Strafanstalt Lenzburg

«Ich kann niemandem einen Vorwurf machen»

In einer Zelle der Strafanstalt Lenzburg hat sich ein Tunesier erhängt.

In einer Zelle der Strafanstalt Lenzburg hat sich ein Tunesier erhängt.

Ein 34-jähriger Tunesier hat sich gestern Mittwochabend in der Lenzburger Strafanstalt erhängt. Der Asylbewerber wurde als nicht suizidgefährdet eingestuft. Der Anstaltsdirektor Marcel Ruf will niemanden zur Verantwortung ziehen.

Gestern Abend beging ein Tunesier in seiner Zelle Selbstmord, wie das Polizeidepartement in einem Communiqué schreibt. Der 34-Jährige Asylbewerber erhängte sich mit einem Stromkabel an der Vergitterung der Fenster. Der Mann war seit November 2009 in Untersuchungshaft und danach im vorzeitigen Strafvollzug. Ihm werden kleinere Delikte wie Ladendiebstahl und leichte Körperverletzung vorgeworfen.

Der Gefangene wurde vom Gesundheitsdienst sowie vom psychologisch-psychiatrischen Dienst der Justizvollzugsanstalt Lenzburg gestern Morgen begutachtet und als nicht suizidal eingestuft. Es bestanden keine Anzeichen für psychische Störungen oder eine psychische Krankheit, heisst es im Communiqué. Ein Gespräch mit dem Psychologen dauert zwischen 10 bis 15 Minuten. Wenn ein Insasse suizidgefährdet ist, wird er in der Regel in die Psychiatrische Klinik Königsfelden versetzt.

«Ich kann niemandem einen Vorwurf machen», widerspricht Direktor Marcel Ruf dem Vorwurf, der Tunesier sei falsch eingeschätzt worden. Ein Selbstmord könne man nie komplett auschliessen. Am Dienstag wurde er vom Bezirksgefängnis Baden in die Strafanstalt überführt.

Der Tunesier hat sich mit einem Verlängerungskabel erhängt, das es in jeder Zelle gibt, etwa für das Nachttischlämpchen. Er wurde gestern Abend auf dem Kontrollgang um 20.30 Uhr in seiner Zelle gefunden. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsversuche konnte der Arzt nur noch den Tod feststellen. Über die Gründe für den Selbstmord kann bisher nur spekuliert werden. «Der Inhaftierte hat nichts Schriftliches hinterlassen», sagt Ruf.

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg/Aarau hat ein Untersuchungsverfahren eröffnet. Der Leichnam wird nun obduziert.

Der letzte Suizid im Normalvollzug in Lenzburg geschah im Jahr 2006.

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