erklärt er die Zielsetzung.

Migranten sollen Politik machen

Dort ermutigt er seine ehemaligen Landsleute und auch andere Einwanderer, sich in der Schweiz politisch zu engagieren. «Das ist gerade bei Migranten nicht einfach, denn sie spüren oft Vorbehalte, in der Schweiz gibt es keine absolute Willkommenskultur», gibt er zu bedenken.

Wenn sich jemand über Sprache, Ausbildung und Beruf integriere und am Ende einbürgern lasse werde er aber nach und nach akzeptiert. Dann sei es auch einfacher, sich als Politiker zu exponieren, hält Vaida fest.

Was hält der gebürtige Rumäne vom Stimm- und Wahlrecht für Ausländer? «Auf lokaler Ebene, also in den Gemeinden, würde ich das sehr begrüssen.» So könnten auch die Ausländer, die je nach Ortschaft einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung ausmachten, angemessen vertreten werden, findet er.

Primär müsse der Weg in die Politik für interessierte Ausländer aber über die Einbürgerung laufen. «Viele Migranten wissen gar nicht, welche Chancen sie in der Schweiz haben, wenn sie eingebürgert sind: In keinem anderen Land der Welt kann das Volk so stark mitbestimmen, über so viele Sachen abstimmen wie hier – das muss man doch nutzen», startet er einen Aufruf.