«Ein Parteipräsident muss eine Integrationsfigur sein, einen guten Kontakt zur Basis haben und auch Berufserfahrung aufweisen» – für Thomas Burgherr (SVP) ist klar, was ein Kandidat mitbringen muss, der künftig die SP Aargau führen möchte.

Ob Cédric Wermuth, laut Moderator und az-Chefredaktor Christian Dorer der umstrittenste Politiker im Kanton überhaupt, der richtige Mann für dieses Amt ist?

Wermuth selber, dessen Kandidatur seit der Bekanntgabe in der Aargauer Zeitung am Samstag kontrovers diskutiert wird, verteidigte sich im «TalkTäglich» auf Tele M1. «Ich habe mich entschieden, mein Leben im öffentlichen Dienst zu verbringen. Das tun Feuerwehrleute, Polizistinnen oder Zeitsoldaten auch, und niemand würde ihnen fehlende Berufserfahrung vorwerfen.»

Präsident wird an Sitzen gemessen

Politexperte Mark Balsiger hielt fest: «Cédric Wermuth als Präsident wäre ein Experiment für die SP.» Auf eine Empfehlung, ob die Parteibasis den 28-jährigen Nationalrat wählen sollte, liess sich Balsiger nicht ein. «Tatsache ist aber, dass ein Präsident heute nur noch an den Sitzen gemessen wird, die seine Partei bei Wahlen erzielt», gab er zu bedenken.

Die Stunde der Wahrheit würde für Wermuth also im Herbst 2015 schlagen, wenn die nächsten nationalen Wahlen anstehen. Der SVP-Kantonalpräsident hatte den Sozialdemokraten unter Wermuth bereits am Montag Verluste von zwei Prozentpunkten prophezeit. Der SP-Vertreter sieht dies ganz anders: «Meine Partei wird zulegen, und zwar unabhängig von meiner Person», sagte er.

Auf frühere Auftritte angesprochen, wo Cédric Wermuth als Kiffer an einer SP-Versammlung als Hausbesetzer in Baden aufgefallen war, sagte der Jungpolitiker: «Manchmal braucht es zivilen Ungehorsam, um politische Ziele zu erreichen.»

Politikberater Balsiger analysierte, diese Provokationen nützten und schadeten Wermuth gleichzeitig. «Einerseits gab es viel Medieninteresse, anderseits sind diese umstrittenen Auftritte für einige Leute ein Grund, ihn nicht zu wählen.»

Balsiger traut Wermuth aber durchaus zu, sich in der neuen Rolle als Parteipräsident zu verändern. SVP-Präsident Burgherr kritisierte hingegen, solche Provokationen gehörten sich nicht.

Wermuth hofft auf starke Gegner

Konfrontiert mit der Kritik von SP-Parteikollege Martin Killias, der Wermuths Kandidatur als «Egotrip» bezeichnet hatte, blieb der Nationalrat vage: «Martin Killias ist jemand, der seine Meinung offen und pointiert vertritt, das ist sehr wertvoll – was ich mit ihm diskutieren werde, ist parteiintern.»

Wermuth ergänzte, er freue sich auf starke Gegenkandidaturen und eine kontroverse Ausmarchung um das Parteipräsidium. «Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass ein Parteipräsident klare Positionen vertritt», fuhr der 28-Jährige fort.

Burgherrs Einwand, die SP sei zur wirtschaftsfeindlichen Partei geworden, konterte Wermuth mit dem Verweis auf die Masseneinwanderungsinitiative: «Nach dem 9. Februar ist klar, was der Wirtschaft schadet.» Er hielt fest, die SP decke «ein breites Spektrum ab, das von Simonetta Sommaruga bis zu mir reicht». Dennoch müssten die Sozialdemokraten wieder mehr zur Volkspartei werden.