Gastro Aargau
«Ich hasse dieses ewige Gejammer» – so tickt der neue oberste Aargauer Wirt

Bruno Lustenberger ist seit Dienstag der neue Präsident von Gastro Aargau. Die az hat ihn kurz vor seiner Wahl in der «Krone» in Aarburg besucht. Was er verändern will, warum er ein gemachtes Nest verliess und warum niemand zu ihm zum Znüni kommt.

Mario Fuchs
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«Wenn sich das Umfeld verändert, gibt es nur Eines: Man muss sich dem anpassen.»: Bruno Lustenberger denkt positiv und fordert seine Wirtekollegen auch mal heraus.

«Wenn sich das Umfeld verändert, gibt es nur Eines: Man muss sich dem anpassen.»: Bruno Lustenberger denkt positiv und fordert seine Wirtekollegen auch mal heraus.

Chris Iseli

Wer an der Station Aarburg-Oftringen aus dem Zug steigt, steht schon fast in der «Krone». Neun Uhr ist es an diesem Dienstag, die Sonne bringt einen Frühlingstag und die grosse geschmiedete Krone über dem Eingang zum Glänzen. Drinnen, in der «Taverne», dem «Tagesrestaurant für den kleinen und den grossen Hunger oder einen spannenden Jass», sitzt das Team gerade an der Tagesbesprechung. Der Chef, schwarzer Anzug, weisses Hemd, gemusterte Seidenkrawatte, fragt: «Allen alles klar?»

Der Chef heisst hier Bruno Lustenberger. Mit seiner Frau Jasmin führt er das Hotel Krone seit 21 Jahren. Die morgendliche Sitzung sei «fast eine heilige Zeit»: Wir sprechen Sörgeli an und schauen, was ansteht.» Dann lässt sich Lustenberger eine Tasse heisses Wasser aus der Maschine, schnappt sich einen Teebeutel und setzt sich zum az-Reporter an einen Tisch. In wenigen Stunden wird er nicht mehr nur «Krone»-Geschäftsführer sein, sondern auch Präsident von Gastro Aargau. «Wenn alles gut geht!»

Keiner, der stillsitzen kann

Lustenberger, 52, wuchs schon in der «Krone» auf. Ihm und seinem Bruder Peter war schnell klar, dass sie Gastronomen werden wollen. Aber nur einer konnte den elterlichen Betrieb in Aarburg übernehmen. «Für Peter haben wir dann das Hotel Storchen in Schönenwerd gefunden, so konnten wir es genial regeln», erzählt Bruno Lustenberger. Heute könnte er sich nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu machen. «Aber ich hatte mir das lange offengehalten. Ich bin keiner, der stillsitzen kann.»

So wurde Lustenberger auch Teil des Vorstandes von Gastro Aargau. Beim kantonalen Wirteverband amtete er zuletzt als Vizepräsident und war während der letzten zehn Jahre für die Ausbildung zuständig: Für das Ausbildungszentrum in Unterentfelden etwa, die Qualifikationsverfahren, die überbetrieblichen Kurse. Dass er selbst weiss, wie man mit Lernenden umgeht, wurde 2015 offiziell bestätigt: In der Kategorie der Restaurationsfachleute wurde er von Gastro Suisse als «Lehrmeister des Jahres» nominiert. Gastro Aargau ist für «ein Vorzeigeverband». Er sei in den letzten zehn Jahren in allen Kantonen gewesen, habe in alle Verbände gesehen.

Sein Fazit: «Wir sind überall gut aufgestellt: Personal, Infrastruktur, Finanzen. Es macht Spass, einen solchen Verband zu übernehmen.» Ein Beispiel für den Erfolg ist für Lustenberger die Kochausbildung. «150 schliessen jedes Jahr ab. Die Zahl ist konstant hoch. So hoch, dass wir in Baden eine Schulküche mieten müssen, weil wir in Unterentfelden nicht mehr genug Platz für alle ÜK haben.»

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Ob er das Präsidium übernehmen soll, das überlegte sich Lustenberger dennoch gut. «Ich hatte ja mit dem Ausbildungsbereich ein gemachtes Nest», sagt er. Und dann: «Aber ich bin eben kein Nesthocker. Das ist nicht meine Art.» Jetzt freut er sich darauf, «mit einem super Team anzugreifen».

Angreifen? «Ja», sagt Lustenberger mit einem Blick, der keine Zweifel lässt, dass er das wirklich ernst meint: «Ich hasse dieses ewige Gejammer.» Ja, die Branche habe grosse Veränderungen erlebt, die tiefere Promillegrenze, das Rauchverbot. Ja, um heute als Gastronomin oder Gastronom erfolgreich zu sein, brauche es mehr als auch schon. «Aber wenn sich das Umfeld verändert, gibt es nur Eines: Man muss sich dem anpassen. Jammern hilft nichts.» Wer das nicht schaffe, verschwinde früher oder später – «das ist ja nicht nur bei uns so, auch bei den Metzgereien, den Apotheken oder bei euch Medien.» Erste Veränderungen hat der neue Vorstand bereits vorbereitet: Die Ausbildung und die Infrastruktur in Unterentfelden sollen erneuert werden.

An diesem Donnerstagmorgen um 9 Uhr sitzen keine Gäste in der «Krone» beim Kaffee. «Die sind drüben im Bahnhöfli», erklärt Bruno Lustenberger. «Das habe ich vor zehn Jahren gekauft. Und Heinz macht es super», lobt er seinen Geschäftsführer. «Er soll seine Gäste haben, wir haben unsere. Das ergänzt sich wunderbar.»

In der «Krone» verkehren vor allem Geschäftsreisende, die in Aarburger Industriebetrieben wie Franke oder Omya zu tun haben. So ist die «Taverne» schon ab 6 Uhr zum Zmorge voll besetzt – und dann am Mittag wieder. Ein weiteres Standbein haben sich Lustenbergers mit dem Grill-Hersteller Weber aufgebaut: Regelmässig werden hier neue Grillbesitzer auf ihren Geräten geschult – das Grillgut wird mit Feinem aus der Hotelküche ergänzt. Seit er den elterlichen Gastro-Betrieb übernommen habe, habe sich zwar viel verändert, sagt Lustenberger. «Aber wir haben bei uns immer noch sehr gute Zeiten.»

Als neuer Gastro-Präsident hat der aufgestellte Gastgeber viel vor. Einen Terminus nennt er immer wieder: «Die Rahmenbedingungen verbessern.» Etwa die Wirteprüfung national «auf ein gleiches Level bringen». Dafür will er sich in der Präsidentenkonferenz von Gastro Suisse einsetzen. «Ich bin kein Angenehmer», sagt Lustenberger, «ich fordere.» Das sei wichtig, denn so gut wie es dem Aargauer Verband gehe, so schlecht gehe es einzelnen Mitgliedern. «Und wenn wir nichts ändern, dann ändert sich nichts.»

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