Lehrer-Lohnforderungen
Hürzeler weist Forderungen nach 20 Prozent mehr Lohn für Lehrer zurück

Schweizer Lehrer fordern bis in fünf Jahren 20 Prozent mehr Lohn. Laut Bildungsdirektor Alex Hürzeler sind weder Lohnforderungen noch Streik-Androhungen angezeigt. Er räumt aber ein, dass weiterhin diverse Massnahmen nötig seien.

Mathias küng
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Bis 20 Prozent mehr Lohn in fünf Jahren fordern die Schweizer Lehrerinnen und Lehrer.

Sollte das nicht erreicht werden, sei ein Streik nicht ausgeschlossen, sagte Beat Zemp, Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) am Samstag.

Positive Signale aus Lehrersicht gebe es indessen aus den Kantonen Zürich und Aargau. Dies bestätigt gegenüber der Aargauer Zeitung LCH-Zentralsekretärin Franziska Peterhans.

Zürich habe die Hausaufgaben betreffend Löhne weitgehend gemacht, der Aargau habe sich mit der Anpassung des Lehrerlohndekrets vor zwei Jahren zumindest in die richtige Richtung bewegt.

Doch am Ziel ist auch der Aargau noch lange nicht, so die Lehrer. Laut Manfred Dubach, Geschäftsführer des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (alv), wurden die Löhne mit der Dekretsanpassung um etwa 6,5 Prozent angehoben.

Dubach: «Bezogen auf die ganze Schweiz unterstütze ich die 20-Prozent-Lohnforderung. Doch im Aargau geht es um 10 bis 15 Prozent.» Im Aargau ist ein Streik kein Thema, man geht laut Dubach den Weg über eine Lohnklage (vgl. Box).

Lohnklage: Darum geht es

Der alv hat den Regierungsrat angefragt, ob er sein Lohnsystem auf Diskriminierungsfreiheit untersuchen lassen würde. Dieser trat auf diesen Vorschlag nicht ein. Danach, so alv-Geschäftsführer Dubach, «haben wir die Klage vor die Schlichtungskommission gezogen, die dem alv in den meisten Punkten Recht gab». Da die Regierung der Empfehlung der Schlichtungskommission nicht nachkam, liegt das Verfahren nun beim Verwaltungsgericht.
Die Regierung hat auf die Klage mit einer Replik an das Verwaltungsgericht geantwortet. Nach den Ferien wird der alv mit einer Duplik ans Gericht gelangen. Dubach: «Wir rechnen damit, dass das Verfahren gegen Ende Jahr abgeschlossen sein wird, wobei es natürlich möglich ist, dieses ans Bundesgericht weiterzuziehen». (MKU)

Wenn man da Erfolg hätte, ginge es gerade bei Kindergarten- und Primarlehrpersonen etwa um die genannten 10 bis 15 Prozent.

Dubach nennt zur Lohnsituation als Faustregel: «Je kleinere Kinder man unterrichtet, desto schlechter steht man lohnmässig da.»

Bei den Gymnasiallehrkräften entspreche der Lohn etwa der Arbeitsplatzbewertung. Bei den Kindergärtnerinnen sei er etwa 15 000 Franken unter der Arbeitsplatzbewertung – deshalb die Lohnklage.

Glauben die Lehrer wirklich, dass derartige Lohnerhöhungen im aktuellen schwierigen Umfeld, wo die Kantone sparen müssen, realistisch sind? Dubach lässt dies nicht gelten.

Aargauer Lehrerlöhne

in Franken pro Jahr minimal maximal
Kindergarten 70 975 113 560
Primarstufe 77 294 123 669
Sekundarstufe I 87 824 147 259
Berufsfachschule 96 249 153 998
Höhere Fachschule 100 461 160 738
Mittelschule 102 567 164 107

Der Kanton hat ja eben Steuersenkungen beschlossen: «Man führt erst ganz bewusst eine Situation herbei, in der man die Mittel verknappt und dann sparen muss.

Das ist eine alte Taktik, die das Gericht allerdings nicht interessiert.»

Den Vorwurf, die Mittel zu verknappen und dann zu sparen, lässt SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht nicht gelten: «Man muss auch die zu hohen Ausgabensteigerungen der letzten Jahre im Staatshaushalt sehen.»

Dank gut fliessenden Steuern habe man die Bedürfnisse erfüllen können. Von einer Verknappung könne man «absolut nicht reden».

Landammann Alex Hürzeler weist die Forderungen zurück.

Er sagt: «Nach der grosszügigen Lohnrevision im Umfang von rund 50 Millionen Franken im Jahr 2011 sind weder Lohnforderungen geschweige denn Streik-Androhungen angezeigt. Um genügend Lehrpersonen rekrutieren zu können, sind weiterhin jedoch diverse Massnahmen erforderlich, was sich für den Kanton Aargau in den steigenden Anmeldezahlen der PH FHNW zurzeit bestätigt. Der Lohn ist dabei nicht das entscheidende Kriterium.»

Speziell im Aargau ist, dass die Löhne langsamer steigen als in manchen anderen Kantonen.

Deshalb fällt er in unserer Grafik nach elf Berufsjahren auch zurück. Doch weil die Löhne bei den Aargauer Lehrern bis zum 62. Altersjahr angehoben werden, holen sie wieder auf.

Dieses System könnte laut Irène Richner-Schellenberg, Leiterin Kommunikation des Bildungsdepartements, für Lehrer-Quereinsteiger ein zusätzlicher Anreiz sein. Wenn jemand mit 35 einsteigt, bekommt er auch den entsprechend höheren Lohn.