TalkTäglich
«Ich stelle mich der Herausforderung»: Urs Hofmann zu seinem bevorstehenden Polit-Ruhestand

Nach zwölf Jahren tritt der SP-Regierungsrat zurück. Er erinnert sich an Erfolge und Begegnungen und macht sich bereit für die Zeit nach dem Amt.

Drucken
Teilen

Der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann verabschiedet sich am 31. Dezember 2020 von seinem Amt. Im TalkTäglich des Fernsehsenders Tele M1 sprach der 63-Jährige Anfang Dezember mit Moderator Adrian Remund über die vergangenen zwölf Jahre und seinen bevorstehenden Ruhestand.

Jetzt ist es soweit, Hofmanns letzten offiziellen Arbeitstage stehen an. Die letzten Wochen hätten voller Verabschiedungen, Apéros und kleinen Festen sein sollen – coronabedingt wurde alles gestrichen. Der abtretende Regierungsrat erzählte, dass es, zumindest bis Weihnachten, ein ganz normaler Job bleibe. Es seien wichtige Entscheide und Kommissionssitzungen angestanden.

Begegnungen seien ein Highlight

Am 30. November 2008 holte Hofmann den Regierungsratssitz für die SP. Zwölf Jahre seien eine lange Zeit und doch sei diese Zeit sehr schnell vorbeigegangen, erzählt er. Der Tag der Wahl sei für ihn sehr speziell gewesen – besonders, als seine Wahl feststand. Man könne frisch ins Amt starten und seine Ideen einbringen. Hofmann erläutert: «Am Anfang war da noch der Reiz des Neuen. Nach zwölf Jahren sieht das etwas anders aus. Da hat man einen Haufen Dinge im Hinterkopf.»

Ein Highlight seiner politischen Karriere seien die vielen Begegnungen gewesen. «So konnte ich die Realität der Personen in unserem Kanton wahrnehmen», ergänzt der Regierungsrat. Solche Gespräche seien mehr wert als all die politischen Erfolge, die man feiert.

«Das ist der Frust dieses Amtes»

Trotzdem erlebt man als Volkswirtschaftsdirektor auch Erfolge, die in Erinnerung bleiben. Im Kanton Aargau seien viele innovative Firmen entstanden. Diese würden auch immer neue Stellen schaffen, wie etwa die Firma Dectris in Baden oder der Innovation Park beim Paul Scherrer Institut (PSI). Seit dem Jahr 2009 habe der Kanton Aargau über 100'000 zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner, dieser Zuzug habe auch Stellen geschaffen. Doch in Erinnerung bleibe häufig der Stellenabbau. Grund dafür sei, dass positive Botschaften direkt von den Firmen verkündet werden. Wird abgebaut, sei der Hinterausgang gross. Politikerinnen und Politiker müssten in solchen Fällen hinstehen und die schlechten Nachrichten kommunizieren. «Das ist der Frust dieses Amtes», erzählt Hofmann.

Trotz Frust habe der abtretende Regierungsrat viele Dinge so machen können, wie er sie sich vorgestellt hat. Es gäbe das eine oder andere, das ihm besser hätte gelingen können, aber: «Im Grossen und Ganzen glaube ich, dass es keine Misserfolgsserie war, die ich hatte.» Sonst wäre er bestimmt nicht so lange im Amt gewesen. Zum Erfolg beigetragen hätten auch die rund zweieinhalbtausend Mitarbeiter in seinem Departement. Der grosse Dank gebühre vor allem seinem engeren Umfeld.

Eine gewisse Ungewissheit bestehe immer

Sein Nachfolger, Dieter Egli, werde zurzeit eingearbeitet. Die offizielle Schlüsselübergabe erfolgt traditionellerweise Ende Jahr. Hofmann ist überzeugt, dass mit Egli jemand das Departement übernimmt, der viel Kenntnis der Aargauer Politik hat. Es sei immer angenehmer, das Amt in Hände zu übergeben, von denen man sicher ist, dass es gute Hände sind.

Die Frage, ob er sich vorstellen kann, Polit-Experte zu werden, verneint Hofmann. Er möchte nicht gegen diejenigen, die aktiv im Amt sind, schiessen. Sollte er sich einmal äussern, dann selektiv, wohlwollend und unterstützend. Hofmann möchte auf keinen Fall besserwisserisch und korrigierend sein. Doch zuoberst auf seiner Liste steht zuerst das Ankommen im Alltag ohne Regierungsamt. Er möchte sich nicht direkt in neue Arbeit stürzen. Der Wechsel sei gross und man komme in ein neues Umfeld seines Lebens mit neuen Herausforderungen. Eine gewisse Ungewissheit bestehe immer. Urs Hofmann ergänzt bestimmt: «Es ist eine Herausforderung und ich stelle mich ihr.» (wue)

Die ganze Sendung: Urs Hofmann zu seinem bevorstehenden Ruhestand